24.04.2006Dienst

Aktionismus

Das Vorbild Achimaaz

Gestern haben wir uns Achimaaz als Vorbild genommen. Seine Hingabe, seine Energie, seine Liebe zu David, sein Herz für seinen König – das alles beeindruckt uns und soll uns zum Vorbild sein.

Bote ohne Botschaft

Aber es gibt auch eine andere Sichtweise. Joab, sein Chef, hatte ihm gesagt: „Du sollst nicht Bote sein an diesem Tag, sondern du kannst an einem anderen Tag Botschaft bringen; doch an diesem Tag sollst du nicht Botschaft bringen, da ja der Sohn des Königs tot ist“ (2. Samuel, Kapitel 18, Vers 20).

Offensichtlich unterschied man damals zwischen Boten mit „guten Nachrichten“ und Boten mit „schlechten Nachrichten“. Achimaaz hatte das Vorrecht, ein Bote mit positiven Nachrichten zu sein (Vers 27). Und Joab spürte, dass der Könige David nicht glücklich sein würde zu hören, dass Absalom, sein Sohn, tot war, auch wenn dieser ihm die Königsherrschaft geraubt hatte.

Zweimaliges Versagen von Achimaaz

Wir können kein letztendliches Urteil abgeben, ob sich Achimaaz mit seinem Bestehen darauf, als Bote zu David laufen zu dürfen, recht verhielt. Wir wissen jedoch, dass er

a) seinem Chef ungehorsam war, und dass er

b) David die Unwahrheit sagte, zumindest einen solchen Eindruck hinterließ.

Denn er sagte diesem auf die Frage, wie es um Absalom stünde: „Ich sah ein großes Getümmel, als Joab den Knecht des Königs und deinen Knecht absandte; aber ich weiß nicht, was es war“ (Vers 29). Dabei wusste er genau, dass Absalom tot war. Diese beiden negativen Punkte lassen letztlich die Frage stehen, ob sich Achimaaz wirklich richtig verhalten hat, als er auf seinem Botengang bestand.

Unbedingt etwas tun wollen, nötig sein wollen

Er wollte unbedingt etwas tun. Dabei war er dieses Mal ein Bote ohne Botschaft – denn die richtige Botschaft hatte der Kuschiter (Verse 31.32).

War es der Ehrgeiz, der Achimaaz packte? Das ist auch für uns heute eine Gefahr. Vielleicht hat der Herr uns wirklich einen speziellen Auftrag gegeben. Achimaaz hatte einen solchen früher (und sicher auch später) gehabt! Aber eben nicht für diese Aufgabe, zu David zu rennen.

Jede Aufgabe ruft uns?

Meinen wir auch, wir wären für jede Aufgabe geschaffen? Für einen schriftlichen Dienst. Und für einen mündlichen. Für einen am Ort. Und für einen weiter weg. Für einen lehrmäßigen. Und für einen hirtenmäßigen. Für Ermutigungen. Und für Ermahnungen. Für einzelne Gläubige. Und für Verheiratete. Für einen im Inland. Und für einen im Ausland. Für einen evangelistischen. Und für einen für Gläubige. Für einen am Grab. Und für einen an Hochzeiten. Für einen an jungen Menschen. Und für einen an alten. Und, und, und ...

Vielleicht ist unser Dienst nicht auf einen oder zwei beschränkt. Aber jeden Dienst – den haben nach dem Apostel Paulus (und vielleicht in Erweckungszeiten) wohl nur die allerwenigsten bekommen. Aber wahrscheinlich ist es immer wieder unser Ehrgeiz im Dienst, dass wir meinen: jetzt, und schon wieder jetzt sind wir verlangt.

Manchmal sind es „große Namen“, denen man dienen möchte (und bei denen man sich vielleicht auch einen Namen machen möchte), die einen vielleicht antreiben, auch noch diese Nische mitzunehmen. Dabei kann der Wunsch schon recht sein. Das war er wohl auch bei Achimaaz. Aber durch einen falschen Ehrgeiz, durch übersehene Beschränkung mag man manches Mal mehr zerstören als helfen.

Manchmal bedarf es mehr als einer Person

Es ist wahr. Um den Gelähmten in das Haus zu bringen, wo der Herr Jesus lehrte, waren vier Männer nötig. Manchmal sind bei einem Hirtendienst für Probleme vielleicht mehr als einer gefordert. Aber ist es wirklich immer weise, dass jetzt auch noch ich mich aufmache(n will)?

David hatte den Wunsch, dem großen Gott das Haus in Jerusalem zu bauen. Dieser Wunsch wurde von Gott geschätzt. Aber David besaß die Weisheit, Gottes „Beschränkung“ – dass nämlich sein Sohn das Haus bauen sollte, nicht er – zu akzeptieren. Vielleicht hätten wir manches Mal durch intensive Gebete für jemanden, für eine (schief gehende) Ehe, für ein Problem, mehr erreicht als durch unseren Aktionismus, so gut gemeint er auch war.

Echte Führung erleben

Auch durch bestimmte Erfahrungen, die ich gemacht habe, bin ich nicht für jeden Dienst prädestiniert. Sich hier nach der Leitung durch unseren Herrn und seinen Geist zu richten, ist nicht leicht, aber von großem Segen. Für den „Betroffenen“ – der vielleicht jetzt gar keinen Besuch braucht, sondern eine Zeit der Stille (oder eben auch nicht). Und für mich selbst – denn erfahrende Führung ist etwas Großartiges.