Deiner Zukunft auf der Spur (Autor: Michael Großklaus) – eine Buchbesprechung

Lesezeit: 12 Min.

„Deiner Zukunft auf der Spur“ ist ein recht neues Buch. Es wurde 2020 in GerthMedien publiziert, umfasst 142 gut lesbare Seiten und kostet 15 Euro. Auf der Titelseite steht erklärend: „Wie du deine Berufung findest und welche Rolle deine Persönlichkeit dabei spielt“. Dadurch wird der zentrale Punkt dieses Buches gleich deutlich: Michael Großklaus sieht in der Persönlichkeit des Menschen den zentralen Punkt, der seine Berufung bestimmt und prägt. Mit anderen Worten: Man muss seine Persönlichkeit analysieren und erkennen. Dann ist man nach Auffassung des Autors auch in der Lage, seine Berufung und seinen Dienst gut zu identifizieren.

Inhalt des Buches

Das Buch enthält 15 Kapitel. Im ersten beschreibt Großklaus seine Überzeugung der biblischen Anthropologie, als der biblischen Lehre und des Bildes des Menschen. Im Anschluss beschäftigt er sich mit der Persönlichkeit des Menschen. Nach der Beschreibung verschiedener Merkmale (Persönlichkeits-ABC) versucht der Autor zu zeigen, dass die Persönlichkeit messbar ist. Dazu benutzt er die Bezeichnungen, die Sigmund Freud eingeführt hat (Es, Ich, Über-Ich).

Im Anschluss daran verbindet Großklaus die Persönlichkeit und das Gottesbild miteinander. Auf dieser Basis sieht er sich dann einige Personen der Bibel an und beschreibt an ihrem Beispiel die Persönlichkeit und die Berufung, wie sie in Gottes Wort miteinander verbunden werden.

Danach kommentiert der Autor seine eigene Entwicklung. Er war erst Polizist. Danach wurde er nach Besuch einer Bibelschule Pastor. Schließlich promovierte er nach einem weiteren Studium auf dem Gebiet der Psychologie.

Die Kapitel 8-12 widmen sich dann praktischen Überlegungen. Die Persönlichkeit wird verbunden mit der Berufswahl, der Partnerwahl, dem Ausleben der Sexualität und der Kommunikation. Zudem gibt Michael Großklaus einige praktische Vorschläge, um den Willen Gottes zu erkennen in diesen Fragen.

In den drei abschließenden Kapiteln behandelt der Verfasser dann Gottes Anteil im Unterschied zu unserem Anteil an der Berufung. Er beschäftigt sich dann mit den Geboten Jesu (nämlich nach Aussagen des Autors dem Gebot, Gott zu lieben, dann sich selbst zu lieben und auch den nächsten zu lieben). Abschließend gibt er eine Antwort auf die Frage, was passiert, wenn wir Gott falsch verstanden haben.

Positive Aspekte

Es ist hilfreich für Jung und Alt, sich mit der Frage der Berufung auseinanderzusetzen. Wie viele tun sich damit schwer und überlegen ein halbes Leben lang, womit der Herr sie beauftragt haben mag. Daher ist es eine gute Anregung, dieses Thema ernsthaft zu erwägen.

Gut finde ich auf S. 11 den Hinweis, dass wir immer dafür offenbleiben müssen, dass der Herr uns für eine Zeit in seinen Dienst beruft, danach aber womöglich wieder andere Aufgaben für uns im irdischen Bereich (Beruf) hat. Die Vorstellung, es gäbe eine Berufung „in das Werk des Herrn“ hat keine Grundlage in Gottes Wort. Der Herr beruft uns zu einem konkreten Dienst (der sich verändern oder erweitern kann). Aber eine allgemeine Berufung in das Werk des Herrn gibt es nicht.

Hilfreich ist auch die kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten „Selbstberufung“. Großklaus weist mit Recht auf die Gefahr von Veranstaltungen, von Musik, dem nach vorne Rufen und Selbstsuggestion in einem solch emotionalen Umfeld hin. Durch Gefühle hat sich schon mancher in die Irre führen lassen, was Dienst und Berufung betrifft (vgl. S. 85-87). Die Berufung des Herrn fußt nicht auf emotionalen Empfindungen (der und der hat mir, als er über diesen Dienst gesprochen hat, in die Augen geschaut – womöglich hat er durch mich durchgeschaut und ich habe nur subjektiv gemeint, dass ...). Solch eine Berufung ist auch für andere nachvollziehbar.

