Die Schlüssel des Königreichs

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Dieser Vers ist nicht leicht zu verstehen, wenn man den Zusammenhang besieht. In Vers 18 hat der Herr von der Versammlung und ihrem unangreifbaren Fundament gesprochen. Jetzt aber überträgt der Herr seinem Jünger Petrus eine Aufgabe im Königreich der Himmel. Das zeigt deutlich, dass es nicht mehr einfach um die Versammlung als solche geht. Mit Schlüsseln baut man nicht, sondern man verwaltet und regiert. Das Königreich wird auch nicht gebaut; selbst Christus „baut" es nicht. Er ist der König davon, sei es sichtbar auf der Erde oder für Menschen unsichtbar im Himmel.

Petrus sollte Schlüssel dieses Königreichs bekommen und darin eine Aufgabe wahrnehmen, die der abwesende König im Himmel nicht hier auf der Erde ausführen konnte. Auch an dieser Stelle benutzt der Herr die Zukunftsform, die zeigt, dass es um Aufgaben geht, die damals in der Zukunft lagen, offenbar in der Zeit, in welcher der Herr Jesus die Versammlung bauen würde. Wir haben schon gesehen, dass diese Versammlung zwei Seiten hat:

a) die göttliche Seite (Eph 2,20-22; 1. Pet 2,4-6), in der das vollkommene Wirken Gottes gezeigt wird. Hier gibt es keinen Makel, alles entspricht dem göttlichen Handeln, göttlichen Maßstäben.

b) die menschliche Seite (1. Kor 3,10-15), in der die Verantwortung des Menschen gesehen wird. Manche Gläubige handeln Gott gemäß, andere, letztlich leider alle, versagen in ihrem verantwortlichen Wirken am Haus Gottes.

Diese zweite Seite finden wir an manchen Stellen im Neuen Testament wieder, beispielsweise in Offenbarung 2 und 3, wo der „Weg" der Kirche auf der Erde beschrieben wird. Unter dem Blickwinkel der Verantwortung von uns Menschen gesehen geht alles dem Ruin entgegen, den wir in der Beschreibung der Versammlung in Laodizea wiederfinden.

Diese Seite hat mit dem Königreich der Himmel zu tun. Wir haben schon früher gesehen, dass es dabei nicht um den Himmel geht. Petrus hat keine Schüssel erhalten, um an einer Himmelspforte zu stehen, durch die er Menschen in den Himmel lässt oder zurücksendet. Diesen Gedanken kennt die Bibel nicht. Dieses Königreich ist auf der Erde. Und wenn der Weg der Versammlung auf dieser Erde betrachtet wird, man könnte auch sagen, das Zeugnis der Versammlung als Leuchter für Gott hier auf der Erde, dann berühren sich die beiden Themen: Versammlung und Königreich. Im Königreich geht es mehr um die persönliche Seite eines Christen, in der Versammlung steht dagegen der gemeinschaftliche Aspekt im Vordergrund.

Petrus hat Aufgaben im Königreich übertragen bekommen. Er bekam sie ganz persönlich. Er hat Menschen nicht bekehrt, denn er konnte Menschen nicht das Heil zusprechen oder absprechen. Und doch hat er für diese Erde eine regierende Aufgabe bekommen, was die Aufnahme von Menschen in den Bereich der Christenheit betraf. Nicht die Versammlung regiert und herrscht in diesem Reich. Aber einzelne Gläubige haben vom Herrn in der Anfangszeit der Gnadenzeit eine solche Funktion übertragen bekommen. Das erkennen wir an dem Symbol des Schlüssels. Besonders die Taufe scheint hier eine wichtige Funktion zu haben.

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