11.02.2010 Jesus Christus / Gott

Das Kreuz – Schande oder Herrlichkeit?

Der Tod Jesu, des Nazaräers, an der Hinrichtungsstätte Golgatha vor den Toren der Stadt Jerusalem hat seit jeher die Gemüter bewegt - seien es ungläubige oder gläubige. Und das zu recht: Ein Kind Gottes weiß, dass es das wunderbarste, anbetungswürdigste, höchste Ereignis ist, das jemals in Gottes Universum stattgefunden hat. Der Ungläubige weiß das zwar nicht - aber in seinem finsteren Zustand spürt selbst er, dass auch ihm das Kreuz von Golgatha etwas sagen will, ob er will oder nicht ...

Es geht jeden etwas an!

Jeder Mensch, der mit der Botschaft vom Kreuz konfrontiert wird, muss zwangsläufig dazu Stellung beziehen. Denn Golgatha muss jeden Menschen einmal beschäftigen - und wenn er meint, es zeit seines Lebens auf der Erde links liegen lassen zu können, dann wird Gott es ihm spätestens im nachfolgenden Gericht vor Augen führen. Für die Erde aber gilt trotzdem, dass jeder eine Haltung dem Kreuz gegenüber einnimmt, auch der, den das Kreuz nicht interessiert. Auch durch Gleichgültigkeit bezieht man Stellung, weil man es für belanglos ansieht, dass „dieser Jesus" am Kreuz gestorben ist.

An die Seite des Gleichgültigen gesellen sich dann noch andere Menschen. Ihnen ist das Kreuz nicht gleichgültig, nein sie hassen es sogar, sie sind seine Feinde. Wieder andere lachen darüber, sie spotten. Aber - gepriesen sei die Gnade Gottes - es gibt auch Menschen wie Du und ich, denen Gott in seiner Gnade „in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi" (2. Kor 4,6). Wir dürfen anbeten, was und vor allem wen wir dort am Kreuz gefunden haben!

Es stehen gleichsam Gleichgültige, Feinde des Kreuzes, Spötter und Anbeter unter dem Kreuz. Jeder ist gefragt, jeden kann man in eine dieser vier Kategorien einordnen.

1.      Der Gleichgültige

Wem es egal ist, dass der Herr Jesus am Kreuz gestorben ist, der gehört zu der Kategorie der Gleichgültigen. Vermutlich befinden sich die meisten Menschen in dieser Gruppe. Sie sind einmal von der Botschaft vom Kreuz angerührt worden, haben sich dann aber nicht dazu durchringen konnten, sie anzunehmen.

Die Egal-Haltung

Gleichgültigkeit geht oft mit einem kalten Herzen einher. Vielen Menschen, die von Gottes Heilsangebot in dem Herrn Jesus hören, ist es egal, was Gott getan hat, egal, dass Er seinen Sohn gegeben hat. Dem Gleichgültigen ist es einerlei, dass der Herr Jesus sich so unendlich erniedrigt hat und unsagbar leiden musste, um das Erlösungswerk am Kreuz zu vollbringen. Äußerlich sind die Gleichgültigen dabei meist sehr liebe und nette Menschen, vielleicht Dein Nachbar oder Schulkamerad. Aber können wir uns vorstellen, was Gott davon hält, wenn jemand seine größte Gabe, den Herrn Jesus, und dessen Leiden und Sterben am Kreuz von Golgatha, einfach ignoriert?! Solche Menschen werden einmal die Frage hören müssen: „Was hast du mit meinem Sohn gemacht? Ich habe Ihn gegeben, und du bist gleichgültig an Ihm vorbeigegangen!"

Toleranz

Gleichgültigkeit geht auch oft mit falsch verstandener Toleranz Hand in Hand. Man sagt, dass jeder denken und glauben soll, was er will. Mögen manche an Buddha glauben, andere an Mohammed, andere an Jesus. Jeder möge das glauben, was ihm persönlich weiterhelfe. Natürlich möchten und dürfen wir niemandem vorschreiben, was Er glauben soll. Gott „gebietet" Buße zu tun, wir zeigen aus Überzeugung den einen Weg zum Heil - aber jeder Mensch muss sich selbst entscheiden. Der Gleichgültige hingegen toleriert alles. Ihm ist es egal. Er sucht sich bestenfalls von allem das für ihn Passende aus.