Tatsächlich spielt die eigene Persönlichkeit oft eine viel größere Rolle, als man denkt, ob jemand sich schnell in einen bestimmten Dienst berufen fühlt (S. 89). Das merkt man gelegentlich an uns „Typen“ von Dienern, mit denen man im Reich Gottes oft zu tun hat.

Probleme

Leider fällt es mir schwer, weitere positive Elemente zu benennen, die ich diesem Buch entnehmen konnte. Man merkt: Es sind nur ein paar Einzelheiten. Bei den Problemen und Herausforderungen, die ich mit diesem Buch habe, beschränke ich mich auf einige wichtigen Punkte:

  • Das Grundproblem: Es ist wahr, dass die Persönlichkeit oft eine große Rolle dabei spielt, ob jemand meint, eine (besondere) Aufgabe im Reich Gottes zu haben oder nicht. Sicher auch ein gewisser Gruppendruck, den es auf verschiedenen Ebenen (Familie, Freunde, örtliche Versammlung/Gemeinde usw.) geben kann. Aber ist es wahr, dass nach Gottes Gedanken die Persönlichkeit ausschlaggebend ist für die Aufgabe, die Er uns anvertraut? Die Antwort ist: Nein!
    Ein wichtiger Abschnitt dazu ist Matthäus 25. Dort lesen wir zu diesem Thema eine klare Aussage des Herrn in dem Gleichnis von den Talenten. Die (geistlichen) Talente werden den Knechten gegeben nach der eigenen (irdischen) Fähigkeit (Mt 25,15). Es geht also überhaupt nicht um die Persönlichkeit, sondern um irdische Fähigkeiten, die Gott uns gegeben hat (denken, reden, zuhören usw. können). Damit und nicht mit einem bestimmten Naturell verbindet der Herr geistliche Aufgaben und Begabungen. Gottes Wort zeigt somit, dass nicht der Charakter, sondern die von Gott, unserem Schöpfer gegebenen irdischen Begabungen eine Beziehung zu den geistlichen Gaben haben (aber nicht der Schlüssel sind), die uns der verherrlichte Herr schenkt. Dass die geistlichen Aufgaben nicht identisch sind mit den irdischen Fähigkeiten, macht der Herr zudem deutlich.
    Dieser Punkt die Kernaussagen des Buches in Frage. Wo sind sie in Gottes Wort verankert? Kein Wunder, dass man kaum Bibelstellen in diesem Werk findet, schon gar nicht solche, die diese These der Persönlichkeit stützen. Den Bibelstellen, die man den Thesen des Autors entgegenhalten könnte, werden sofort „entkräftet“. Großklaus behauptet: Ihr reißt diese Bibelstellen aus dem Zusammenhang. So macht man sich immun gegen Kritik.
  • Das Ausgangsproblem: Dazu passt, dass Michael Großklaus mit einer Anthropologie ins Buch startet, die manche Fragen aufwirft. Worum geht es?
    Der Mensch ist im „Bild Gottes“ geschaffen worden (1. Mo 1,27). Was ist mit „Bild Gottes“ gemeint? Großklaus versteht darunter eine Ebenbildlichkeit vom Menschen mit Gott: Die Bibel zeigt, dass der ewige Gott ein dreieiner Gott ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Auch der Mensch sei eine Dreieinheit: Geist, Seele und Körper (1. Thes 5,23). Genau darin liege, so der Autor, die Ebenbildlichkeit von Mensch und Gott und daher auch die Tatsache, dass der Mensch Bild Gottes sei. Folgendes ist allerdings zu bedenken:
    a) Die drei göttlichen Personen Vater, Sohn und Heiliger Geist stehen alle auf einer Stufe. Von allen drei Personen lesen wir, dass sie Gott sind. Bei uns dagegen ist der Geist das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Dieser Geist, das heißt der Teil des Menschen, der mit Gott in Verbindung treten kann, hat daher eine gewisse Vorrangstellung vor Seele und Körper.1 Diese sind nicht unwichtig oder minderwertig. Aber nicht der Körper steht auf der höchsten Stufe, sondern der Geist. Tiere haben auch Seele und Körper, aber keinen Geist. Ihr Platz in der Schöpfungsordnung Gottes ist daher unterhalb des Menschen. Der Mensch ist somit nicht Bild Gottes, weil er aus Geist, Seele und Körper besteht.
    b) „Bild“ heißt einfach „Repräsentant“. Wenn ich ein Bild meiner Frau zeige, dann stellt dieses Bild meine Frau dar, es repräsentiert meine Frau. So ist nach Kolosser 1,15 der Herr Jesus als Sohn seiner Liebe das Bild des unsichtbaren Gottes. Und der Mensch ist auf der Erde der Repräsentant Gottes. Das hat nichts mit Dreieinheit oder dergleichen zu tun.
    Das mag auf den ersten Blick nur eine Theorie oder Theologie sein. Aber es geht viel tiefer. Der Mensch ist keineswegs das Ebenbild Gottes, sondern repräsentiert Ihn auf der Erde. Damit stehen auch die Schlussfolgerungen, die Großklaus aus seiner Anthropologie für die Persönlichkeit usw. folgert, auf tönernen Füßen.

