04.07.2005Persönlicher Glaube

Der 8. Mai ( Folge mir nach - Heft 5/2005 )

Eine Katastrophe

Es gibt nur wenige, die bestreiten, dass die Zeit von 1933 bis zum 8. Mai 1945 für Deutschland eine Katastrophe war. Nicht nur die Kriegsjahre, sondern auch die politische Kultur, die damals in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes „herrschende“ Ideologie. Frei war niemand mehr, selbst wenn er nicht Gefangener war. Und auch die vermeintlich Freien, die an der Spitze des Staates standen, waren nicht mehr frei. Sie waren Gefangene ihres totalitären Systems geworden - des Nationalsozialismus -, der sie nicht mehr los ließ und der kein Ausbrechen und Abdanken mehr zuließ.

Wenn man an die politischen Führer der damaligen Zeit denkt, die eben nicht nur Politik verfolgten, sondern ihren Überzeugungen wie einer Religion anhingen, wird man fast unwillkürlich an die religiösen Verführer erinnert, die sich selbst dem Verderben hingeben: „Denn stolze, nichtige Reden führend, locken sie ... ihnen Freiheit versprechend, während sie selbst Sklaven des Verderbens sind; denn von wem jemand überwältigt ist, diesem ist er auch als Sklave unterworfen“ (2. Pet 2,18.19). Adolf Hitler, Hermann Göring, Rudolf Heß, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler, Albert Speer, und wie sie alle hießen: Sie meinten frei zu sein. Aber in Wirklichkeit waren sie Gefangene ihrer selbst; Gefangene eines ungöttlichen Systems, das sie selbst aufgebaut hatten; Gefangene Satans, der sie als Instrumente einsetzte.

Der Christ und die Regierungsmacht

Christen haben sich immer wieder die Frage gestellt: Müssen wir uns einem solch satanischen Werk nicht in den Weg stellen und einen Widerstand organisieren oder unterstützen? Eine genauso interessante Frage, die sich nachdenkliche Menschen stellen, ist diese: Warum hat Gott keinem einzigen der Attentate, die Hitler erledigen sollten, zum Erfolg verholfen?

Die erste Frage beantwortet Gottes Wort: „Jede Seele ordne sich den obrigkeitlichen Gewalten unter; denn es gibt keine Obrigkeit, außer von Gott, diejenigen aber, die bestehen, sind von Gott eingesetzt“ (Röm 13,1). Der Schreiber dieser Zeilen, der Apostel Paulus, lebte in der Regierungszeit des Kaisers Nero, eines grausamen Tyrannen und Christenverfolgers. Man stellt sich sofort die Anschlussfrage: Ist es denn nicht Lästerung zu sagen, Gott habe Adolf Hitler eingesetzt - einen solch ungöttlichen und Gott fluchenden Herrscher? Die Antwort ist: Gott hat nicht den Flucher gewollt, aber Er ist es, der auch einen Flucher als Herrscher benutzen kann, um seine Ziele zu verfolgen. Und jeder Regierende in der heutigen und damaligen Zeit ist von Gott eingesetzt - ob wir das verstehen oder nicht. Wer sich also gegen seine Regierung - handle es sich um Despoten oder Demokraten - politisch auflehnt, lehnt sich letztlich gegen Gott und sein Handeln auf.

Dieser Tatbestand bedeutet natürlich nicht, dass man sich, gewissermaßen politisch, auf die Seite eines solchen bösen Machthabers stellen darf. Leider haben das viele Christen im Dritten Reich getan. Nicht, dass wir irgendeinen Grund hätten, von oben auf sie herabzuschauen. Wie gesagt - vermutlich hat kaum einer von uns die Drangsale bewusst miterlebt, durch die die damalige Zeit gekennzeichnet war. Und wer wollte für sich heute „die Hand ins Feuer legen“?

Das also ist nicht gemeint, wenn man auch antichristliche Machthaber als von Gott eingesetzt akzeptiert. Als Christen müssen wir uns bewusst bleiben, was schon Jesus in seinem Verhör gesagt hat: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Auch wir gehören nicht zu dieser Gesellschaft (Joh 17,16), auch wenn wir in ihr leben (müssen). Sich eins zu machen mit einer ungöttlichen Regierung würde bedeuten, Teile der biblischen Wahrheit aufzugeben, um in Frieden leben zu können. Dass man beispielsweise als Gemeinschaft von Christen bereit ist, sich einen Mitgliedsstatus mit unbiblischen Kriterien aufzwängen zu lassen, um von der Regierung geduldet zu werden. Das - genau das - war Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre ein großes Problem. Und wir sollten nicht denken, dass dies nicht wieder auf uns zukommen könnte, wenn ein Regime die Macht ergreift, das antichristlich und diktatorisch ist.

