26.11.2012 Buchbesprechungen | Persönlicher Glaube | Dienst

Die kleine Seelsorgereihe – eine Buchbesprechung

 Die kleine Seelsorgereihe – eine Buchbesprechung

von Edward T. Welch, Paul David Tripp, David Powlison, John Yenchko, Robert D. Jones, James C. Petty

In 15 kurzen Heften von je 13 bis 27 Seiten versuchen insgesamt sechs Autoren, verschiedene Themen der Seelsorge in einer Überblicksweise zu behandeln. Die Hefte kosten je 2,50 Euro bzw. 2,95 Euro und können einzeln oder als Paket (gleicher Preis) bestellt werden.

Nun kurz zu den Heften im Einzelnen

  1. Depression - die hartnäckige Dunkelheit
    ET Welch vertritt hier einen sehr deutlichen Standpunkt, dass - sozusagen bis auf Ausnahmen, bei denen organische, endogene Ursachen vorliegen - geistliche Ursachen wie Sünde und nicht aufgearbeitete Problem die Ursache für Depressionen darstellen. Als wichtige Punkte führt er die Ichsucht und eine fehlende Vergebungsbereitschaft an. Zwar wirkt diese Erklärung auf den ersten Blick sehr einseitig - und sie ist es auch. Allerdings zeigt meine Erfahrung zunehmend, dass wir uns in den letzten Jahren zu sehr auf Therapien konzentriert haben, um Depressionen zu behandeln, und zu wenig die geistlichen Ursachen bedacht haben. In diesem Sinn gibt dieses Heft einen richtigen Gedankenanstoß.
  2. Leid - die Ewigkeit macht den Unterschied
    PD Tripp nimmt in diesem Heft ebenfalls einen sehr einseitigen Standpunkt ein. Dieses Heft ist davon geprägt, besonders eine falsche Haltung im und zum Leid zu kritisieren, wenn jemand Gott die Schuld für das Leid gibt. Dieses Heft ist wohl kaum eine echte Hilfe für Leidende, die sicherlich dann, wenn sie mit Gott hadern, auch Zurechtweisung brauchen. Vor allem aber benötigen sie Trost und Ermutigung - diese findet man in diesem Heft kaum.
  3. Motivationen - warum tun wir, was wir tun?
    ET Welch hat hier das zunächst einmal beste Heft dieser ersten drei Teile der Seelsorgereihe verfasst. Er durchforscht uns im Blick auf unsere Motive für unser Handeln bis auf den Grund: Ist Gott der Beweggrund, oder mein Ego? Allerdings ist auch dieses Heft insgesamt sehr einseitig. Viele Tätigkeiten in unserem Leben sind „nötig" und nicht durch bestimmte egoistische oder geistliche Motive getrieben. Es führt in die Irre, jeden Fußtritt mit einer pseudo-geistlichen Beurteilung zu messen.
  4. Vor der Verlobung - fünf Fragen, die Sie sich stellen sollten
    D Powlison und J Yenchko stellen hier sehr sinnvolle und wichtige Fragen und zum Teil auch hilfreiche Unterfragen. Allerdings hat man auch hier den Eindruck, dass zuweilen in einer einseitigen und zum Teil hyper-geistlichen Weise Themen im natürlichen Bereich behandelt werden. Offenbar akzeptieren die Autoren Freundschaften vor der Ehe, was wir so in Gottes Wort nicht finden.
  5. Zorn - dem Labyrinth entkommen
    In diesem Heft behandelt D Powlison durch ein sorgfältiges Hinterfragen nach Ursachen und Beweggründen den Zorn des Gläubigen. Zudem zeigt er gute Wege zur Bewältigung des Zorns auf. Allerdings scheint er - was ein Kennzeichen der gesamten Reihe ist - das Leben des erlösten Christen sehr eng mit dem Gesetz zu verbinden. Dieses ist der Maßstab für unser Leben - genau das finden wir aber im Neuen Testamente verneint.
  6. Häusliche Gewalt - wie man helfen kann
    In dem Gemeinschaftswerk von D Powlison, PD Tripp und ET Welch werden gute Hilfestellungen für Opfer und Täter gegeben. Das Heft enthält eine ganze Reihe von guten Ratschlägen, wie man sich in entsprechenden Situationen verhalten soll.
  7. Teens und Sex - wie sollten wir sie lehren?
    PD Tripp gibt diesem Thema einen guten Rahmen. Das Heft ist gut aufgebaut und enthält einige, gute Ratschläge. Aber leider ist es viel zu pauschal, allgemein gehalten. Der Rahmen ist für das Thema einfach zu groß gewählt. Dadurch wirkt es an vielen Stellen recht theoretisch und zu wenig konkret, um anwendbar zu sein. Auch hier beruft sich der Autor ständig auf das Gesetz.
  8. Vergebung - ich kann mir einfach nicht vergeben
    RD Jones behandelt hier ein wichtiges und oft übersehenes Thema. Gerade in der Psychotherapie wird empfohlen, sich selbst zu vergeben. Das aber kann man gar nicht. Dieses Heft gibt gute Anregungen und Hilfestellungen für den Umgang mit sich und seinen Problemen, auch seinen Sünden.
  9. Eine Traumehe - der perfekte Partner