Im weiteren noch ein paar einzelne kritische Punkte des Buches (auszugsweise):

  • S. 12: Kann man sich für den vollzeitigen Dienst an einer irdischen Fakultät ausbilden lassen? Wo finden wir das in Gottes Wort?
  • S. 13: Gibt es eine Ausbildung für das Reich Gottes, ohne dass man weiß, wozu genau man ausgebildet wird? Natürlich wissen wir nicht, wozu uns der Herr noch in unserem Leben gebrauchen möchte. Aber der Herr macht uns die Berufung deutlich und dann lernen wir von Ihm im täglichen Leben der Gemeinschaft mit Ihm und durch das Lesen und Verarbeiten seines Wortes. Petrus wurde zu einem Menschenfischer berufen und danach von dem Herrn „ausgebildet“. Auch Paulus wurde gesagt, was der Herr für einen Dienst für ihn hatte. Ein pauschales Berufen in das Reich Gottes ist nicht in seinem Wort verankert. Gott gibt konkrete Aufgaben.
  • S. 14: Die Bedeutung der Persönlichkeit für die Berufung zum Dienst wird auf 2. Petrus 1,10 gegründet. Dieser Vers aber bezieht sich nicht auf unseren Dienst für den Herrn.
  • S. 27: An dieser Stelle greife ich ein wesentliches Problem des Buches auf. Viele Erklärungen und Hinweise fußen auf weltlicher Psychologie. Das ist nicht zufällig so, denn der Autor hat Psychologie studiert und darin auch promoviert. Aber kann uns diese weltliche Psychologie, die zu einem großen Teil von Atheisten und Agnostikern formuliert worden ist, wirklich helfen, ein Bild der Seele des Menschen zu bekommen, wie Gott die Seele sieht? Sicher nicht!. Auch die Modifikation dieser Modelle von Atheisten wie Freud, Rodgers, Jung und anderen kann nicht weiterhelfen. Denn einfach an einem unbrauchbaren (weil Gott-losen) Modell Gott ergänzen: Damit wird ein von Menschen ohne Gott ausgedachtes Modell nicht brauchbar. Leider aber leitet Großklaus seine Theorien und Definitionen von Persönlichkeit usw. nicht aus Gottes Wort, sondern aus menschlichen Werken ab, die meinen, ohne Gott auskommen zu können. Damit wird Theorie, Modell und Schlussfolgerung für uns als Christen untauglich.
  • S. 30: Die These, dass sich eine Persönlichkeit nicht oder kaum verändert, wird durch Mose widerlegt. Er war ein jähzorniger Mann. Später nennt Gott ihn den sanftmütigsten Mann auf der Erde. Ähnliches gilt für Paulus. Auch Petrus, der vorschnelle Mann in manchen Lebenssituationen, hat sich durch den Herrn sehr verändert. Das betrifft sein Verhalten und seine „Persönlichkeit“. So könnte man fortfahren.
  • S. 32: Großklaus hat eine fragwürdige Wahrnehmung dessen, was Gottes Lehre von Liebe im Neuen Testament ist. Der Autor sagt, die Reihenfolge sei nicht: Gott, dann den Nächsten, anschließend sich selbst lieben. Sondern: Gott, dann sich und erst danach den Nächsten lieben. Der Verfasser legt sehr viel Wert auf die Selbstliebe.
    Tatsächlich wissen wir aus dem Hirtendienst, dass es eine größere Anzahl an Menschen gibt, die eine problematisches Selbstbild haben. Das kann Folge der Erziehung und anderer Erlebnisse sein. In der Folge haben sie mit zum Teil großen Minderwertigkeitsgefühlen usw. zu tun. Aus einem solchen Krankheitsbild aber abzuleiten, man könne Gottes Wort nach eigenen psychologischen Vorstellungen und „Erkenntnissen“ auslegen und verändern, kann nicht zu einem guten Ergebnis führen. Es ist schlicht verkehrt.
