21.06.2003 Versammlung / Gemeinde

Aufnahme und Zurückweisen am Tisch des Herrn

Im Verlauf vieler Jahre, aber auch besonders in letzter Zeit wurden immer wieder Bemerkungen zu den Ansichten von J. N. Darby, W. Kelly, C. H. Mackintosh und anderer Brüder über die Zulassung von Gläubigen zum Brotbrechen gemacht. Die Bemerkungen dieser Brüder werden dann auf die Zulassung von Christen bezogen, die nicht in praktischer Gemeinschaft sind mit Versammlungen, die durch Gottes Gnade miteinander verbunden sind. Dass ihre Ansichten in Übereinstimmung mit der Wahrheit sind, steht außer Zweifel. Es wäre töricht, sie zurückzuweisen. Sie bekräftigten, dass jedes Glied am Leib Christi, das gesund in der Lehre, gottesfürchtig im Verhalten und frei von jeder verunreinigenden Verbindung ist, das Recht hat, mit den Gläubigen zum Gedächtnis [d.h. Gedächtnismahl] des Herrn zusammenzukommen, und dass er nicht abgewiesen werden sollte. Die Aussagen dieser genannten Brüder stimmen miteinander überein. Einige Zitate werden hier wiedergegeben, um zu zeigen, was sie glaubten.

Aber ist das alles, was sie über diesen wichtigen Punkt sagten? Die Antwort ist “nein". Sie hatten viele Bedenken und drückten diese in verschiedener Weise aus. Einige Zitate sollen zeigen, worin ihre Bedenken bestanden. Der Autor dieser Zeilen versucht, mit diesen kurzen Auszügen die Auffassungen der Brüder so genau wie möglich wiederzugeben. Es wird somit kein Versuch unternommen, eine einseitige Sichtweise vorzustellen. Ich habe aufrichtig versucht, beide Seiten dieses Gegenstandes darzustellen. Unvoreingenommene Brüder bestätigen sicher, dass das Zitieren nur einiger Auszüge von Schreibern, um andere Aussagen dieser Schreiber zu ignorieren, unfair, ja sogar ungerecht ist. Die Quellen der Zitate sind angeführt. Sie können somit auf ihre Genauigkeit hin geprüft werden.

Befürwortung der Zulassung

1. Kalvinisten, Arminianer, Geistliche und anders denkende Gläubige, die Christus bekennen, sind aufzunehmen (The Bible Treasury [TBT], April 1858, S. 52).

2. Kirchliche Verbindungen sind kein Hindernis, um aufgenommen zu werden (W. Kelly, TBT, Oktober 1863, S. 344-345).

3. Wenn die Einheit des Leibes Christi die Grundlage des Zusammenkommens ist, haben grundsätzlich alle Gläubigen ein Anrecht, dort zu sein (J. N. Darby, TBT, März 1864, S. 35).

4. Ich würde jeden Heiligen, sei er in Mitglied der Episkopaalkirche oder irgendeiner anderen Kirche, mit meinem ganzen Herzen empfangen (J. N. Darby, TBT, August 1868, S. 122).

5. Christen dürfen nicht zurückgewiesen werden aufgrund ihrer Verbindung mit einem System. Sie dürfen nicht deshalb zurückgewiesen werden, weil sie in ihren Systemen bleiben ("O", unbekannter Autor, TBT, März 1869. S. 239-240).

6. Alle Christen, die in Heiligkeit und in der Wahrheit wandeln, sollen wir lieben und von Herzen aufnehmen (W. Kelly, TBT, Dezember 1872. S. 192).

7. Der Tisch des Herrn ist offen für alle, die Sein sind, wenn sie als solche wandelnd bekannt sind. Sie sind nicht nur frei, das Brot zu brechen, sondern auch darin, sich zu beteiligen an Anbetung und Unterweisung (W. Kelly, TBT, Oktober 1873, S. 351).

8. Eine kirchliche Verbindung mit sogenannten orthodoxen Systemen ist kein Hindernis für die Zulassung.
(BTB, Januar 1887)

9. Eine tiefere Kenntnis der Wahrheit zu besitzen als andere ist keine Richtschnur, zurückhaltender gegenüber diesen Gläubigen zu sein (Letters von J. N. Darby, Band 1, Stow Hill Edition, 1840, S. 34, 35).

10. Die "Brüder" erkennen keinen anderen Leib an als nur den Leib Christi, das ist die ganze Versammlung der Erstgeborenen. Daher nehmen sie jeden Christen auf (da er ein Glied dieses Leibes ist), der in Wahrheit und Heiligkeit wandelt (Letters von J. N. Darby, Band 1, 1855, S. 243).

11. Ich würde einen Baptisten oder einen freikirchlichen Bruder herzlich als einen Christen aufnehmen (Letters von J. N. Darby, Band 1, 1862, S. 328).

12. Ein Fremder, der Brot mit den "Brüdern" bricht, kann nicht gezwungen werden, immer ihren Zusammenkünften beizuwohnen. (Letters von J. N. Darby, Band 2, 1870, S. 109).

