05.05.2003Persönlicher Glaube | 2. Samuel

Die Freude unserer Hoffnung und unser Zukurzkommen

Strahlende Erwartung und Bewusstsein von Versagen

In den letzten Worten Davids finden wir zwei Dinge, die nebeneinander vorhanden sind; die strahlende Erwartung des Reiches in Herrlichkeit und das ernste Bewusstsein, dass diese Zeit noch nicht gekommen war. Niemand empfand dies mehr als der König David. Die Tatsache, dass Gott eine Voraussicht auf den Messias in seinen Mund gelegt hatte und dass er wusste, in welch einer treffenden Weise er selbst zum Vorläufer und Abbild des Messias gemacht worden war - das alles ließ ihn sein eigenes zu kurz kommen, seine Fehler und Sünden um so deutlicher empfinden. Er wusste wohl, dass seine eigenen Fehltritte nicht ungeschehen gemacht werden konnten. In den züchtigenden Erziehungswegen Gottes wurden sie durch den Kummer, die Schande und die Unehre in seiner eigenen Familie wieder in Erinnerung gerufen.

So sehen wir zwei Strömungen im Herzen Davids: sein strahlender und ungetrübter Glaube, der an der kommenden Freude festhielt, die mit dem wahren König, der sicher auf seinem Thron sitzen würde, in Verbindung stand. Aber gleichzeitig kennzeichnete ihn der demütige Geist und das zerbrochene und zerschlagene Herz eines Mannes, der wusste, was moralische Demütigung im Blick auf sich selbst und sein Haus bedeutete.

Was konnte bei David lieblicher sein und dem wahren Zustand der Dinge besser entsprechen als diese zwei Tatsachen, die beide wahr wurden in seiner Seele? Sollte es bei uns jetzt nicht genauso sein? Ist es nicht wichtig zu erkennen, dass sowohl das Bewusstsein unseres Versagens als auch dessen, was wir sind, die Klarheit unseres Vertrauens auf den Herrn niemals trüben oder stören sollte? Das Gewissen muss ungehindert wirksam sein, aber das gleiche gilt auch für den Glauben.

Die Gnade ist für Hoffnung und Versagen die richtige Grundlage

Die Gnade sorgt für beides im Herzen des Gläubigen. Es ist also ausgezeichnet, vorwärts zu blicken, das Auge mit der Herrlichkeit des Herrn Jesus erfüllt zu haben und mit dem Herzen in seiner Gnade zu ruhen. Aber daneben sollte auch das schonungslose Selbstgericht im Licht Gottes und als Folge davon ein entsprechendes Bekenntnis vorhanden sein. Wo beides besteht, wird es nicht an der Demut fehlen, die sich Menschen geziemt, die keinen andern Platz vor Gott haben als den der Gnade. Gott verhüte es, dass dies bei irgendeinem Christen fehle.

Es ist nicht leicht, die Wahrheit in der Waage zu halten, aber es ist gut, wenn wir danach verlangen. Uns immer niederdrücken lassen durch ein dauerndes Gefühl der Schmach über das, was wir sind, indem wir unsere Köpfe hängen lassen, das ist ein trauriges Zeugnis für die Liebe Christi und für den Sieg, den Gott uns durch seinen Sohn gibt. Aber ein noch schlimmerer Zustand ist dann vorhanden, wenn die Anerkennung seiner Gnade missbraucht wird, um das Gewissen zu entkräften und das Empfinden über das, was Sünde ist - vor allem im Blick auf unsere eigenen Sünden - zu zerstören. ...

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages
Halte Fest Jahrgang 1985 - Seite: 177