Angst und Gottesfurcht

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Der Sündenfall

So lernen wir aus 1.Mose 3, dass Adam und Eva anfingen, sich vor Gott zu fürchten, als sie gesündigt hatten. Diese Furcht ist mit einer Angst gleichzusetzen, die dazu führt, dass man vor dem Gegenstand der Angst flieht. „Und er (Adam) sprach: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, denn ich bin nackt, und ich versteckte mich“ (1.Mo 3,10).

Der gefallene Mensch hatte Angst vor Gott und lief vor ihm weg. Wie traurig, aber gleichzeitig lehrreich, nämlich dass Gott nicht wollte, dass wir vor ihm Angst haben, denn so war es vor dem Sündenfall nicht. Dass wir Angst vor Gott bekommen, haben wir Menschen selbst durch den Sündenfall bewirkt.

Gottesfurcht ist etwas Schönes!

Andererseits lernen wir aus der Bibel, dass Gottesfurcht positiv zu sehen ist und dazu motiviert, dass man das Böse meidet (vgl. 1.Mo 20,11; Spr 8,13). Zu dieser Gottesfurcht werden wir sogar aufgefordert: „Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!“ (Ps 34,10a).

Solch eine biblische Gottesfurcht ist dadurch gekennzeichnet, dass man nach dem Willen des Herrn trachtet und Gemeinschaft mit ihm haben möchte, indem alles Böse gemieden wird. Das geht nicht ohne eine lebendige Beziehung zu ihm, da der sündige Mensch von Natur vor Gott davonläuft, wie wir gesehen haben, und ihm höchstens äußerlich dienen kann (vgl. Jes 29,13).

Verwechselung

Leider verwechseln wir Menschen oft die Angst vor Gott mit der echten Gottesfurcht. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür finden wir in Lukas 5. Als Petrus nach einer erfolglosen Nacht auf das Wort des Herrn noch einmal am Tag seine Netze auswarf und entgegen jeder Erfahrung einen großen Fang gemacht hatte, entsetzte er sich und bekam Angst.

Dennoch wurde er durch den Herrn Jesus, den er bereits aus Johannes 1 kannte, so angezogen, dass er nicht vor ihm weglief, sondern zu seinen Füßen fiel, und zwar mit den Worten: „Geh von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr“ (Vers 8). Das ist an sich paradox, denn mit seinen Worten drückt er eine Angst aus, aber mit seinem Herzen und seinem Verhalten nähert er sich dem Herrn.

Fürchte dich nicht!

Was sagt nun der Herr zu seinem Jünger im Blick auf die Angst? Er ruft ihm zu: „Fürchte dich nicht“, d. h. diese Angst war unnötig. Dabei aber belässt es der Meister nicht. Er fügt noch hinzu „Von nun an wirst du Menschen fangen.“ Echte Gottesfurcht sowie das Bewusstsein von Gottes Gnade und Liebe (s. Lk 4,38-40) trieben Petrus zum Herrn Jesus und dieser stellte ihn nun in seinen Dienst. Petrus und seine Genossen Jakobus und Johannes (s. Lk 5,10) verließen ab diesem Ereignis alles und folgten Ihm nach. Ist dieser Abschnitt nicht sehr lehrreich für uns? Angst treibt uns von ihm weg, echte Gottesfurcht führt zur Sündenerkenntnis, die uns zu ihm und letztlich in seine Nachfolge führt.

Grundsätzlich hat jeder Christ dieses Ereignis in seinem Leben bei der Bekehrung erlebt, aber unser Herz steht immer in Gefahr, die Liebe des Herrn und sein Wort nicht reichlich in uns wohnen zu lassen. Das ist schade, daher muss unser Herz täglich neu ausgerichtet werden: „Dein Herz beneide nicht die Sünder, sondern beeifere sich jeden Tag um die Furcht des HERRN.“ (Spr 23,17).

Es ist nicht die Angst vor Gott, sondern das Bewusstsein der Verheißungen Gottes (die wir durch Gnade aus seiner Liebe empfangen haben), das uns täglich neu dazu führt, dass wir Gott mit Frömmigkeit und Furcht wohlgefällig dienen können. Dies geschieht, indem wir uns von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes reinigen und die Heiligkeit Gottes in der Furcht Gottes vollenden (2.Kor 7,1; Heb 12,28). Gebe Gott uns mehr das Bewusstsein und Empfinden für das, was Er für uns getan hat, um Ihn durch Gottesfurcht zu ehren.

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