19.01.2012 Persönlicher Glaube

Gefährlich!

Du lebst eindeutig gefährlich!

Wenn ein Mensch aus dem Haus geht, lebt er gefährlich. Denn er kann von einem Auto überfahren werden. Auch wenn er im Haus bleibt, lebt er gefährlich, denn er kann die Treppe hinunterstürzen oder einen anderen Unfall erleben. Man kann die Höhe der Gefahr sogar statistisch ausrechnen. Sollte sich ein Mensch deswegen Angst machen (lassen)?

Es gibt Menschen, die regelrechte Phobien entwickeln vor solchen Gefahren, also unbegründete und anhaltende Angstzustände. Ich kannte eine Person, die aus diesen Gründen wirklich nicht mehr das Haus verließ. Das aber macht nur noch kränker. Tatsächlich leben nicht nur Versicherungen von „Gefahren". Vor einiger Zeit googelte mal jemand das Wort „gefährlich": 7,79 Millionen Einträge. Bei „Gefahr" waren es sogar 45,3 Millionen Einträge ... Offenbar haben viele Menschen den Eindruck, sie lebten gefährlich. „Hilfe!"?

„Wer Steine bricht, kann sich daran verletzen; wer Holz spaltet, kann sich dadurch gefährden", sagt uns der Prediger (Kapitel 10,9). Das ist wahr. Dennoch brauchen wir Steine, um unsere Häuser zu bauen, und Holz, um zu heizen. Mit anderen Worten: Es gibt Gefahren, die wir aushalten müssen, um leben zu können. Sie sind Folgen des Sündenfalls, vor dem es keine solchen Gefahren gab. Jetzt aber schenkt uns Gott das Vertrauen, dass Er uns durch solche Gefahren hindurchhilft.

Das heißt nicht, wir sollten uns leichtfertig in Gefahr begeben. Der Schöpfer möchte, dass wir verantwortlich mit dem von Ihm gegebenen Leben umgehen. Wenn ich mich als Fußgänger auf die Autobahn begebe, gehe ich eine Gefahr ein, die sich vermeiden ließe. Wenn ich meine, ich müsste als Freeclimber unangeseilt Kletterpartien machen oder Hochhäuser hochkrabbeln, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich mich damit umbringe. Das ist nichts anderes als Gott versuchen und wird von Ihm niemals gesegnet sein. Selbst wenn ich diese Kletterei mit einem T-Shirt täte, auf dem ein evangelistischer Spruch stünde, wäre dies Gott nicht wohlgefällig. (Jemand meint vielleicht: Kann man das Evangelium wirkungsvoller unters Volk bringen? Eindeutig ja, das kann man! ) Es bleibt wahr: Wer sich freiwillig in unnötige Gefahren bringt, wird früher oder später darin umkommen.

Gefahren im Dienst für den Herrn

Es gibt also Gefahren, denen wir aus dem Weg gehen können, und es gibt solche, denen wir nicht entgehen können. In dem Dienst für unseren Gott gibt es auch Gefahren, denen wir aber einfach ins Auge sehen müssen, wenn wir uns solchen Aufgaben stellen wollen. Dabei gibt es sicher Aufgaben, die weniger gefährlich sind als andere. Ein Dienst des Wortes in unserem Land hat in aller Regel weniger äußerliche Gefahren als ein Missionsdienst. Paulus berichtet davon.

In seinem Dienst war er jede Stunde in Gefahren (vgl. 1. Kor 15,30). Seine Zusammenfassung der Missionsreisen ist sehr eindrücklich: „Oft auf Reisen, in Gefahren durch Flüsse, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren von meinem Volk, in Gefahren von den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Beschwerde, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; außer dem, was außergewöhnlich ist" (2. Kor 11,26-28).

Wer also darüber nachdenkt, in die Mission zu gehen - und ich wünschte mir, dass mancher diesen Gedanken ernsthaft erwägt! -, der sollte wissen, dass dies bis heute mit Gefahren verbunden ist. Da gibt es Schlangen und Götzendiener. Da gibt es gefährliche Krankheiten und unvorstellbare Armut. Auch Straßen sind - zum Beispiel in Afrika - oft nicht vergleichbar mit dem, was wir in Deutschland kennen. Aber es gibt den Einen, mit dem man durch alle diese Gefahren hindurchgehen kann. Das allein sollte Ansporn genug sein. Solche Erfahrungen wirst du allerdings nicht im Wohnzimmersessel machen.

