11.04.2020 Persönlicher Glaube | Versammlung / Gemeinde

Wer hinter Corona steht (2)

Wir singen in einem Lied: „Auch wenn der Weg durch Wogen, durch Dunkelheiten führt, steht Jesus doch am Ufer, von uns oft unerkannt. Was unsre Augen sehen, ist nur, was uns beschwert, doch Er ist in den Leiden - von uns oft unerkannt."

 

Doch Jesus steht am Ufer

Es ist gut, sich dessen bewusst zu sein. Hinter der Szene wirkt jemand, der über allem steht. Wir haben uns angewöhnt, sehr defensiv zu sagen: Gott hat das zugelassen. Und das ist auch wahr, immer wahr. Es kann nichts auf dieser Erde passieren, was Gott nicht zugelassen hat. Gott selbst spricht von diesen Dingen aber doch anders, und zwar nicht nur einmal: „Oder geschieht ein Unglück in der Stadt, und der Herr hätte es nicht bewirkt?" (Am 3,6). Hier lesen wir nicht nur, dass Gott Unglücke zugelassen hat, nein, Er hat sie bewirkt.

 

Wir müssen natürlich aufpassen, dass wir Gott nichts Böses zuschreiben, Böses im Sinn von moralisch Bösem. Nein, Gott ist gut: „Niemand ist gut als nur einer, Gott", sagt der Herr Jesus einmal (Mk 10,18). Er ist wirklich gut, nur Er. Und wir halten fest, was Jakobus sagt: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand" (Jak 1,13).

 

Unglücke

Aber Gott bewirkt Unglücke, um ein Ziel am Herzen und im Gewissen des Menschen zu erreichen. Wir können das oft nicht verstehen, weil uns das so schlimm ist. Wir brauchen das auch nicht zu erklären, weil wir Gott sein müssten, um es im tiefsten Sinn erfassen zu können. Aber wir dürfen dabei bleiben, was Amos sagt.

 

Und er ist damit nicht allein! Jesaja gibt uns Gottes Worte ebenfalls weiter: „Der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe - ich, der Herr, bin es, der dies alles wirkt" (Jes 45,7). Finsternis ist hier ebenfalls nicht das moralisch Böse, sondern die Drangsal, die Prüfung, das Unglück, wie der Nachsatz deutlich macht.

 

Salomo sagt: „Am Tag des Wohlergehens sei guter Dinge; aber am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen wie jenen hat Gott gemacht, damit der Mensch nicht irgendetwas nach sich finde" (Pred 7,14). Und Jeremia ruft Gottes Worte aus: „Das Böse und das Gute, geht es nicht aus dem Mund des Höchsten hervor? Was beklagt sich der lebende Mensch? Über seine Sünden beklage sich der Mann!" (Jer 3,38.39).

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir uns: Was hat Gott bezweckt mit diesem Virus, das uns inzwischen schon wochenlang „gefangen" hält. Wir können sein Handeln - wenn überhaupt - nur an der Oberfläche verstehen und erklären. Aber einiges zeigt Er uns in seinem Wort zu seinem Handeln.

 

Was Ungläubige betrifft

1.     Der Warner

Gott warnt den Menschen, bevor Er endgültig Gericht bringt und ausübt. Das hat Er in der Zeit Noahs getan. 120 Jahre hat Er gewartet, bis das Gericht kam, vielleicht 100 Jahre hat Er Noah als den Prediger der Gerechtigkeit (2. Pet 2,5) rufen und die Arche bauen lassen.

 

Das Gericht kommt erst, nachdem Gott gewarnt hat. Selbst den Pharao hat Er durch Mose und Aaron warnen lassen. Leider lassen sich viele Menschen nicht warnen, sondern machen einfach weiter, obwohl Gott eindringlich warnt. „Oder wird die Posaune in der Stadt geblasen, und das Volk sollte nicht erschrecken? Oder geschieht ein Unglück in der Stadt, und der Herr hätte es nicht bewirkt? Denn der Herr, Herr, tut nichts, es sei denn, dass er sein Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, offenbart habe" (Am 3,6.7).

