25.08.2021 Versammlung / Gemeinde

Unabhängigkeit oder Einheit? (Teil 3)

Wie denkt Gott über Unabhängigkeit?

Der Grundsatz der Unabhängigkeit, wie er von vielen vertreten wird, ist mit dem Bewahren der Einheit des Geistes unvereinbar. Gottes Wort kennt nicht voneinander unabhängige Versammlungen. Die Versammlung Gottes an einem Ort stellt die ganze Versammlung dar und handelt im Blick auf das Ganze. Das „drinnen" und „draußen" von 1. Korinther 5 bezieht sich nicht nur auf die eine örtliche Versammlung, wo die Zucht ausgeübt wurde, sondern auf die ganze Versammlung. Undenkbar die Vorstellung, daß der Böse, der in Korinth ausgeschlossen worden war, in Ephesus aufgenommen wurde!

 

Das sind an sich ganz einfache Wahrheiten, aber es ist erstaunlich, ja bestürzend, wie wenig sie in der Praxis verstanden werden. Nichts macht das deutlicher als die eingangs erwähnten Fragestellungen. Wie können wir mit der einen oder anderen Gruppe von Gläubigen das Brot brechen, wenn sie seit Jahren auf dem Boden der Unabhängigkeit verharren? Ist das nicht etwas fundamental Falsches? Das hat nichts da- mit zu tun, daß sie nicht liebe Kinder Gottes wären. Sie sind es, und wir lieben sie als solche von Herzen, aber sie bewahren in dieser Hinsicht nicht die Einheit, die der Heilige Geist bewirkt. Würde ich mit ihnen das Brot brechen, dann würde ich den gottgemäßen Grundsatz der Einheit des Leibes verlassen und mit ihnen den Boden der Unabhängigkeit einnehmen, und das wäre Sünde. „Aber der Herr Jesus ist doch in :_ ihrer Mitte!" Wäre Er es, könnte auch ich dorthin gehen. Aber niemals wird der Herr mit Seiner Gegen- wart das sanktionieren, was Seinen Gedanken grundsätzlich entgegen ist. Wir sollten nicht derart leichtfertig mit Seinen Worten umgehen!

 

Solange die Versammlung nur in Jerusalem existierte, war es nicht schwierig, die äußere und innere Einheit der Herde aufrechtzuerhalten. Aber jetzt, wo Gläubige in weiterer Entfernung voneinander lebten und zusammenkamen, war eine andere Situation entstanden. Obwohl die Versammlungen in Samaria und Antiochien durch das Zeugnis von Geschwistern ins Leben gerufen worden waren, die aus der Jerusalemer Versammlung stammten, wurden doch zu beiden Orten von Jerusalem Brüder ausgesandt (Apg 8,14; 11,22). In Samaria waren es die beiden Apostel Petrus und Johannes, und in Antiochien Barnabas, „ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens".

 

Aus: Mit weitem Herzen auf schmalem Weg (CSV)