    PD Tripp gibt in diesem Heft einen großartigen Ansporn, allerdings in vollkommen unerwarteter Weise. Und leider ist sehr viel Wahrheit an dem, was er uns in diesem Heft zu sagen hat. Wir rennen hinter Träumen her, statt die Zeit und Energie zu nutzen für das, was Gott heute von uns möchte.
  10. ADS und ADHS - Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom
    ET Welch hat dieses Heft bereits 1999 geschrieben. Insofern befindet sich seine Argumentation sicher nicht auf dem neusten Stand der Medizin. Dennoch nennt er hier auf wenigen Seiten eine Menge an zutreffenden Fakten und zeigt Hilfestellungen auf, wie man mit Kindern „dieser Art“ umgehen und ihnen und der Familie helfen kann. Allerdings sind betroffene Eltern, die Erfahrung auf diesem Gebiet haben, der Meinung, dass es sich um eine zumindest sehr verkürzte Stellungnahme zum Thema handelt, die bei unerfahrenen Eltern ehe zur Resignation und zu Problemen führt, als dass sie ihnen wirklich weiterhilft. Zum Teil wird hier – wie auch in anderen Heften – auf einseitige Art und Weise geistliche Hilfestellungen gegeben, wo man es mit organischen Ursachen zu tun hat.
  11. Selbstverletzung - wenn der Schmerz gut tut
    Leider sind Selbstverletzungen viel häufiger, als wir gemeinhin annehmen. Von daher ist es sehr gut, dass dieses Heft ein solches, aktuelles Thema aufgreift. ET Welch geht hinter die Fassade des Ritzens usw. und zeigt viele Motive, die einen (jungen) Menschen dazu bringen, sich selbst zu verletzen. Er deckt die persönliche Maske auf und gibt am Ende auch einen Lösungsvorschlag für Betroffene.
  12. Quälende Erinnerungen - wie Sie mit ihrer Vergangenheit umgehen können
    In diesem Heft behandelt RD Jones ein wichtiges Thema und zeigt einen guten Weg auf, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Leider gibt es allerdings nur wenige hilfreiche Punkte, was Lösungswege betrifft. Insgesamt wirkt dieses Heft ein stückweit oberflächlich.
  13. Prioritäten - die Zeit richtig einteilen
    Dieses Thema unterschätzen wir oft. JC Petty greift daher ein wichtiges Thema auf und gibt eine Reihe nützlicher Hinweise. Allerdings stellt sich die Frage, ob man dafür ein solches Heft produzieren muss, da ein kurzes Nachdenken zu diesem Thema zu demselben Ergebnis kommt.
  14. Pornografie - Sieg über den Drachen
    Dieses sehr aktuelle Problem, das immer wieder in der Seelsorge aufkommt, wird von D Powlison in einer guten Form - nämlich durch ein Interview - behandelt. Dadurch wird deutlich, wie ein Betroffener es geschafft hat, diese Sucht zu überwinden. Aber es ist eben nur ein Beispiel, was auch sehr speziell in seinem Lösungsansatz wirkt. Ich habe Zweifel, ob dieses Heft als Anleitung für andere wirklich hilfreich ist. Zudem hat man den Eindruck, dass dieses Heft - wie auch die ersten Hefte - recht einseitig in der Behandlung von Ursachen und Hilfestellungen arbeitet.
  15. Nur noch ein Mal! - wenn Wünsche sich nicht mit einem „nein" zufriedengeben
    In diesem letzten Heft behandelt ET Welch ein äußerst wichtiges Thema und betont zu Recht, dass es um eine notwendige Willensentscheidung geht. Zudem weist er darauf hin, dass man auf den Herrn Jesus sehen muss. Leider gibt es nur wenige praktische Hilfestellungen. Und ohne diese - wie soll es der Betroffene schaffen?

Diese Kurzkommentare zeigen, dass die Hefte unterschiedlicher Qualität sind. Insgesamt gibt es zweifellos eine ganze Anzahl von Anregungen und nachdenkenswerten Hinweisen. Aber muss dafür eine 15-bändige Reihe aufgelegt werden? Da jedes Heft zwischen 2,50 und 2,95 Euro kostet, zahlt man für vergleichsweise wenige Seiten einen stolzen Preis. Ich habe Zweifel, dass es sich lohnt, die ganze Reihe zu besorgen, angesichts dessen, was man an Nutzen von den einzelnen Heften bekommt.

Noch ein Wort zum Gesetz. Natürlich ändert sich Gott in seiner Natur und in seinem Wesen nicht. Die Beurteilung von moralisch Gutem und Bösem ändert sich ebenfalls nicht. Aber Christus ist des Gesetzes Ende - ein Christ steht nicht mehr unter Gesetz. Leider vermischen die Autoren Gnade und Gesetz. Der Herr Jesus hat in den Gleichnissen vom Flicken und vom alten/neuen Wein in alten Schläuchen gezeigt, dass damit sowohl das Gesetz seine Kraft verliert als auch die Gnade ihren Charakter. Daher ist diese Vermischung sehr schädlich.