 

Gott warnt die ungläubigen Menschen vor dem Gericht durch seine Propheten. Sind wir solche „Warner", oder gehören wir auch zu solchen, die nur in seichter Weise sagen: „Nimm Jesus in dein Herz auf und alles wird gut!" Das ist nicht die Warnung, die Menschen brauchen, das ist nicht das Evangelium, das wir in Gottes Wort finden, auch wenn es heute von vielen Christen als das „verkauft" wird. Wir sollten auch jetzt Klartext reden (oder singen) - und das in Liebe.

 

2.     Der Richter

Gott ist auch der Richter. Er kündigt Gericht nicht nur an, er vollzieht es auch. Wir haben keine Zusage, dass Er erst als Richter auftreten wird, wenn Er auf diese Erde zurückkommt. Ja, auch dann wird Er Gericht üben, das Gericht der Lebendigen und später das Gericht der Toten.

 

Unserem Herrn und Retter ist das ganze Gericht übergeben worden, und zwar schon zu seinen Lebzeiten auf der Erde: „Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben" (Joh 5,22). Er ist es heute schon: „Und er hat uns befohlen, dem Volk zu predigen und ernstlich zu bezeugen, dass dieser der von Gott bestimmte Richter der Lebenden und der Toten ist" (Apg 10,42).

 

Das endgültige Gericht liegt noch vor uns. Das heißt aber nicht, dass der Herr Jesus nicht schon heute deutlich machen könnte, dass Er der Richter ist. „Siehe, der Richter steht vor der Tür" (Jak 5,9). „Ich kann nichts von mir selbst aus tun; so, wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat" (Joh 5,30). „Wenn ich aber auch richte, so ist mein Gericht wahr, weil ich nicht allein bin, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat" (Joh 8,16). „Die aber draußen sind, richtet Gott" (1. Kor 5,13). Der Herr besitzt schon heute die Richterherrlichkeit, das sollte niemand übersehen.

 

3.     Der Werber

Gott benutzt Tage des Unglücks auch, um Menschen zu sich zu ziehen. Er musste Gericht üben an Elimelech und seinen Söhne (Rt 1). Es waren sehr schwere Tage für Noomi, die Ehefrau Elimelechs. Zugleich aber „warb" Gott um das Herz von Ruth. Hätte sie je den Weg in das Volk Gottes gefunden, wenn nicht dieses Unglück über sie und ihre Ehe gekommen wäre?

 

Wir brauchen nicht zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn ... Aber wir sehen, dass gerade dieses Unglück zum Ausgangspunkt wurde, dass Ruth den Gott Israels und auch Boas, den Retter und Löser, fand. So benutzt Gott heute ebenfalls solche Umstände, um Menschen anzusprechen und zur Umkehr zu führen. Ähnlich war es bei den Bootsleuten von Jona. Als sie das Unglück sahen, das über Jona kam, und dass auf einmal der Sturm zu Ende war, brachten sie Jahwe, nicht einfach Gott, Schlachtopfer (Jona 1,16). Gott wirbt um den Menschen, um jeden einzelnen. Er hätte das nicht nötig zu tun, denn Er ist der ewige Gott. Aber seine Liebe wirbt durch Jesus Christus - bis heute.

 

4.     Der Verhärter

Es gibt aber noch eine Seite des Handelns Gottes. Er kann auch Herzen verhärten. Der Apostel Paulus teilt uns im Blick auf die Geschichte des Pharao mit, mit dem Mose in Ägypten zu tun hatte: „Denn die Schrift sagt zum Pharao: „Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erweise und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde." So denn, wen er will, begnadigt er, und wen er will, verhärtet er" (Röm 9,17.18). Ist Gott der Töpfer, der Schöpfer? Hat Er dieses Recht? Er hat es!

 

Gott sei Dank, Gott übt dieses Recht nur aus, wenn sich der Mensch bewusst und dauerhaft gegen Ihn wendet, ja gegen Ihn rebelliert. Das wird aus der Geschichte in 2. Mose 1-14 sehr deutlich. Und ja, wir haben kein Recht, irgendeinem Menschen heute in dieser Weise zu begegnen. Das ist allein Gottes Sache. Aber wir dürfen nicht übersehen, das Paulus uns das nicht von ungefähr in einem christlichen Brief mitteilt. Gott kann verhärten, Er hat es getan. Denn Gott lässt sich nicht spotten!  Wir aber verkünden jedem Ungläubigen, so lange es geht, die gute Botschaft!