Gegenüber dem Bösen innerhalb der Versammlung lässt Gott keine Toleranz zu. Solche Toleranz - was zunächst so großherzig und schön klingt, ist in Gottes Augen abstoßend. Denken wir nur an die Versammlung (Gemeinde) von Laodizea. Sie war von Gleichgültigkeit gegenüber Christus gekennzeichnet und tolerierte das Böse. Der Herr Jesus musste ihr sagen: „Weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund" (Off 3,16).

Und wir?

„Ich bin nicht gleichgültig gegenüber dem Kreuz von Golgatha, denn ich glaube an den Herrn Jesus und weiß, dass Er dort für mich gestorben ist!" sagst Du vielleicht jetzt.

Dennoch können wir uns manchmal so verhalten, als wäre Christus dort nicht für uns gestorben, ja als wäre es egal. Machen wir nicht doch oft noch gemeinsame Sache mit der Welt, mit den Gleichgültigen, denen der Herr Jesus einerlei ist, nur einer von vielen? Und leben wir nicht manchmal für uns selbst und vergessen, dass wir durch einen Preis erkauft worden sind? Auch jede leichtfertige Sünde zeigt eine gewisse gleichgültige Haltung gegenüber Dem, der uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat (vgl. Eph 5,2).

2. Der das Kreuz hasst

Neben Gleichgültigen gibt es in dieser Welt solche, die das Kreuz hassen. Das ist nichts Neues. Schon der Apostel Paulus schreibt an die Philipper: „Denn viele wandeln, von denen ich euch oft gesagt habe, nun aber auch mit Weinen sage, dass sie die Feinde des Kreuzes des Christus sind" (Phil 3,18). Damit meint Paulus Menschen, die zwar nicht unbedingt das Sterben des Herrn Jesus hassen, aber doch sein Kreuz - das Kreuz, das Gottes Todesurteil über den Menschen und dessen Weisheit ist.

Das Kreuz lässt keine Herrlichkeit für den Menschen übrig

Der Hasser oder Feind des Kreuzes ist nicht unbedingt jemand, der mit dem Christentum nichts zu tun haben möchte. Nein, oft ist es gerade ein Mensch, der sich als guter Christ sieht. Er glaubt, dass Gott Mensch geworden ist und in der Person des Herrn Jesus hier auf der Erde gelebt hat. Solch ein Mensch nimmt sogar gerne das Leben Jesu als Vorbild für sein eigenes Leben.

Aber mit dem Kreuz kann er nichts anfangen. Warum nicht? Weil es keinen Ruhm, keine Ehre, keine Herrlichkeit für den Menschen übrig lässt. Auch die Irrlehrer, die ihren Einfluss auf die Korinther ausübten, hatten so ihre Probleme mit dem Kreuz. Es war ihnen ein Ärgernis, es passte nicht in ihr Bild von einem „schönen" Christentum. Das Kreuz Christi bedeutete Schande, und mit einer solchen Sache wollten sie sich nicht verbinden. So schreibt Paulus in 1. Korinther 1,18: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft." Und in 1. Korinther 2,2: „Ich hielt nicht dafür, etwas unter euch zu wissen, als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt".

Das Kreuz - Schande und Torheit für die Welt

Für einen Ungläubigen ist das Kreuz eine Torheit, das heißt, er kann nicht verstehen, dass Gott Menschen durch die Schande eines Gekreuzigten Heil schenkt. Er kann nicht akzeptieren, dass nur das Kreuz die Erlösung für den Sünder bietet und die Ewigkeit jedes Menschen von seiner Haltung gegenüber diesem Schandpfahl und dem, der dort litt und starb, abhängt.

Dennoch ist es so. Deswegen predigte Paulus ihnen nur Jesus Christus, und Ihn als gekreuzigt. Den Galatern schrieb Paulus: „Von mir aber sei es fern, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus" (Gal 6,14).

Der große Gegenstand seiner Verkündigung war eine Person, Jesus Christus. Doch diese Person hatte an einem schmachvollen Kreuz gehangen, dem niedrigsten und untersten Platz, an dem ein Mensch gefunden werden kann. Die intellektuellen Korinther mussten verstehen, dass Christus am Kreuz sterben musste, wenn Sünder gerettet werden sollten. Um solchen, die an Ihn glauben, seine Stellung vor Gott zu erwerben, musste Er ihre Stellung vor Gott einnehmen.

Das Kreuz stellt den Sünder an den Platz, der für ihn angemessen ist - der unterste. Es ist der Platz der Schmach und der Schande, der Platz des Gerichtes und des Todes. Genau das ist der einzig wahre Platz des natürlichen Menschen vor Gott. Aber dieser Platz zerstört alle Weisheit, Größe und Ehre des Menschen, von seinem Stolz bleibt nichts übrig. Und deswegen kommen viele Menschen dazu, das Kreuz zu hassen, sie sind Feinde des Kreuzes.

