08.07.2012Persönlicher Glaube | Jesus Christus / Gott

Christus, unser Hoherpriester und Sachwalter

Größer als die Sorge für das Äußere war jedoch sein tiefes Interesse am geistlichen Wohlergehen seiner Jünger. Solange Er bei Ihnen war, hatte Er sie bewahrt (Joh 17, 12). Noch während des letzten Beisammenseins im Obersaal hatte Er zu Petrus im Blick auf dessen Verleugnung gesagt: "Ich aber habe für dich gebetet, auf dass dein Glaube nicht aufhöre" (Lk 22, 32). Nun aber, wo Er wieder zum Vater ging, befahl Er sie Ihm für die Zeit seiner bevorstehenden Abwesenheit an. Seine Gedanken gingen dabei bereits bis in die Ewigkeit: "Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf dass sie meine Herrlichkeit schauen..." (Joh 17, 9. 15. 20. 24).

Nach seinem Werk am Kreuz und seiner Himmelfahrt hörten seine Bemühungen um die seinen jedoch nicht auf. Gottes Wort sagt uns, dass Er sich jetzt zur Rechten Gottes befindet und sich für uns verwendet (Röm 8, 34). Andere Schriftstellen zeigen uns, dass Er der Hohepriester und Sachwalter für die Seinen ist (Heb 7, 26; 1. Joh 2, 1). Wie wenig sind wir uns doch der Tatsache bewusst, dass unser Erlöser in jedem - auch in diesem -Augenblick unseres Erdenlebens für uns bei Gott tätig ist!

Sein Dienst als Hoherpriester bei Gott

In seiner Erniedrigung als Mensch betete Er zu seinem Gott und Vater, wie wir an dem Beispiel von Petrus sahen. Auch am Kreuz betete Er für seine Peiniger: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23, 34). Jetzt aber verwendet Er sich für sie kraft der Herrlichkeit seines vollbrachten Erlösungswerkes und seines Platzes zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln. Als barmherziger und treuer Hoherpriester tritt der Herr Jesus jetzt für uns bei Gott ein, um uns zu helfen und uns zu bewahren, wenn wir in Versuchungen geraten und schwach zu werden drohen (Heb 2, 17f; 7, 25-27), und um uns sicher ans Ziel unseres Glaubensweges zu bringen.

Das Vorbild des israelitischen Hohenpriesters lässt uns diesen Dienst unseres Herrn besser verstehen. Auf den beiden Schulterstücken des Ephods der hohenpriesterlichen Kleidung Aarons befanden sich zwei in Gold gefasste Onyxsteine, auf denen je sechs der Namen der zwölf Stämme Israels eingraviert waren. Dazu heißt es in 2. Mose 28, 12: "Und Aaron soll ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor dem Herrn zum Gedächtnis."

Der Herr Jesus erscheint vor Gott für uns

Auf seinen Schultern, die symbolisch die Kraft und Tragfähigkeit des Menschen zum Ausdruck bringen, trug der Hohepriester Israels das ganze Volk vor den Augen Gottes. Über dem Ephod trug er ein aus verschiedenen Stoffen gewirktes Brustschild, das mit vier Reihen von je drei Edelsteinen besetzt war. Auf diesen zwölf Steinen mussten nochmals die Namen der zwölf Stämme Israels einzeln eingraviert werden. Die Erklärung hierfür finden wir in Vers 29: "Und Aaron soll die Namen der Söhne Israels an dem Brustschild des Gerichts auf seinem Herzen tragen, wenn er ins Heiligtum hineingeht, zum Gedächtnis für den Herrn beständig. "

Dies ist ein Bild unseres Herrn, der nach seinem Erlösungswerk in den Himmel eingegangen ist, "um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen" (Heb 9, 24). Mit ewiger Kraft und göttlicher Liebe trägt Er dort jetzt als der wahre, der große Hohepriester die Namen der Seinen vor dein Angesicht Gottes.

Der Herr Jesus kommt uns in Prüfungen zur Hilfe

Solange wir auf der Erde sind, können wir in Prüfungen schwach werden. Das nimmt Satan zum Anlass, uns vor Gott zu verklagen (vgl. Hiob 1, 11; 2, 5; Sach 3, 1-3; Off 12, 10). Aber Christus verwendet sich droben in der Herrlichkeit bei Gott für uns (Heb 7, 25). Er gewährt uns jedoch auch Hilfe auf unserem Glaubensweg in der Welt, die Ihm feindlich gegenübersteht (Heb 2, 18; 4, 16). Wenn wir den Willen Gottes tun, kann es sein, dass wir dafür Spott und Verfolgung leiden müssen. Aber der Herr hat Mitgefühl mit diesen Leiden und kommt uns darin zu Hilfe.

Er, der selbst als Mensch auf der Erde gelitten hat, versteht all unseren Kummer und hat Mitleid mit allen unseren Schwachheiten, nicht jedoch mit unseren Sünden, die wir ja selbst hassen und verabscheuen, wenn wir geistlich gesinnt sind. Am Thron der Gnade empfangen wir Barmherzigkeit und finden Gnade zur rechtzeitigen Hilfe. Durch Christus, unseren Hohenpriester, dürfen wir allezeit mit Freimütigkeit in Gottes Gegenwart kommen.

Christus unser Sachwalter beim Vater

Der Herr Jesus verwendet sich auch als Sachwalter bei Gott, dem Vater, für uns. Ein Sachwalter ist in Gottes Wort jemand, der sich der Gläubigen in vollkommener Weise annimmt und sich für sie einsetzt. Daher wird der Heilige Geist der "andere Sachwalter" genannt (Joh 14, 16).

Der Herr weiß, dass wir noch das Fleisch, die alte, böse Natur, an uns haben, die Er nicht besaß. Er übersieht das Böse bei uns nicht, sondern wenn wir gesündigt haben, tritt Er als unser Sachwalter beim Vater für uns ein. Zugleich überführt Er unsere Gewissen durch sein Wort und seinen Geist, um uns in den vollen Genuss der Gemeinschaft mit Ihm zurückzuführen. Er tritt nicht erst in Tätigkeit, nachdem wir unsere Sünden bekannt haben, sondern Er bringt durch den Heiligen Geist unser Gewissen zur Buße und zum Bekenntnis, während Er zugleich bei dem Vater als unser Fürsprecher eintritt.

Wenn Sünde bei uns vorkommt, wird der Sachwalter im Himmel tätig

Der Herr Jesus verwendet sich also jetzt im Himmel für seine Erlösten in zweierlei Hinsicht: als Hoherpriester bei Gott und als Sachwalter bei dem Vater. Wie eng diese Tätigkeiten zusammenhängen, wird vielleicht am Beispiel der Verleugnung des Petrus deutlich, obwohl der Herr damals noch auf der Erde war. Schon bevor Petrus Ihn verleugnete, hatte der Herr bereits für ihn gebetet, damit sein Glaube nicht aufhörte. Das weist auf den Priesterdienst Christi hin.

Aber als Petrus Ihn dann doch verleugnete, weil er nicht wachsam war, blickte der Herr ihn an, um ihn dadurch zur Buße zu führen. Nach seiner Auferstehung spricht Er nochmals in zu Herzen gehender Weise mit Petrus, um ihn dazu zu bringen, die Sünde ganz und gar zu verurteilen. Darin sehen wir einen Hinweis auf die Sachwalterschaft Christi für die Seinen, die die Wiederherstellung der Gemeinschaft zum Ziel hat.