29.11.2008Dienst | Versammlung / Gemeinde

Ermutigung durch fünf Worte

„In der Versammlung will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand, um auch andere zu unterweisen, als zehntausend Worte in einer Sprache" (1. Kor 14,19), schrieb der Apostel Paulus den Korinthern. Diese rühmten sich ihrer Gnadengaben, die in einem erstaunlichen Maß wirklich vollständig vorhanden waren (vgl. 1. Kor 1,7). Sie vergaßen jedoch den eigentlichen Zweck dieser Gaben: die Erbauung der örtlichen Versammlung (vgl. 1. Kor 14,12).

Nicht jeder ist in der Lage, im Zusammenkommen zur Auferbauung der Versammlung die ihm anvertraute Botschaft in fünf Worte zu fassen. Das ist auch gar nicht nötig, weil der Herr die Geschwister in vielfältiger Weise erbaut (vgl. Vers 26: Psalm, Lehre, Offenbarung, Sprache, Auslegung). Auch wenn durch das Vollenden des Wortes Gottes und die damit verbundene Beendigung der Anfangszeit bestimmte Gnadengaben aufgehört haben zu existieren (Prophezeiung, Offenbarung, Sprache, Auslegung der Sprachen), gibt es bis heute eine schöne Vielfalt. Dem einen ist dies gegeben, einem anderen jenes (vgl. 1. Kor 12,8-10).

Die Entfaltung der Lehre ist in fünf Worten nicht darstellbar. Daher freuen wir uns, wenn ein Bruder die herrliche Lehre des Neuen Testaments vorstellt und dafür mehr als fünf Worte verwendet. Wir haben jedoch nicht nur Lehre nötig. Der Herr möchte durch den Dienst der Weissagung in unsere persönlichen und gemeinsamen Umstände hineinsprechen (vgl. 1. Kor 14,4). Das tut Er, indem Er uns ermuntert, ermahnt, tröstet und dadurch erbaut.

Manche Ermunterung oder Ermahnung bedarf gerade der fünf Worte, von denen Paulus spricht. Dabei sollten wir nicht erwarten, dass jemand genau fünf Wörter ausspricht. Fünf konkrete Gedanken, eben Worte, die vielleicht in fünf oder zehn Minuten vorgestellt werden, können uns überwältigen. Ich denke dabei an Brüder, die nur kurz dastehen, um uns die ihnen übertragene Botschaft des Herrn weiterzugeben. Sie mögen keine Lehrer oder Hirten im Sinn von Epheser 4,11 sein. Aber in dem Moment, in dem sie sich wieder hinsetzen, spüren wir, dass wir neuen Mut gefasst haben oder an etwas Konkretes in unserem Leben denken müssen, das der Korrektur bedarf und durch diese Worte des Herrn aufgedeckt worden ist.

Solche Brüder mögen der besonderen Ermunterung bedürfen, weil sie sich nicht trauen, nur für so kurze Zeit aufzustehen. Kürze ist kein Zeichen von Schwachheit. Wenn der Herr jemanden gerade für diese fünf Worte benutzen möchte, welch ein Segen wird dadurch verbreitet. Es ist eine Ermutigung, an den großen Diener Elia zu denken, der vom Herrn beauftragt wurde, nur das eine Wort zu sagen: „So wahr der Herr lebt, der Gott Israels, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn es in diesen Jahren Tau und Regen geben wird, es sei denn auf mein Wort!" Was für eine gewaltige Botschaft liegt doch in diesen wenigen Worten!

Oder man denke an Jachasiel, von dem wir nur das eine Wort in der Schrift lesen, mit dem er Josaphat ermutigen sollte: „Steht und seht die Rettung des Herrn an euch, Juda und Jerusalem! Fürchtet euch nicht und erschreckt nicht; morgen zieht ihnen entgegen, und der Herr wird mit euch sein!" (2. Chron 20,15-17).

Wir brauchen solche Brüder, welche die Geschwister mit fünf Worten ermuntern und ermahnen.