05.12.2006Sprüche

Spr 31,6.7 - Frage/Antwort (FMN)

Der Bibeltext dieser beiden Verse lautet: „Gebt starkes Getränk dem Umkommenden und Wein denen, die betrübter Seele sind: Er trinke und vergesse seine Armut und erinnere sich nicht mehr an seine Mühsal.“

Um diese beiden Verse richtig einordnen zu können, ist es gut, sie im Zusammenhang der ersten neun Verse von Sprüche 31 zu betrachten. Dort finden wir die Unterweisung Lemuels, eines Königs, durch seine Mutter. Manche Bibelausleger weisen darauf hin, dass in der Bibel kein König mit dem Namen Lemuel (bedeutet Gott geweiht, für Gott) bekannt ist. Daher glauben sie, dass hinter Lemuel der bekannte König Salomo steht, der den größten Teil der Sprüche verfasst hat. Wenn dem so ist, dann sind die folgenden Verse von großer Bedeutung, da sie gerade Schwächen im Leben Samuels aufzeigen.

In den ersten drei Versen weist die Mutter Lemuels ihren Sohn an, ein moralisch anständiges Leben zu führen. Er soll sich nicht auf Frauen einlassen, die ihn zu einem gottlosen Leben führen würden.

In den Versen 4 und 5 warnt sie ihn davor, Wein zu trinken, der seine Sinne verdunkeln und ihn als König unnüchtern entscheiden lassen würde. Aus Prediger 2,3 wissen wir, dass Salomo diese Warnung, wenn sie denn an ihn gerichtet wurde, nicht oder nicht genügend beachtet hat.

Wenn nun der König keine Weingelage haben sollte, so gab es doch jemanden, für den der Alkohol einen Sinn machte: für den, der umkommt und betrübter Seele ist. Es ist ja geradezu eine Binsenweisheit, dass man Schmerzen mit Alkohol überspielen kann, weil dieser wie ein Betäubungsmittel wirkt. Gleiches gilt für ernsthaften, inneren Kummer.

Sind nun diese Verse so zu verstehen, dass wir sozusagen die Anweisung erhalten, Traurigen und Kranken Alkohol einzuflößen? Sicher nicht, und schon gar nicht im Licht des Neuen Testaments! Gott hat früher manches gestattet, ja auch raten lassen, für das wir als Christen heute Besseres besitzen: Das Erfüllt werden mit dem Heiligen Geist statt mit Wein zum Beispiel (Eph 5,18). Die Mutter Lemuels weist hier nur darauf hin, dass - wenn Alkohol einen Sinn hat, er diesen nicht für einen König, sondern eher für einen Traurigen und Kranken besitzt. Dabei wissen wir, dass Alkohol Probleme nur kurz überspielen kann. Dann wird man sich ihrer wieder bewusst. Aber jemand, der im Sterben liegt - ein Umkommender - mag durch solch ein Betäubungsmittel eine gewisse Erleichterung erhalten. Das ist sicher auch der Grund, warum man Gekreuzigten Wein zu trinken gab. Der Herr Jesus allerdings wollte dieses Betäubungsmittel nicht trinken - Er wollte keine Linderung seiner Schmerzen vonseiten der Menschen annehmen (Mt 27,34).

Wir lernen daraus, dass wir Mitleid haben sollen mit Menschen, die schwer krank sind und im Sterben liegen. Aber besser, als ihnen Betäubungsmittel anzubieten (auch wenn das für einen Schwerkranken angemessen sein mag), ist immer noch, sich ihrer (Not) anzunehmen - das lernen wir aus den Versen 8 und 9 in Sprüche 31. Wenn es also um Unrecht usw. aufgrund Versagens im Volk Gottes geht (Vers 8), dann sind wir aufgefordert, in geistlicher Weise „Gerechtigkeit...im Heiligen Geist“ (Röm 14,17) zu wirken. Wenn es um den „Elenden“ in Sündennot geht (Vers 9), dann haben wir etwas Besseres als Wein - dann haben wir das Evangelium der Herrlichkeit Gottes, das wir einem Sünder sagen können.

(aus: Folge mir nach - Heft 8/2006)