 

Was Gläubige betrifft

1.     Der Züchtiger

Gott ist im Herrn Jesus unser Vater. Er liebt uns, und daher züchtigt Er uns auch. Lasst uns das nie übersehen. Der Schreiber des Hebräerbriefs hat uns dazu viel zu sagen: „Ihr habt noch nicht, gegen die Sünde ankämpfend, bis aufs Blut widerstanden und habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: „Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geißelt aber jeden Sohn, den er aufnimmt." Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne" (Heb 12,4-8).

 

Empfinden wir das nicht jetzt, dass Gott uns züchtigt? Wir sind eingeengt in unserem persönlichen und Familienleben. Wir erleben Beschränkungen in unserem Versammlungsleben. Gott züchtigt uns aus Liebe. Offensichtlich hat Er uns etwas mitzuteilen, was wir ohne Schmerzen nicht lernen. Vielleicht nicht lernen wollten? Ob wir seine Ansprache verstehen?

 

Es ist eine Ansprache an jeden von uns persönlich. Vielleicht die Frage, welchen Platz Er in unseren Herzen und in unserem Leben eigentlich noch hat. Er, Gott unser Vater, Er, der Herr Jesus. Vielleicht weist Er mich mit diesem handeln auf eine ganz konkrete Sünde hin? Auf ein Versagen in meinem Leben? Und gemeinschaftlich? Fragt Er uns, was für einen Platz wir Ihm, unserem Gott, noch geben? Es ist seine Versammlung (Gemeinde), das dürfen wir nicht vergessen! Ist alles nur noch Routine geworden? Oder nicht einmal mehr das? So könnte man fortfahren ...

 

Haben wir vielleicht Sünde geduldet und der Herr muss uns schmerzhaft darauf hinweisen? Haben wir vielleicht Sünde viel zu leichtfertig behandelt und Er muss uns darauf hinweisen? Und wir machen einfach weiter, mit den Zusammenkünften oder ihren Ersatzformaten, mit Konferenzen oder ihren Ersatzformaten, mit dem Miteinander, als ob nichts gewesen wäre? Seine Liebe züchtigt, bevor Er manchmal schwerwiegender eingreift.

 

Natürlich dürfen wir nicht den Fehler machen und denken, dass dann, wenn jemand ernsthaft erkrankt oder vielleicht sogar weggenommen wird, das automatisch bedeutet, dass so jemand zur Kategorie von 1. Korinther 11,30 gehört. Es gibt dafür manch anderen Grund, dass Gott so mit uns handelt. An erster Stelle steht, wie wir das im Blick auf Lazarus lesen, dass der Herr sich selbst an und durch uns verherrlichen möchte. Aber fragen wird man sich schon, was der Herr mir zu sagen hat, oder nicht? Seine Zucht geschieht aus Liebe!

 

2.     Der Entlarver

In diesem Sinn ist der Herr auch ein Offenbarer, ein Entlarver unseres eigenen Zustands. Auch hier denken wir zunächst an jeden Einzelnen von uns persönlich, dann aber auch an uns gemeinsam. Offenbart der Herr nicht meine Lebensausrichtung? Entlarvt Er das nicht auch gemeinschaftlich?

 

Ein Gläubiger schrieb, dass er niemals damit gerechnet hätte, dass wir den Lock down eines unserer größten Vorrechte schneller und konsequenter umsetzen als den Lock down unserer Wirtschaft. Diese Frage bewegt uns natürlich auch, was für einen Stellenwert das Wort des Herrn im Blick auf die Zusammenkünfte für uns hat. Ich las zum Karfreitag den Leitartikel in der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Dort wollte der Autor vermitteln, dass Nächstenliebe das A und O des Christen sei. Und es ist auch so, dass wir sogar unsere Feinde lieben sollen. Aber ist das die Priorität in unserem Leben? Wer steht an der ersten Stelle? „Das Verborgene seines Herzens wird offenbar" (1. Kor 14,25).