Achtung - Gefahr im Verzug!

Dann aber gibt es Gefahren, denen sich kein Christ aussetzen sollte. Nicht von ungefähr werden wir aufgefordert zu flüchten, und zwar umgehend.

  • „Flieht die Hurerei" (1. Kor 6,19) - alles, was mit der Unmoral zu tun hat, und erst recht, wenn es darum geht, auch nur ein Stück weit näher an Ehebruch oder außerehelichen Geschlechtsverkehr zu kommen, sollte von uns gemieden werden. Flucht ergreifen heißt, den größtmöglichen Bogen darum zu machen. Wer sich hier in Gefahr begibt, kommt darin um!
  • „Flieht den Götzendienst" (1. Kor 10,14). Die Korinther standen in der Gefahr, buchstäblichen Götzendienst zu betreiben und Götzenfleisch zu essen, das in ihrem Beisein Dämonen geopfert wurde oder ihnen als solches verkauft wurde. Wir stehen vielleicht weniger in Gefahr, uns vor einem Bild (zum Beispiel von sogenannten Heiligen oder von Maria) niederzubeugen. Aber gibt es vielleicht Bilder oder CDs oder ein Auto oder Kleidung, vor der Du Dich „niederbeugst"? Flieh ...
  • „Fliehe diese Dinge" (1. Tim 6,11) - nämlich die Geldliebe und Habsucht ganz allgemein. Wir alle brauchen Geld zum Leben. Aber Geldliebe kann sehr schnell zu einer Sucht werden, immer mehr haben zu wollen. „Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen" (Vers 10). Daher sollen wir sie fliehen. Börsenspekulationen oder Glücksspiele haben große Anziehungskräfte. Daher sind sie so gefährlich. Auch für Christen. Deshalb: Flieh ...
  • „Die jugendlichen Begierden aber fliehe" (2. Tim 2,22). Als junger Mensch weiß man (fast) alles besser als die Älteren und die anderen. So meint man. Hochmut, Leichtsinn, Selbstvertrauen, das alles sollen wir fliehen. Es bringt dich in Gefahr und wird dich zu Fall kommen lassen.

Der Herr Jesus zeigt immer auch Bewahrungsmittel, die wir annehmen sollten, anstatt uns in Gefahren zu begeben. Da ist zunächst die ernsthafte Beschäftigung mit dem Guten zu nennen, das wir besonders in seinem Wort finden. Gott sucht doch solche, die Ihm treu dienen, und Er ist unseren Dienst wert. Dazu hat Er uns seinen Heiligen Geist gegeben, der uns in unserem Leben leiten möchte. Wir sollen nach praktischer Gerechtigkeit und nach einem auf Gott ausgerichteten Leben streben. Und dabei stellt Er uns andere Christen an die Seite, um mit ihnen zusammen „den Namen des Herrn anzurufen aus reinem Herzen" (2. Tim 2,22).

Daher lass dir noch einmal sagen: Bring dich nicht unnötig in Gefahren, in denen du umkommen wirst. Es gibt schon genug Gefahren, denen du nicht ausweichen kannst. Der Widerstand Satans in unserem Leben ist wirklich Gegenwind genug.

Übrigens: Dem Teufel sollen wir nicht ausweichen, sondern widerstehen (1. Pet 5,8). Wo immer dieser aber unser Fleisch, unsere Begierden anspricht, heißt es: Flieh diese Gefahr. Dazu wünsche ich dir viel Kraft und Mut. Denn Mut liegt nicht darin, in  Gefahren auszuharren, denen wir nicht gewachsen sind. Das ist Torheit. Mut ist, die eigenen Grenzen zu kennen - und die sind bei diesen genannten vier Punkten bei uns allen dieselben - und zu fliehen.

(aus: Folge mir nach - Heft 1/2012)