Angezogen, gefunden und geholt

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Dürfen wir in den Menschen, die zu David kamen, nicht ein Bild von uns selbst sehen? Auch wir sind zum Herrn Jesus, dem wahren David, gekommen. Wir haben Ihn im Glauben als Herrn und Heiland angenommen und sind bei Ihm geblieben.

Manche Menschen wurden von David angezogen, andere von ihm gefunden, wieder andere gerufen und geholt. Darin erkennen wir etwas vom Handeln des wahren David mit uns Menschen. Nachfolgend möchte ich drei Beispiele herausgreifen und diese etwas näher beleuchten.

Jonathan – von David angezogen

„Da verband sich die Seele Jonathans mit der Seele Davids; und Jonathan liebte ihn wie seine Seele.“ (1. Sam 18,1)

Jonathan wurde von der Person Davids angezogen. Wie alle Israeliten hatte er sicher mit großer Spannung mitverfolgt, wie David den Sieg über Goliath errungen hatte. Er hatte auch die Worte gehört, die David danach zu seinem Vater Saul gesprochen hatte. Aber es genügte ihm nicht, nur ein Augenzeuge von Davids Sieg zu sein. Nein, es war die Person Davids selbst, zu der er sich hingezogen fühlte. Er freute sich nicht nur über den Sieg, er suchte eine persönliche Beziehung zu dem Sieger. „Jonathan liebte ihn wie seine Seele“. Und aus Liebe zu David war er bereit, auf alles zu verzichten, was ihn bis dahin ausgezeichnet hatte.

Auch die beiden Jünger Johannes und Andreas wurden von der Person des Herrn Jesus angezogen. Als Johannes der Täufer auf Jesus blickte und erklärte: „Siehe, das Lamm Gottes!“, folgten sie Ihm nach. Warum? Weil sie seine Herrlichkeit angeschaut hatten, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater (Joh 1,14). Sie suchten nicht irgendetwas. Nein, sie suchten Ihn und wollten bei Ihm sein. „Wo hältst du dich auf?“ Das war die Frage, die ihre Herzen bewegte. Wie ist das bei uns? Sind wir auch von der Größe und Herrlichkeit des Sohnes Gottes angezogen? Wollen wir uns auch dort aufhalten, wo Er ist – in seiner Gegenwart?

Ein ägyptischer Jüngling – von den Männern Davids gefunden

„Und sie fanden einen ägyptischen Mann auf dem Feld und brachten ihn zu David.“ (1. Sam 30,1)

Als David und seine Männer die Amalekiter verfolgten, die ihre Frauen und Kinder gefangen weggeführt hatten, fanden sie einen ägyptischen Mann auf dem Feld liegen. Dieser hatte seinen krank gewordenen Knecht einfach liegen gelassen und war ohne ihn weitergezogen. Aus eigener Kraft hätte der Ägypter niemals zu David kommen können – dazu war er viel zu schwach. Wenn David ihn nicht gefunden hätte, hätte es für ihn keine Hoffnung auf Rettung gegeben.

Wie dieser ägyptische Jüngling von David gefunden wurde, so wurden auch wir vom Herrn Jesus gefunden. Von uns aus wären wir nie zu Ihm gekommen, denn wir waren „tot in unseren Vergehungen und Sünden“, „kraftlos“ und „Feinde Gottes“ (Eph 2,1; Röm 5,6.10). Nein, Er suchte uns. Er kam in diese Welt, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist (Lk 19,10).

David stand im Begriff, an den Amalekitern Gericht zu üben. Doch auf dem Weg dahin übte er Gnade an dem ägyptischen Jüngling. Sehen wir in dieser Begebenheit nicht ein treffendes Bild unserer Zeit? Der Richter steht vor der Tür (Jak 5,9): Der Herr Jesus wird in Kürze die Welt richten. Aber bis es so weit ist, übt Er noch Gnade. Darum: Nutze die Zeit und lass dich von Ihm finden! Heute kannst du Ihm noch als Heiland begegnen – morgen schon kann Er dein Richter sein!

Mephiboseth – von David geholt

„Da sandte der König David hin und ließ ihn aus dem Haus Makirs, des Sohnes Ammiels, holen, von Lodebar. Und Mephiboseth, der Sohn Jonathans, des Sohnes Sauls, kam zu David.“ (2. Sam 9,5.6)

Als David auf dem Thron saß, wäre es ein Leichtes für ihn gewesen, sich endlich Genugtuung zu verschaffen und an der Familie Sauls Rache zu nehmen. War Saul ihm nicht wie einem Rebhuhn auf den Bergen nachgejagt (1. Sam 26,20)? Hatte er nicht jede Gelegenheit genutzt, um ihm nach dem Leben zu trachten? Doch David hegte keine Rachegedanken in seinem Herzen. Im Gegenteil, sein Herz war voller Güte. Er hatte im Sinn, dem Haus Sauls Güte zu erweisen.

Als David erfuhr, dass noch ein Sohn von Jonathan lebte, sandte er hin und ließ ihn holen. Von sich aus wäre Mephiboseth nie zu David gekommen. Er hatte Angst vor David und wäre am liebsten für immer in Lodebar geblieben. Zudem konnte er gar nicht zu David kommen, denn er war lahm an beiden Füssen (2. Sam 9,13). Doch David wollte Güte an ihm erweisen und ließ ihn zu sich nach Jerusalem holen. Mephiboseth sollte beständig an seinem Tisch essen, wie einer von den Königssöhnen (Verse 7.10.11.13).

Wenn Gott, der Vater, uns nicht mit „Seilen der Liebe“ zum Herrn Jesus gezogen hätte, wären wir nie zu Ihm gekommen (Hos 11,4; Joh 6,44). Wir wären für immer seine Feinde geblieben – ohne Hoffnung auf Versöhnung. Schließlich wäre die ewige Gottesferne unsere Strafe gewesen. Doch Gott sei Dank, dass Er uns in dem Geliebten begnadigt und uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht gebracht hat (Eph 1,6; 1. Pet 2,9)! In seiner reichen Barmherzigkeit hat Er uns „mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“. Ja, Er hat „uns zuvor bestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 2,6; 1,5).

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