13. Eine Person mit dem schlichten Wunsch nach geistlicher Gemeinschaft sollte zugelassen werden (Letters von J. N. Darby, Band 2, S. 212).

14. Das Brotbrechen ist der Treffpunkt aller Christen in der Einheit des Leibes Christi. Jeder Christ hat das Recht, daran teilzuhaben. Unterschiede in kirchlichen Sichtweisen sind kein Hinderungsgrund für das Brotbrechen (Letters von J. N. Darby, Band 3, 1881, S. 132).

15. Die Einheit des Leibes ist die Grundlage des Zusammenkommens. Jeder wahre Christ darf kommen. Jemand, der als Christ bekannt und tadellos im Wandel ist, sollte nicht abgewiesen werden. Keine Mitgliedschaft gilt, als nur die Christi (Letters von J. N. Darby, Band 3, S. 459).

Diese passenden Beispiele zeigen klar die Gedanken der heimgegangenen Führer über die Aufnahme am Tisch des Herrn. Sie erheben nicht den Anspruch, die einzigen Aussagen zu sein, die diese Brüder zugunsten der Zulassung von bekannten und aufrichtigen an Christus glaubenden Personen gemacht haben.


Hinweise zur Vorsicht bei Aufnahme und Ablehnung eines Gläubigen

1. Christen, die falsche Ansichten über die Person Christi haben, können nicht aufgenommen werden (BTB, April 1858. S. 52).

2. Die von Menschen aufgerichteten Schranken dürfen nicht anerkannt werden. (Christen werden nicht als Mitglieder von Benennungen zugelassen, sondern als Glieder des Leibes Christi [Frank Wallace]). Kein Christ hat das Recht auf ein eigenes Urteil. Gottes Wort ist der Maßstab für das stärkste und strengste Handeln mit einer Seele, um sicherzustellen, dass das Bekenntnis zu Christus echt ist (TBT, Oktober 1863, S. 344, 345).

3. Christen, die zugelassen werden, müssen gesund in der Lehre sein sowie tadellos in Wandel und Verbindungen. Wir können keinen Handel mit Christen machen, die wünschen, mit uns Brot zu brechen. Sie können nicht abgewiesen werden aufgrund ihres Verbleibens in ihren Systemen. Aber es wäre richtig, sie zurechtzuweisen und sie entsprechend zu belehren. Christen, die glauben, sie hätten die Freiheit, hin und her zu gehen, müssen ernstlich belehrt werden, bevor sie die wahre Grundlage des Zusammenkommens, den Leib Christi, einnehmen. Obwohl Christen zugelassen werden, dürfen sie nicht davon ausgehen, dass wir ein Verbleiben in ihren Systemen gutheißen. Die Einheit des Geistes wird nicht dadurch ausgedrückt, verschiedene Systeme aufzusuchen und zugleich zu erwarten, Brot mit den "Brüdern" zu brechen. Es sollte eine tiefergehende Übung hinsichtlich der Rechte Christi als Haupt des Leibes geben als hinsichtlich der Rechte der Gläubigen. Halte fest an der Wahrheit! Wenn andere kommen wollen, so lass sie kommen. Aber diejenigen, die sich auf der wahren Grundlage befinden, sollten nicht zu ihnen gehen (TBT, März 1869, S. 239-240).

4. Wo ein bewusstes Festhalten an oder Gleichgültigkeit gegenüber Bösem hinsichtlich Christus besteht, kann es keine Gemeinschaft geben. Diejenigen, die in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Schrift zu handeln suchen, erfahren nicht nur Feindschaft vonseiten der Welt, sondern auch vonseiten weltlich gesinnter Christen, die in einer unüberlegten Art und Weise [wörtlich: ohne einen Unterschied zu machen] Brot brechen (TBT, Oktober 1873, S. 351).

5. Die wichtigste Frage bei der Aufnahme ist die Ehre Christi. Alle, die aus Systemen kommend wünschen, Brot zu brechen, müssen darüber Zeugnis ablegen, inwieweit sie von böser Lehre frei sind. Niemand kann aufgenommen werden, wenn er einer Sekte angehört, die böse Lehre verbreitet, besonders über die Person Christi, auch wenn er persönlich gottesfürchtig oder persönlich gesunde Lehre vertritt. Schwierigkeiten entstehen durch intelligente Personen, die im eigenen Interesse und im Hinblick auf ihre Freunde entscheiden wollen. Sie nehmen keine Rücksicht auf die Interessen Christi. Vertrauter Umgang mit Christen, die nicht in praktischer Gemeinschaft sind, führt zu Laschheit in Angelegenheiten, die die Gemeinschaft der Gläubigen betreffen. Gewöhnlicherweise rufen solche Personen danach, die heiligen Schranken niederzureißen, die existieren, um das Böse im gemeinschaftlichen Sinn zu bekämpfen (TBT, Januar 1887, S. 208).

6. Personen, die wissentlich in Gemeinschaft sind in einer Gemeinde, die böse Lehre zulässt, sind nicht geeignet für die Aufnahme am Tisch des Herrn (Letters von J. N. Darby, Band 1, 1851, S. 200).