Der Glaube, der nötig ist, um solche Zeiten mit dem Herrn „überleben“ zu können, muss sich vor solchen Prüfungen bilden (vgl. Heb 11,1). Die Kraft benötigt man erst in den Erprobungen. Aber die Überzeugungen müssen zuvor entstehen. Sonst passiert das, was man in alten Zeitschriften nachlesen kann: In Heften, die zuvor Bibelauslegungen brachten und die klare Botschaft des Wortes Gottes enthielten, finden sich auf einmal Lobreden auf die Politik und das Vaterland. Eine Gefahr, vor der man das Auge nicht verschließen sollte. Auch nicht im 21. Jahrhundert.

Was konnten die Gläubigen damals tun? Sie konnten sich, da sie Gott mehr gehorchen sollten als Menschen, trotz des Verbotes heimlich versammeln. Das war mit sehr großer Gefahr verbunden. Das ist natürlich viel leichter geschrieben als getan. Aber war es nicht besser, als mit Hilfe des Naziregimes und letztlich gegen Gottes Wort eine (politisch gewollte) Institution zu bilden?

Warum griff Gott nicht ein?

Es bleibt noch die zweite Frage. Warum ließ Gott keines der Attentate gelingen? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Die kann endgültig nur Gott selbst geben. Und doch gibt es Anhaltspunkte. Wir wollen hier nur auf einen Punkt eingehen, der uns als Christen besonders interessiert und nicht die Existenz und die Folgen des Dritten Reiches „abschließend deuten“. Wann schickt Gott Gericht? Wenn es der Zustand des Volkes Gottes nötig macht. Und zeigen nicht die Entwicklungen unter den Christen und gerade auch die kirchlichen Entwicklungen damals, dass Gott wirklich redete? Er machte deutlich: Je höher man von sich denkt, desto tiefer fällt man.

Wer war „treu bis zum Tod“ (Off 2,10)? Ja, es gab solche treuen Zeugen, die bereit waren, für ihren Herrn zu sterben. Und das waren oftmals nicht diejenigen, die als Lehrer des Wortes Gottes zuvor im Rampenlicht gestanden hatten. Das waren diejenigen, die in ihrem Innern gegründet waren auf das Wort Gottes. Und die in echter Überzeugung mit ihrem Herrn ausharrten, koste es, was es wolle. Aber waren das viele?

Könnte es sein, dass manche Christen vor diesen Stürmen ein bisschen auf ihren Glauben stolz waren? Und dass sie sich nicht mehr bewusst waren, dass der Glaube allein durch Gottes Wort und den Geist Gottes geformt wird? Gab es vielleicht manche, die ganz zufrieden mit ihrer Stellung inmitten der Christenheit waren - getrennt von unbiblischen Volkskirchen und/oder Liturgien, mit einem deutlicheren Verständnis als andere Christen? Und dann zeigte Gott, wo der Einzelne wirklich stand ...

Vor 60 Jahren ist nicht heute - aber was ist heute?

Nun mag ein junger Christ sagen: Das war damals. Heute sind wir 60 Jahre weiter. Wohl wahr! Die entscheidende Frage ist nur: auch im Glaubensmut und in biblischer Standfestigkeit? Die allgemeine Entwicklung in der Christenheit tendiert eher zu gleichgültiger Ökumene als zu entschiedener Christus-Orientierung. Lehrmäßige und moralische Überzeugungen, die biblisch begründet werden, kann man dort heute kaum noch erwarten.

Das ist nicht verwunderlich. Wer sich die letzte Zeit vor dem ersten Kommen des Herrn anschaut und besonders das letzte Bibelbuch des Alten Testaments - den Propheten Maleachi - der kann Folgendes erkennen: Es gab solche im Volk Gottes, die äußerlich am richtigen Ort waren. Sie waren aus der babylonischen Gefangenschaft nach Jerusalem zurückgekehrt. Dann waren mehrere Generationen ins Land gegangen. Äußerlich waren sie noch am rechten Platz. Aber innerlich? Der Prophet brandmarkt bei diesen Juden ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Anforderungen Gottes. Ihr Zustand war schlimmer als der von manchen, die nicht in das Land der Väter zurückgekehrt waren.