    Großklaus bezieht sich auf Hinweise zur Liebe alttestamentlicher Art. Dort ist der Bezugspunkt die Liebe zu sich selbst. Denn es ist krank, sich nicht um sich selbst zu kümmern. Das Neue Testament geht viel weiter. Denn hier geht es nicht um Gesetz, sondern darum, dass Gott uns neues, ewiges, ja sein eigenes Leben geschenkt hat. Daher verwundert es nicht, dass der Herr nicht von Selbstliebe spricht. Er zitiert mehrfach das Alte Testament. Aber wenn Er uns zeigt, was Liebe im tiefsten Wesen ist, zeigt Er uns, wie Gott Ihn, den Sohn, liebt, aber auch, wie Gott, der Vater, und der Sohn uns liebt und geliebt hat (Joh 15,9; 13,34; 17,23.24.26). Daher ist der Maßstab für uns Ehemänner, so zu lieben, wie Christus seine Versammlung (Gemeinde) geliebt hat (Eph 5,25). Die Liebe des eigenen Leibes (V. 28( zeigt nur, dass der Mann auch für sich selbst sorgt. Aber er wird nicht dazu aufgefordert. Und das steht erst recht nicht vor der Liebe zu anderen. Es ist eine Selbstverständlichkeit aus dem natürlichen Bereich.
  • S. 36: Die Kritik von Großklaus, Gläubige wendeten Bibelstellen falsch an, ist nicht unberechtigt. Wir alle stehen in Gefahr, uns die Verse auszusuchen, die uns passen. Dabei kann es sein, dass der Zusammenhang diese Anwendung gar nicht zulässt. Aber der Verfasser stellt sich leider nicht den Bibelstellen, die seinen Vorstellungen von Persönlichkeit usw. entgegenstehen.
    Zudem hat man den Eindruck, dass er dieses Argument anführen muss, weil er selbst für seine Theorien immer wieder keine Bibelstellen anbietet. Man kann nicht alle Bibelstellen, die dem eigenen Standpunkt entgegenstehen, dadurch ungültig machen, dass man pauschal behauptet, diese würden aus ihrem Zusammenhang gerissen. Das ist eine unredliche Vorgehensweise. Dann müsste man sich wenigstens die Mühe machen und zu erklären versuchen, warum sie nicht anwendbar sind. Das aber fehlt in diesem Buch.
  • S. 66: Der Autor empfiehlt, dass man dann, wenn man mit seiner Persönlichkeit in einer örtlichen Gemeinde nicht zurechtzukommen meint, die Gemeinde wechseln solle. Wo spricht Gottes Wort von verschiedenen Gemeindearten? Ein Gemeindehopping ist noch nie eine gesunde und dauerhafte Lösung gewesen. Vor allem widerspricht so etwas Gottes Wort. Vielmehr sollte man sich fragen, was man selbst bei sich tun und verändern kann, um auf die Gläubigen am Ort zuzugehen und in Liebe mit ihnen auszukommen. Dass die anderen auch eine Verantwortung haben, ist völlig klar. Aber ich kann nicht andere ändern, wohl aber mich selbst verändern lassen. Das aber passt nicht ins Konzept von Großklaus, der ja die Persönlichkeit als fast unveränderbar ansieht. So muss man sich nach seiner Überzeugung eine Gemeinde suchen, die für die eigene Persönlichkeit passt. Ein Irrweg!
  • S. 67: Gott ist nicht unser „Papa“. Wir sollten mit Ehrfurcht zu Ihm sprechen. Er ist der ewige Gott, der Schöpfer, der Allmächtige, der unsichtbare Gott. Ja, Er ist in Christus unser Vater geworden. Aber Er hört nie auf, der Erhabene zu bleiben.
  • S. 70: Leider entwertet der Verfasser Gottes Wort. Großklaus will der Bibel absprechen, für jede Frage des Lebens Antworten zu liefern. Sie sei auch kein Eheberatungsbuch usw. So verkennt er den gewaltigen Nutzen von Gottes Wort für alle unsere Lebensbereiche und -fragen. Natürlich ist es wahr, dass Gott hier nicht alle Fragen des natürlichen Lebens regelt. Aber auch im Blick auf unser irdisches Leben gibt Gott uns in seinem Wort die Prinzipien, die wir benötigen, um zu seiner Ehre zu leben.
