18.02.2003Persönlicher Glaube | Sprüche

Wohlgefallen oder Gräuel

Wie ernst hingegen ist es, wenn in meinem und deinem Leben etwas vorkommt, das Gott ein Gräuel ist. Wir können uns dabei schwerlich damit entschuldigen, dass die Stellen, wo Gott von Gräuel spricht, hauptsächlich im Alten Testament stehen. Der Charakter Gottes ist unveränderlich, und das, was Gott im Alten Testament ein Gräuel war, ist in der Zeit des Neuen wohl kaum ein Wohlgefallen.

Sprüche 6,6-19

Wenn wir im folgenden anhand von Sprüche 6,16-19 einiges betrachten wollen, das für Gott ein Gräuel ist, ja, das Er hasst, dann möchten wir unser Augenmerk besonders auf Den richten, der sagen konnte: „Der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue“ (Joh. 8,29). Am Anfang und Ende des öffentlichen Dienstes unseres Herrn bezeugte Gott das Wohlgefallen, das Er an seinem Sohn fand (Matth. 3,17; 17,5).

Es kann nicht anders sein, als dass die „Gräuel“ in Sprüche 6 beim Herrn nicht vorhanden waren. Er offenbarte in seinem Leben vielmehr das vollkommene Gegenteil davon, zu Gottes Wohlgefallen und zu unserem Vorbild.

Hohe Augen

Verstehen wir, warum dieses erste Kennzeichen in Sprüche 6 ein so fürchterlicher Gräuel in Gottes Augen ist? Der Ursprung der Sünde und allen Elends des Menschen ist hier zu suchen. Dies war die Sünde Satans. „Und du, du sprachst in deinem Herzen: Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben, und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden“ (Jes. 14,13). Auch am Anfang der Menschheitsgeschichte im Garten Eden ging es um jenen Satz: „Ihr werdet sein wie Gott“ (1. Mose 3,5). Seither ist Hochmut ein Kennzeichen der menschlichen Geschichte, einer Geschichte, die nicht nur ohne Gott, sondern auch gegen Gott verläuft, denn Gott „widersteht den Hochmütigen“.

Wie vollkommen ist dagegen die Erniedrigung des Herrn, wie sie uns in Philipper 2 beschrieben wird: „Welcher, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sieh selbst erniedrigte, indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.“ Er suchte nicht seine Ehre, sondern konnte zum Vater sagen: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde“ (Joh. 17,4). Wir werden aufgefordert: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war.“

Eine Lügenzunge
Den zweiten Gräuel finden wir auch schon im Garten Eden. Das Wort Gottes, das Wort der Wahrheit, wurde in Frage gestellt. Seither prägen Lüge und Betrug die Geschichte der Menschheit. Der Herr Jesus spricht in Matthäus 24 von einer noch zukünftigen Zeit, wo die Lüge alles beherrschen wird (Matth. 24,5; 2. Thess. 2,9-12).

Welch einen Gegensatz sehen wir wieder in Ihm, der „die Wahrheit ist“ und durch den „die Wahrheit geworden ist“. Wie oft hat Er seine Worte mit dem gewichtigen „Wahrlich, wahrlich“ eingeleitet. Diesen Gegensatz zwischen Wahrheit und Lüge betont der Herr selbst in seiner Auseinandersetzung mit den Juden in Johannes 8. Auf Ihn traf die Beschreibung zu: „ein Mensch, der die Wahrheit zu euch geredet hat“; für sie hingegen galt: „Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Er war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und ihr Vater.“

Wie tief hat die heilige Seele des Herrn Jesus diese „Lügenzunge“ empfunden: „Denn der Mund des Gesetzlosen und der Mund des Truges haben sich wider mich geöffnet, mit Lügenzunge haben sie zu mir geredet; und mit Worten des Hasses haben sie mich umgeben“ (Ps. 109,2.3). Mit dem vollkommenen Vorbild des Herrn vor Augen, lasst uns an die Ermahnung des Apostels denken: „Da ihr die Lüge abgelegt habt, redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten“ (Eph. 4,25).



Was folgte auf den Hochmut und Betrug am Anfang der Menschheitsgeschichte? „Kam war aus dem Bösen und ermordete seinen Bruder“ (1. Joh. 3,12). In diesem Sinn lautet der nächste Gräuel in Sprüche 6: „Hände, die unschuldiges Blut vergießen.“ In Psalm 73 wird der gleiche Zusammenhang zwischen diesen „Gräueln“ aufgezeigt. Dort heißt es in Vers 6 von den Gesetzlosen: „Deshalb umgibt sie der Hochmut wie ein Halsgeschmeide, Gewalttat umhüllt sie wie ein Gewand.“

Der Dienst der Hände des Herrn hingegen war „wohltuend und heilend“. Er berührte den Aussätzigen und den Blinden, ja, noch im Augenblick seiner Gefangennahme streckte Er seine Hand aus, um das Ohr des Malchus zu heilen. Dann wurden seine Hände von Gesetzlosen ans Kreuz geheftet, wo sein unschuldiges Blut für die Schuldigen floss.



Das Herz ist hier, wie an vielen Stellen, der Sitz der Entscheidungen und des Willens. Gottes Wort lässt uns nicht im unklaren über den Zustand des menschlichen Herzens. „Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen.“ - „Denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (Matth. 15,19; 1. Mose 8,21). „Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“, konnte nur Einer sagen: Er, der Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst hat.

Füße, die eilends zum Bösen hin laufen

Das steht in krassem Gegensatz zu unserem Herrn, von dem der Prophet sagen konnte: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße dessen, der frohe Botschaft bringt, der Frieden verkündigt, der Botschaft des Guten bringt, der Heil verkündigt“ (Jes. 52,7). Das Wort des Psalmisten in Psalm 119,101.102 fand seine vollkommene Erfüllung im Leben des Herrn Jesus: „Von jedem bösen Pfade habe ich meine Füße zurückgehalten, damit ich dein Wort bewahre. Nicht bin ich von deinen Rechten gewichen, denn du, du hast mich unterwiesen.“



Wir werden hier sofort an den Prozess des Herrn erinnert. Seine Ankläger fanden keinen andern Weg, den treuen und wahrhaftigen Zeugen zu verurteilen, als durch falsche Zeugen, aber auch diese stimmten in ihren Aussagen nicht überein. So konnte der Herr Jesus, der in die Welt gekommen war, um der Wahrheit Zeugnis zu geben, und der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hatte, sie mit der Frage bloßstellen: „Wenn ich übel geredet habe, so gib Zeugnis von dem Übel; wenn aber recht, warum schlägst du mich?“ (Joh. 18,23).

Wer Zwietracht ausstreut zwischen Brüdern

Dieser letzte Punkt der Liste von „Gräueln“ ist sicher ein äußerst ernster. Er zeigt, wo ein Weg, der mit Hochmut beginnt, einmal enden kann. Wie bald war die Einmütigkeit unter den Gläubigen, wie wir sie am Anfang der Apostelgeschichte sehen, dahin! Der Apostel Paulus musste schon zu seinen Lebzeiten warnen: „Aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her“ (Apg. 20,30). Und wie beschämend steht das christliche Zeugnis in unseren Tagen da! Zwietracht unter Brüdern auszustreuen, ist das Werk des Teufels! Helfen und bewahren kann uns nur der Blick auf den, der gekommen ist, „damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte“ (Joh. 11 ,52). Er ist unser Friede und der alleinige Mittel- und Sammelpunkt seines Volkes.

Halte Fest Jahrgang 1992 - Seite: 262