 

3.     Der Richter

In Offenbarung 1-3 lernen wir, dass der Herr Jesus als Sohn des Menschen in richterlicher Herrlichkeit zwischen den einzelnen Leuchtern umhergeht. Er sieht und begutachtet den Zustand der einzelnen örtlichen Versammlungen (Gemeinden). Was mag Er als Richter bei uns sehen? Das können wir wieder auf uns persönlich oder uns gemeinschaftlich beziehen.

 

Johannes kannte seinen Herrn besser als jeder der anderen Jünger. Aber als er den Herrn in dieser richterlichen Gestalt sah, fiel er zu Boden. Wir brauchen vor unsrem Herrn keine Angst zu haben. Das hatte Johanes auch nicht - normalerweise. Aber in diesem Augenblick fiel er wie tot nieder. Ob auch wir erkennen, dass das Licht Gottes in dieser Zeit in unser persönliches und gemeinschaftliches Leben scheint? Der Richter - ja, wir kommen nicht ins Gericht, hat der Herr uns ausdrücklich zugesagt, die wir an Ihn glauben (Joh 5,24). Aber mit dem Richter haben auch wir heute zu tun, jeder von uns.

 

4.     Strafe

Manche Gläubigen meinen, Strafe sei nur nach hinten gerichtet. Damit hätten wir als Gläubige nichts zu tun. Das aber ist ein Irrtum. Mal abgesehen davon, dass es eine willkürliche Überlegung ist, Zucht nur als nach vorne gerichtet und Strafe als nur nach hinten gerichtet zu definieren, stimmt es einfach nicht.

 

In 2. Korinther 2,6 wird gerade die „Zucht" der Versammlung, jemand auszuschließen, „Strafe" genannt. Und in Hebräer 12,5 lesen wir: Ihr „habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: ‚Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst.‘" Also sehen wir auch hier, dass Zucht und Strafe in Gottes Augen eng beieinander liegen. Gott straft, auch heute, durch Zucht. Und das hat eben nicht nur etwas mit Ungläubigen zu tun, sondern gerade mit uns als Gläubigen. Lasst uns das auch in der aktuellen Situation nicht ignorieren.

 

5.     Der Läuterer

Gott läutert uns auch, um zu zeigen, dass Treue vorhanden ist. Das finden wir bei Abraham, der von Gott in einzigartiger Weise geprüft wurde. Er sollte seinen Sohn opfern. Was für eine Prüfung! Abraham tat es und offenbarte das Gold seines Glaubens.

 

Auch uns läutert der Herr. Er prüft uns, nicht um zu sehen, ob etwas von dem Gold seiner Herrlichkeit vorhanden ist, sondern um zu zeigen, dass es so ist. Und um zu bewirken, dass dieses Gold in unserem praktischen Leben reiner und immer mehr hervorscheint. Gott weiß, dass bei den Seinen Glaubensvertrauen auf Ihn vorhanden ist. In diesen Tagen habe ich manches Mal erlebt, dass es gerade bei sogenannten Risikogruppen in einem besonderen Maß zu sehen ist. Gott freut sich, wenn dieser Glaube sichtbar und sichtbarer wird. Es ist zu seiner eigenen Verherrlichung.

 

Gott möchte bewirken, dass wir wieder die richtigen Prioritäten in unserem Leben setzen. Er möchte, dass wir mehr und mehr auf den Herrn unser Leben ausrichten. Sein Wort soll uns mehr und mehr bestimmen. Ein wunderbares Ergebnis seines Wirkens auch durch Unglücke, ein Wirken seiner Fürsorge und Gnade in unserem Leben.

 

Zum Schluss

Wir haben es mit Gott zu tun, der gut ist, der uns gut ist (Ps 73,1). Er liebt uns und möchte uns zu sich ziehen. Wohl uns, wenn wir seine Sprache verstehen und unser Leben durch Ihn verändern lassen, damit mehr von Ihm und seinem Wesen sichtbar wird.