09.09.2007 Schöpfung | Persönlicher Glaube | 1. Mose

Falsche Deutung der biblischen Schöpfungsberichte?

Kreationisten deuten nach Ansicht des Leiters der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Reinhard Hempelmann (Berlin), die biblischen Schöpfungsberichte falsch. Im Alten Testament seien „die Vorstellungen vom Wie der Schöpfung nicht entscheidend“. Es gehe nicht um naturwissenschaftliches Informationswissen. Selbst in der Bibel würden verschiedene Vorstellungen von der Entstehung der Welt nebeneinander (!) stehen gelassen. Hempelmann kritisiert auch die Vertreter eines Konzepts vom „Intelligenten Design“. Wer von der komplexen Struktur der Lebewesen auf einen intelligenten Planer – also Gott - schließe, vergesse die in der Bibel bezeugte „Verborgenheit Gottes“.

Wie sollen praktizierende Christen auf eine solche Haltung der Evangelische Kirche Deutschland reagieren?

  1. Wir müssen darüber trauern, dass Menschen, die sich als Vertreter einer wesentlichen Kirche sehen, inzwischen derart verirrt sind. Das ist die Botschaft der Bergpredigt: „Glückselig die Trauenden, denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4). Wir trauern, dass der Unglaube derart überhand nimmt. Wir haben uns nicht über solche Menschen zu stellen, welche die Bibel nicht über alles andere stellen, sondern wir sind traurig darüber.

  2. Wer sich 1. Mose 1 und 2 sowie andere Stellen durchliest, welche uns die Schöpfung Gottes nennen und vorstellen, wird nicht nachvollziehen und bestätigen können, dass „die Vorstellungen vom Wie der Schöpfung nicht entscheidend“ seien. Gerade die Ausführlichkeit der Beschreibung der sieben Schöpfungstage, in denen Gott die Erde gemacht hat (1. Mo 1), zeigt deutlich, dass es nicht um einen sekundären Orientierungssinn geht, sondern darum, dass wir erkennen, dass hier der Schöpfer-Gott gehandelt hat. Er beschreibt als Wissender – Er hat ja selbst gehandelt – was genau Er getan hat. Wir dürfen nicht annehmen, dass Er alles beschreibt, was Er getan hat. Aber Er beschreibt das, was für den Menschen wichtig ist.

    Wir dürfen nicht vergessen, dass es Zuschauer bei der Schöpfung gab! Wir Menschen sind am Ende geschaffen worden. Aber es gab die Engel, die Zuschauer waren! „... Oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als die Morgensterne miteinander jubelten und alle Söhne Gottes jauchzten?“ (Hiob 38,4–7).

  3. Natürlich ist die Bibel kein naturwissenschaftliches Fachbuch. Diesen Anspruch hat sie nie erhoben. Aber die Bibel ist die vollkommene Wahrheit, die Gott uns Menschen geschenkt hat. Sie steht also an keiner Stelle im Widerspruch zu der naturwissenschaftlichen Wahrheit. Wenn eine heutige naturwissenschaftliche Erkenntnis im Widerspruch zur Bibel steht, mögen Christen, die an der Inspiration der Bibel festhalten, nicht erklären können, worin der Fehler der Wissenschaftler liegt. Sie wissen nur: Diese müssen sich irren. Denn Christen halten daran fest, dass Gott sich nicht irren kann. Dann wäre Er nicht Gott.

  4. Einem ernsthaften Leser der Bibel wird es schleierhaft sein, welche verschiedenen Vorstellungen es in der Heiligen Schrift von der Entstehung der Welten geben soll. Die Bibel ist hier sehr einfach und klar: Gott hat gerufen und die Erde gemacht. Er schuf im Anfang die Himmel und die Erde (1. Mo 1,1). Diesem Statement widerspricht kein anderer Vers, den wir in der Bibel lesen. Gott sei Dank – Er spricht immer eindeutig, selbst wenn wir uns oft schwer tun, sein Reden schlicht in unseren Herzen anzunehmen.

  5. Ein Christ wird nicht auf der Glaubensebene argumentieren, wenn es um wissenschaftliche Fragestellungen geht. Glaube ist nicht Wissenschaft und erschließt sich der Wissenschaft auch nicht. Aber wahre Wissenschaft wird – wenn sie von gottesfürchtigen Menschen ausgeführt wird – den Glauben des Menschen anerkennen. Wissenschaft ist auch möglich, wenn man einen Schöpfer-Gott anerkennt. Dann mag es manche Lücken in der wissenschaftlichen Erkenntnis geben. Aber diese können einen Christen nicht beunruhigen. Er weiß, dass er das volle Bild einmal verstehen wird.

  6. Wer die biblische Schöpfung ablehnt, lehnt Gott ab. Den Gott der Bibel, der sich der wahre Gott nennt. Denn die Bibel beginnt nicht von ungefähr mit der Schöpfung. Das ist sozusagen die Grundlage der ganzen Bibel, diesen Gott der Bibel zu akzeptieren. An anderer Stelle habe ich darauf hingewiesen, dass der Retter-Gott niemand anders ist als der Schöpfer-Gott. Wer den einen ablehnt, kann den anderen nicht bekommen.

  7. Wer eine Schriftstelle gegen eine andere setzt, beginnt mit Bibelkritik. Natürlich spricht die Bibel davon, dass Gott ein unzugängliches Licht bewohnt (1. Tim 6,16). An anderer Stelle zeigt Gott, dass Er sich in dem Herrn Jesus Christus vollkommen offenbart hat (Joh 1,18). Ist das ein Widerspruch? Natürlich nicht! In sich selbst ist Gott unzugänglich. Niemand, kein Mensch, kann behaupten, er habe Gott wirklich gesehen. Aber Gott ist auf den Menschen, der unfähig war und ist, zugegangen, um sich ihm gegenüber zu offenbaren. Das hat Er teilweise in der Schöpfung schon vor Tausenden von Jahren getan. Das hat Er durch sein Handeln mit Menschen überhaupt getan. In vollkommener Weise hat Er es vor fast 2.000 Jahren getan, als der Sohn Gottes, Jesus Christus, als Mensch auf diese Erde gekommen ist, um am Kreuz für Sünder zu sterben. Das ist die große, die einzigartige Botschaft Gottes an die Menschen. Aber wer den Schöpfer Gott ablehnt, wird in seinen Sünden sterben müssen und dann einmal vor einem Menschen stehen am großen weißen Thron (Off 20,11), der niemand anderes ist als der Schöpfer selbst: „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn ..., durch den er auch die Welten gemacht hat“ (Heb 1,1.2).

  8. Sollen Christen jetzt auf die Barrikaden gehen, weil sie sehen, wie weit man auch in der Evangelischen Kirche von der Botschaft der Bibel abgekommen ist? Nein, das ist nicht unsere Aufgabe. Da, wo wir sind, da, wo der Herr Jesus uns Aufgaben übertragen hat, sollen wir in Treue für Ihn und sein Werk am Kreuz von Golgatha zeugen. Da sollen wir Ihn verherrlichen und als den Schöpfer-Gott verkündigen. Mehr erwartet der Herr nicht von uns. Denn den Abfall des Glaubens können wir nicht verhindern, wie Offenbarung 17.18 deutlich machen. Dort liest man von einer vereinigten Kirche, die weder von Christus noch von Gott etwas wissen will. Dem Einzelnen aber können wir noch die Botschaft vom Kreuz näher bringen. Das allerdings ist unser aller Aufgabe!