Vielleicht hängt die heutige Gleichgültigkeit damit zusammen, dass in Deutschland niemand mehr wirklich angefeindet wird wegen seines Glaubens. Sicher gibt es das vereinzelt selbst in unserem Land. Aber im Allgemeinen herrscht der Toleranz-Gedanke: Jeder hat so seinen Tick - du hast eben deinen Glaubens-Spleen. Alles ist möglich. Dadurch werden junge Menschen nicht wirklich herausgefordert, zu ihrem persönlichen Glauben auch öffentlich zu stehen.

60 Jahre äußerer Friede - ein Weg in die Gleichgültigkeit

Das mag eine Folge von 60 Jahren Frieden sein. Äußerem Frieden. Aber diese Zeit wird sehr plötzlich zu Ende gehen! Der Apostel Paulus schreibt dazu in 1. Thessalonicher 5,3: „Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.“ Das ist noch Zukunft - aber diese Zukunft kann sehr schnell kommen. Denn das Einzige, was diesem Krieg noch vorausgehen muss, ist die Entrückung der Gläubigen in den Himmel, die im Kapitel davor erklärt wird. Muss dieses Bewusstsein nicht jeden Christen dazu bringen, jede Gleichgültigkeit abzulegen und konsequent dem Herrn Jesus zu dienen?

Ein Mahnmal gegen das Vergessen

In Verbindung mit dem 60. Jahrestag des Kriegsendes wurde in Deutschland ein Mahnmal errichtet. Denn durch den Holocaust des Nazi-Regimes sind Millionen von Juden systematisch vernichtet worden. Und das Bewusstsein dieser Schandtat soll immer erhalten bleiben. Das Mahnmal besteht aus 2.711 Betonstelen auf einem Grundstück von 19.000 Quadratmetern. Die niedrigsten sind zwanzig Zentimeter hoch, die höchsten 4,50 Meter. Der Architekt, Peter Eisenmann, lehnt jede Deutung seines Bauwerks ab: Es solle nichts symbolisieren, keinen Friedhof, kein Kornfeld. Das Merkmal der Einzigartigkeit solle das einzig Gegenständliche seines Bauwerks sein: So einen Ort hat es noch nie gegeben. - So einen Holocaust hat es nie zuvor gegeben ...

Es kann wieder passieren

Kann ein solches Drama wie der Holocaust unter Adolf Hitler noch einmal passieren? Man möchte sagen: Nein, das ist unmöglich nach den Erfahrungen und unserer Entwicklung. Die deutsch-österreichische Historikerin Brigitte Hamman, sagte dagegen vor kurzem in einem Interview über den Holocaust: „Ich glaube, dass es wieder passieren kann, und ich glaube auch, dass wir uns deswegen so genau mit Hitler und dem Dritten Reich beschäftigen müssen, um uns klarzumachen, unter welchen Umständen eine so fürchterliche Entwicklung möglich ist. Keiner hat das von Deutschland geglaubt.“

Und genau das ist die Vorhersage der Bibel! Und zwar sowohl, was die Drangsal für Juden betrifft (Jer 30,7), als auch, was das Erstehen einer neuen Tyrannen-Herrschaft betrifft. Natürlich wird niemand mehr hinter Adolf Hitler herlaufen. Aber in Offenbarung 13-18 lernen wir, dass sich die Machthaber Europas freiwillig in die Hand eines Diktatoren geben werden, der über das ganze Europa herrschen wird (Off 17,12.13). Und dem werden sich die Menschen unterordnen. Sie werden dem Machthaber nachfolgen - zu ihrem ewigen Verderben. Denn derjenige, der sich diesem ungöttlichen Diktator unterwirft, stellt sich zugleich gegen Gott. Und verwirft den Herrn Jesus Christus. Und das wird die Masse der Menschen in Europa tun. Ungöttliche Verführung und Abfall von Gott wird es solange geben, bis Jesus Christus selbst die Herrschaft auf dieser Erde antritt.

„Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, genannt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit ... Und aus seinem Mund geht hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert, damit er die Nationen damit schlage; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen. Und er trägt auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren“ (Off 19,11-16).


aus: Folge mir nach - Heft 5/2005