7. Es wurde schon lange Zeit als wünschenswert befunden, dass ein Name nicht vorgeschlagen wird, bis alle praktischen Untersuchungen abgeschlossen sind. Denn es ist sehr unangenehm, einen Namen öffentlich zu nennen, der danach Anlass für Einwände moralischer Art gibt, wenn es hätte vermieden werden können. Daher die vorausgehenden Untersuchungen und Beratungen (Letters von J. N. Darby, Band 1, S. 357).

8. Niemand hat das Recht, der Versammlung Bedingungen aufzuerlegen, bevor er zugelassen wird. Es ist falsch für einen Christen, regelmäßig sowohl zu den „Brüdern“ als auch zu einer Kirche zu gehen. Die Aufnahme eines Bruders darf keine Entschuldigung dafür sein, danach lax zu handeln. Aber indem wir dies zu vermeiden suchen, dürfen wir nicht in eine extreme Absonderung von wahren Gläubigen verfallen (Letters von J. N. Darby, Band 2, 1869, Seite 10).

9. Manche sind zu weit in der Aufnahme zur Gemeinschaft, manche sind zu eng (Letters von J. N. Darby, Band 2, 1869, S. 24).

10. Jeder, der mit „Brüdern“ das Brot bricht, ist der Zucht des Hauses Gottes unterworfen (Letters von J. N. Darby, Band 2, S. 109).

11. Die Frage der Zulassung ist eine schwierige Angelegenheit. Vermeide, eine Sekte zu sein, aber halte eine gesunde Zucht aufrecht und bleibe außerhalb des Lagers! Es gibt keinen Anspruch darauf, zu kommen und zu gehen, wie es einem gefällt. Laschheit ist ein fataler Fallstrick. Niemand kann der Versammlung seinen Willen aufzwingen. Wenn eine Person praktischerweise sagt: "Ich will meinen Platz einnehmen am Leib Christi, aber auch zu Sekten und Bösem gehen, wenn es mir gefällt", dann handelt es sich nicht um ein reines Herz. Es stellt den eigenen Willen über die Versammlung Gottes und unterwirft die Versammlung dem eigenen Willen - das kann nicht sein - es ist eindeutig falsch (Letters von J. N. Darby, Band 2, 1873, S. 212).

12. Das Gewissen der Versammlung sollte die Gewissheit haben, dass derjenige, der den Wunsch hat, das Brot zu brechen, auch würdig ist, es zu tun (Letters von J. N. Darby, Band 2, 1875, S. 349)

13. Ich glaube, dass Geschwister eines Zusammenkommens, oder wenn sie zu einem Zusammenkommen gehen, um Brot zu brechen, nicht Freunde dazu mitbringen sollten, es sei denn, dass diese von dem Zusammenkommen als bekannte Glieder des Leibes zum Brotbrechen zugelassen werden (Letters von J. N. Darby, Band 2, 1877, S. 409).

14. Der Zustand der Christenheit erfordert große Umsicht und Gewissenhaftigkeit, um festzustellen, wer würdig ist, Brot zu brechen. Jeder der wünscht, an einem Tag mit den „Brüdern“ das Brot zu brechen und am nächsten in einer Sekte, sollte nicht aufgenommen werden. Solches Verhalten vereint nicht, sondern es verfestigt Trennungen (Letters von J. N. Darby, Band 3, 1881, S. 132).

15. Derjenige, der einen Christen zum Brotbrechen vorschlägt, sollte das Vertrauen der Geschwister haben. Wegen der Laschheit in Lehre und Praxis ist große Vorsicht geboten. Brüder stellen keine Bedingungen auf, aber sie akzeptieren auch keine von jemandem, der wünscht, Brot zu brechen (Letters von J. N. Darby, Band 3, S. 459).

Anmerkung von W. R. Dronsfield

Die obige Zusammenstellung einiger Zitate zur Aufnahme am Tisch des Herrn aus den Schriften der Brüder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts herausgefiltert worden. Es muss dabei berücksichtigt werden, dass in jener Zeit in den großen orthodoxen Kirchen niemand ordiniert wurde, der nicht das alte Glaubensbekenntnis unterschrieb. Zudem war praktisch überall akzeptiert, dass die Bibel das irrtumslose Wort Gottes war. Die gegenwärtige Toleranz von fundamentalem Irrtum und von krassem, moralischem Bösen in den großen Kirchen hätte sich damals niemand zu träumen gewagt. Auch der ökumenische Geist war noch nicht entstanden. Menschen blieben in ihren Denominationen und wurden verurteilt, wenn sie deren Grenzen überschritten. Eine Person die Gemeinschaft wünschte, war in aller Regel in gewissem Ausmaß geübt, sich auf der Grundlage des einen Leibes zu versammeln - bestimmt nicht mit einer Einstellung, dass sich auf ökumenischer Grundlage alle Benennungen zusammenfinden sollten. Grundsätze haben sich nicht geändert, wohl aber die Umstände.

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Übersetzung: RG/überarbeitet