Und wir?

Wenn wir einmal mit all unseren Sünden und unserem Stolz vor Gott zusammengebrochen sind und den Herrn Jesus als Heiland angenommen haben, sind wir keine Feinde des Kreuzes. Aber bekennen wir uns gerne öffentlich zu dem Gekreuzigten? Zu dem, der aus Jerusalem hinausgeworfen und hingerichtet wurde?

3. Der Spötter

Zwischen dem Gleichgültigen und dem, der das Kreuz hasst, steht der Spötter. Ihm ist das Kreuz nicht so egal, dass er nur mit den Schultern zuckt, wenn er darauf angesprochen wird. Andererseits aber ist es ihm auch nicht deshalb unangenehm, weil es dem natürlichen Stolz des Menschen keinen Raum lässt.

Nein, der Spötter lacht einfach darüber. Am Büchertisch kann man manchmal diese Kategorie von Menschen entdecken. Sie gehen laut lachend vorbei und rufen dabei: „Ihr glaubt doch wohl nicht wirklich an dieses Märchen von Jesus? Das ist ja lächerlich!" Mit solchen Leuten kann man kaum vernünftig ins Gespräch kommen.

Vielleicht steckt manchmal eine geheime Furcht, eine Ahnung dahinter, dass das Kreuz doch die Wahrheit ist. Das wäre für einen Spötter tatsächlich fatal. Er versteckt seine Furcht vor der Wahrheit dann hinter der Fassade des Spotts. Er will die Wahrheit vom Kreuz mit lautem Spotten ersticken, um sie bloß nicht zu hören. Aus welchem Grund spottet er sonst? Warum regt ihn die Botschaft so auf, dass es ihn dazu bringt, Menschen zu verspotten, die von dem Herrn Jesus und von seinem Tod am Kreuz sprechen? Der Spötter spürt eine innere Unruhe - zu Recht! Diese innere Unruhe unterscheidet ihn von dem Gleichgültigen.

Und wir?

Manchmal wird auch im Beisein von Christen über den Herrn Jesus und das Kreuz gespottet. Lasst uns um den Mut und die Treue zu unserem Retter beten, dann Stellung zu beziehen und diese Gesellschaft von Spöttern zu verlassen. 

4. Der Anbeter

Die letzte Gruppe sind die Anbeter. Sie unterscheiden sich von den anderen Menschen in einem entscheidenden Punkt: Sie haben göttliches, neues, ewiges Leben empfangen durch Gottes Gnade, ihre Sünden sind vergeben, und sie sehen in dem Gekreuzigten den Herrn der Herrlichkeit, den ewigen Sohn Gottes, die moralische Herrlichkeit des Sohn des Menschen, der demütig war, rein, gehorsam, heilig, völlig zur Ehre Gottes, des Vaters, lebend und sterbend.

Wie könnten wir deshalb je gleichgültig an diesem Kreuz vorübergehen? Wie könnten wir uns daran ärgern, uns seiner Schande schämen? Oder gar spotten? Wir werden einmal an der Seite des Herrn Jesus stehen, wenn Er in Macht und Herrlichkeit wieder auf diese Erde kommen wird - sollten wir uns dann heute seines Kreuzes schämen? Das ist unmöglich.

Wir dürfen zu dieser letzten Gruppe gehören - Ihm sei Dank! Der natürliche Mensch sieht nur Schande und Schmach auf Golgatha. Aber wir, die wir durch das kostbare Blut des Herrn Jesus erlöst worden sind, wissen, dass Christus am Kreuz für uns Gottes Kraft und Gottes Weisheit ist (vgl. 1. Kor 1,24). Wir schauen nicht allein auf ein schandvolles Kreuz, sondern auf das wunderbarste, anbetungswürdigste Ereignis, das jemals stattgefunden hat!

Dort auf Golgatha stand ein altrauhes Kreuz,
stets ein Sinnbild von Leiden und Weh;
doch ich liebe das Kreuz, denn dort hing einst der Herr,
und in ihm ich das Gotteslamm seh'.

Dieses altrauhe Kreuz, von der Welt so verhöhnt,
zieht mich wunderbar mächtiglich an;
hat doch dort Gottes Lamm, das vom Thron zu uns kam,
für uns Sünder Genüge getan.                                                                        

George Bennard

(aus: Folge mir nach - Heft 2/2010)