Sanftmut – eine Haltung mit Erfolgsaussichten? (FMN)

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Gemäß Wikipedia sind Gegenbegriffe zu sanftmütig: zornmütig, aufbrausend und aggressiv. Dieses Verhalten hat der Herr Jesus nie an den Tag gelegt. Und darin können wir von Ihm lernen.

Sanftmut bedeutet im Neuen Testament, dass der von neuem geborene Mensch sich unter Kontrolle hat und nur auf dem besteht, was notwendig ist [1]. Sie ist das Ergebnis einer durch Gnade gewirkten Kraft [2], die Widerstand und Leid erträgt. Sanftmut gehört zur Frucht des Geistes (Gal 5,23). Sie ist also nicht nur eine Wesensart von geduldigen Menschen, sondern eine innere Ruhe, die alle Dinge dem „Herrn des Himmels und der Erde“ (Mt 11,25) überlässt und sich Ihm unterordnet (V. 29).

Christus – Sanftmut in Person

Wie oft haben die Menschen den Herrn Jesus mit Situationen oder Vorwürfen konfrontiert, durch die sie unsere alte Natur „zur Weißglut getrieben hätten“. Der Herr Jesus hat jedoch ganz anders reagiert. Warum? Weil eine seiner Charaktereigenschaften „Sanftmut“ war. Dazu ein Beispiel:

Direkt im Anschluss an seine oben zitierten Worte aus Matthäus 11 trifft der Herr Jesus am Sabbat in der Synagoge auf einen Mann mit einer verkrüppelten Hand. Jesus war gekommen, um den Menschen Gottes Liebe zu zeigen. Und Er zeigte Gottes Liebe auch darin, dass Er ihnen in der Not half. Dieser Mensch in der Synagoge brauchte die Hilfe des Heilands. Dort waren auch Menschen anwesend, die dem Herrn Jesus absolut ablehnend gegenüberstanden. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit zeigten sie das öffentlich.

In dieser Begebenheit geht es um die Heilung am Sabbat, was in den Augen dieser Menschen verboten war. Da der Herr Jesus in ihre verdorbenen Herzen sehen konnte, hätte Er in seinem gerechten Zorn (Mk 3,5) mit Härte auf das unverschämte Verhalten reagieren können. Unverschämt auch deshalb, weil sie bei ihren eigenen Angelegenheiten (z.B., wenn ein Schaf am Sabbat in eine Grube gefallen war) eine Ausnahme machten. Stattdessen erklärte der Herr Jesus ihnen in Ruhe, dass es um „Gutes tun“ (V. 12) geht. Und dabei blieb Er zugleich fest im Blick auf die Wahrheit Gottes. Sie dagegen bestanden darauf, dass das Gesetz buchstabengetreu gehalten werden müsse, wobei die menschlichen Gebote bei ihnen größeren Wert hatten als die Gebote Gottes. Im Gegensatz zum mosaischen Gesetz waren ihnen Liebe und Barmherzigkeit völlig fremd.

Christen – aufgefordert zur Sanftmut

Zusätzlich zu diesem und zu anderen Beispielen in den Evangelien, wo wir etwas von der Sanftmut des Herrn Jesus sehen, werden wir in den Briefen des Neuen Testaments wiederholt zu Sanftmut aufgefordert (Gal 6,1; Eph 4,2; 1.Tim 6,11). Auffallend dabei ist, dass Sanftmut oft zusammen mit Liebe genannt wird. Und das verstehen wir gut. Wenn wir unseren Mitgläubigen oder Mitmenschen mit Liebe begegnen, dann dürfte es uns auch nicht schwerfallen, sanftmütig zu sein.

Wir denken noch einmal an den Herrn Jesus: Er hat sich immer richtig verhalten, so dass Ihm keiner irgendetwas hätte vorwerfen können. Trotzdem haben die Menschen Ihm schreckliche Dinge an den Kopf geworfen: „Fresser; Weinsäufer; Er hat einen Dämon; Er ist von Sinnen; in Hurerei geboren...“. Wie hat der Herr Jesus darauf reagiert? Aufbrausend oder aggressiv? Niemals! Er war auch bei diesen Situationen sanftmütig!

Sanftmut können wir bei vielen Gelegenheiten zeigen, wie die oben erwähnten Stellen deutlich machen.

Sanftmut – auch im Miteinander von Christen wichtig

In Galater 6,1 geht es darum, dass ein Gläubiger etwas Böses getan hat. Wenn wir davon erfahren, können wir unterschiedlich darauf regieren: Wir können aufbrausen und uns entrüsten. Ist das Sanftmut? Nein! Wir können ihn in Ruhe darauf hinweisen, mit dem Ziel, ihn zurechtzubringen. So hätte der Herr Jesus reagiert. Wenn wir im Bewusstsein, dass wir nicht besser sind, so darauf reagieren, zeigen wir Sanftmut.

Es gibt Situationen, da ist das Zusammenleben mit anderen Gläubigen nicht unbedingt angenehm. Dafür gibt uns Epheser 4,2 eine Hilfe. Vielleicht sind wir wirklich „genervt“. Aber statt darauf genervt zu reagieren, sollen wir solche Mitgeschwister „ertragen in Liebe“ und ihnen dadurch wirkliche Sanftmut entgegenbringen.

Sanftmütiges Verhalten kommt nicht von selbst. Eine Hilfe ist es, das Verhalten des Herrn Jesus in den Evangelien zu betrachten. Da haben wir eindrücklichen Anschauungsunterricht, was wirkliche Sanftmut ist. Zum anderen ist es aber auch eine Sache des Wollens und der Energie. In 1. Timotheus 6,11 wird Timotheus aufgefordert: „Strebe nach Sanftmut des Geistes“. Sogar Timotheus, der zurückhaltend und etwas ängstlich veranlagt war, wurde dazu aufgefordert. Wieviel mehr gilt uns diese Aufforderung, die wir schon mal leicht „in die Luft gehen“. 

Wir wollen wirklich Lernende sein und dem Herrn Jesus in seiner Sanftmut nacheifern. Gelegenheit dazu hat sicher jeder genug.

Und wir wollen daran denken, wie oft zuallererst unser Heiland, aber auch unsere Mitmenschen mit uns sanftmütig sind.   

Folge mir nach – Heft 8/2022 

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