18.08.2021 Versammlung / Gemeinde

Unabhängigkeit oder Einheit? (Teil 1)

 

Unabhängigkeit

Eine bemerkenswerte Stelle feindest sich in 5. Mose 17. Wenn sich in Israel eine Streitsache zwischen zwei Parteien ergab, die „zum Urteil zu schwierig" war, sollten sie an den Ort hinaufziehen, den Jehova erwählen würde. „Und du sollst zu den Priestern, den Leviten, kommen und zu dem Richter, der in jenen Tagen sein wird, und dich erkundigen; und sie werden dir den Rechtsspruch verkünden. Und du sollst dem Spruche gemäß tun, welchen sie dir verkünden werden von jenem Orte aus, den Jehova erwählen wird, und sollst darauf achten, zu tun nach allem, was sie dich lehren werden. Dem Gesetze gemäß, das sie dich lehren, und nach dem Rechte, das sie dir sagen werden, sollst du tun; von dem Spruche, den sie dir verkünden werden, sollst du weder zur Rechten noch zur Linken abweichen. Der Mann aber, der mit Vermessenheit handeln würde, dass er auf den Priester, der dasteht, um den Dienst Jehovas, deines Gottes, daselbst zu verrichten, oder auf den Richter nicht hörte: Selbiger Mann soll sterben. Und du sollst das Böse aus Israel hinwegschaffen" (Verse 9-12). Diese Anweisung zeigt uns zweierlei: Auch hier waren es die Priester, die Leviten, der Richter, die einen Spruch verkündeten - ein Urteil, das den Gedanken Gottes entsprach. Und nach diesem Spruch mussten alle handeln. Gott duldete keine Unabhängigkeit in Israel.

 

Ebenso wenig kennt das Neue Testament voneinander unabhängige örtliche Versammlungen. Das Beispiel von Apostelgeschichte 15 belegt dies aufs Deutlichste. Wenn auch der Vorgang als solcher heutzutage keine Wiederholung finden kann, so bleiben die Grundsätze doch bestehen. Und was lernen wir aus diesem bemerkenswerten Kapitel? Dass Gott keine Unabhängigkeit zwischen Versammlungen erlaubt. Es ging um die Frage, ob Gläubige aus den Nationen beschnitten werden und das Gesetz Moses halten müssten (Verse 1.5). Obwohl in Antiochien, wo die Frage aufgeworfen wurde, eine gesunde Versammlung bestand und obwohl der Apostel Paulus und Barnabas zu jener Zeit dort weilten, gestattete Gott nicht, dass diese Frage durch sie gelöst wurde. Sie mussten nach Jerusalem gehen, und dort wurde sie entschieden. Auf diese Weise wurde die Einheit gewahrt und ein Auseinanderbrechen in zwei unterschiedliche Blöcke, einen jüdisch geprägten und einen griechisch geprägten, verhindert.

 

Die praktische Einheit unter den Gläubigen zu Anfang wird noch dadurch unterstrichen, dass später Paulus und Timotheus durch die Städte zogen, wo Versammlungen waren, und ihnen die Beschlüsse mitteilten, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren (Kap. 16,4). So einfach war das damals: Man beugte sich willig diesen Beschlüssen! Wundem wir uns dann, wenn im nächsten Vers festgestellt werden kann: „Die Versammlungen nun wurden im Glauben befestigt und mehrten sich täglich an Zahl"?

 

Und wie sehen wir es in unseren Tagen? Gewiss, wir haben heute keine Apostel mehr, und Beschlüsse dieser Art können nicht mehr gefasst werden. Aber wir haben den Herrn - und Ihn in der Mitte derer, die sich in Seinem Namen versammeln. Ist es dann nicht schmerzlich, erleben zu müssen, dass Urteilen (ich sage nicht: „Beschlüssen") von Versammlungen heute vielfach das eigene Urteil entgegengesetzt wird? Es ist nichts anderes als Unabhängigkeit. Das Ergebnis kann auch nur weitere Zerrüttung sein. Dahin fuhrt der Geist der Unabhängigkeit stets.

 

Aus: Ein ernstes Wort in ernster Zeit