  • S. 71: Angeblich waren Adam und Eva nicht verheiratet. An anderer Stelle sieht Großklaus Ehescheidungen in bestimmten Fällen (es geht nicht um Hurerei) als unausweichlich an. Gottes Wort spricht anders! Gerade für jemand, der verantwortlich im Bereich von bibeltherapeutischer Seelsorge arbeitet, ist dieser unbiblische Grundsatz sehr bedauerlich.
  • S. 82: Reicht es, wenn man den Eindruck hat, Gott habe uns in einen Dienst berufen? Gerade auf diese Weise können (junge) Christen durch Selbstsuggestion in einen Dienst eintreten., den Gott ihnen nicht übertragen hat. Gott ist größer und kann das auch klarmachen. Aber gerne würde man (jüngeren) Gläubigen ersparen, sich und anderen in dieser Weise im Weg zu stehen und solche Enttäuschungen zu erleben. Enttäuschung heißt ja, sich getäuscht zu haben. Wie oft erlebt man das leider, ohne dass Betroffene das selbst erkennen oder einsichtig sind. „Ich habe [hatte] aber ganz klar den Eindruck ...]. Man schließt die Augen dann, wenn der Herr auf einmal Türen zumacht (und interpretiert auch diese nur im positiven Sinn, dass man ja dadurch ... ).
  • S. 95: Großklaus stellt etwas als Führung von oben dar, als Leitung Gottes, obwohl er selbst dabei aktiv wurde. In diesem Fall ging es um seine materiellen Bedürfnisse, die er anderen mitgeteilt hat. Und dann war es aber nach seiner Meinung Leitung des Geistes, dass diesen Bedürfnissen entsprochen wurde. Das ist etwas, was man immer wieder erlebt. Man schreibt Gott etwas zu, was man letztlich selbst (vielleicht auf einfallsreiche und suggestive Weise, ohne zu konkret zu werden) eingefädelt hat. Das ist nichts anderes als Selbstbetrug und Vergeistlichung einer menschlichen Strategie.
  • S: 96-97: Auf diesen Seiten wird der charismatische Hintergrund des Autors deutlich, der von massenhaften Krankenheilungen durch Gebete spricht (Lahme, Blinde Taube). „In diesen zehn Wochen wurde jeder kranke Mensch, für den wir beteten, augenblicklich gesund.“ Gottes Wort spricht schon in Hebräer 2 davon, dass diese Wunder Vergangenheit waren. In Kapitel 6 wird deutlich, dass sie zum Tausendjährigen Reich gehören. Nur für kurze Zeit wurden sie zu Beginn des christlichen Zeugnisses auf der Erde als Bestätigung des Wirkens Gottes vorweggenommen. Wer heute solche Wunderheilungen durch Menschen propagiert, ist letztlich ein Verführer. Das heißt nicht, dass Gott nicht auch heute noch Wunder tut. Aber es gibt die Zeichengaben nicht mehr (vgl. auch 1. Kor 13,8).

Zusammenfassung

Diese Auswahl an kritischen Punkten macht deutlich, warum ich dieses Buch nicht empfehlen kann. Es konzentriert sich auf die Persönlichkeit als wesentlichen Bezugspunkt für die Berufung. Gottes Wort tut das nicht. Und der Autor argumentiert in weiten Teilen nicht mit Gottes Wort, sondern mit menschlichen Modellen und Theorien. Da ist es besser, sich mit den Bibelstellen im Neuen Testament zu beschäftigen, die von Berufung zum Dienst und geistlichen Gaben sprechen. Das ist wahre „Inspiration“, um bei diesem Thema weiterzukommen. Dieses Buch ist keine Hilfe zum Verständnis, wie der Herr uns in den Dienst führt und darin leitet.

Fußnoten

  • 1 Im Blick auf drei Vorgänge lesen wir in 1. Mose, dass Gott „schuf“ - ein besonderes Wort im Hebräischen. Als erstes erschuf Er körperliche Formen (die Himmel und die Erde). Dann schuf Er die Seele (lebendige Persönlichkeiten), nämlich Tiere. Und zum Schluss kam der Höhepunkt: Gott erschuf ein Wesen, dem Er Geist einhauchte.
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