18.05.2014Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube

Simon Petrus – Der Herr blickt Petrus an

Wir haben noch alle im Ohr wie Petrus seinem Meister versichert hatte: „Herr, mit Dir bin ich auch bereit ins Gefängnis und in den Tod zu gehen!" (Lukas 22,32) Impulsiv und schnell war Petrus dabei gewesen dem Herrn die Treue zu versprechen. Jetzt sitzt er mit den Dienern gemeinsam im Hof des Hohenpriesters am Feuer und wärmt sich auf. Draußen ist es finster, die Nacht ist angebrochen, es ist kalt. Ein Stück weit von Petrus entfernt hat sich die ganze religiöse Elite Jerusalems versammelt, um den Herrn Jesus „zu Tode zu bringen!"

Was macht Petrus dort? Er wollte „das Ende" sehen. Dafür war er seinem Herrn bis an diesen Ort mit einer gewissen Distanz gefolgt, um sich jetzt das Geschehen von einem vermeintlich sicheren Platz aus anzuschauen. Aber sicher war Petrus dort am Feuer ganz und gar nicht! Wir wissen wie die Situation für Petrus ausging. Dreimal wurde er herausgefordert und gefragt, ob er den Herrn Jesus kennen würde, dreimal hat er es geleugnet - zuletzt sogar unter Schwören!

Den Herrn Jesus verleugnen - Ist das so etwas ganz Fremdes für Dich und mich? Du weißt die Antwort für Dein Leben viel besser als ich. Den Herrn Jesus verleugnen meint, sich nicht zu Ihm zu bekennen, sondern sich von Ihm zu distanzieren - nicht nur in Worten, auch in Taten (und dann auch in Gedanken).

Wir wollen nicht bei Petrus‘ Versagen stehenbleiben, sondern jetzt über den Herrn Jesus staunen, wie Er Petrus begegnet. „Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an."

Wenn wir den Blick des Herrn ein wenig unter die Lupe nehmen, dann entdecken wir mehr darin,  als einfach einen flüchtigen Blick. Ich bin überzeugt, dass der Blick des Herrn Jesus voller Liebe war. Hätte der Herr Jesus nicht mit anderen Dingen beschäftigt sein können, wo das Kreuz und die schwersten Leiden noch vor Ihm standen? Er wird geschlagen, falsch beschuldigt und verhört, aber Er dreht sich um und blickt Petrus an. Dieser Blick spricht seine ganze eigene Sprache - Liebe zu dem Jünger, der versagt hatte, aber den der Herr trotzdem noch liebte.

Ist es nicht auch unendlich weise von dem Herrn Jesus, dass Er den Jünger gerade anblickt und kein Wort sagt? Nichts war angebrachter in dieser Situation als der stumme Blick des Herrn Jesus. Er verzichtete darauf Petrus zu tadeln oder sonst irgendetwas zu tun. Der Blick reichte aus, um Petrus an die Worte seines Meisters zu erinnern. Es war nicht die Absicht des Herrn Jesus Petrus vor allen anderen bloß zu stellen oder sein Versagen aufzudecken, sondern ein Blick genügte, um für Petrus die Sache auf den Punkt zu bringen. Wie machen wir andere auf Versagen oder Sünde in ihrem Leben aufmerksam? Der Herr ist unendlich weise. (siehe auch Galater 6,1)

Hast Du schon einmal erlebt, wenn Dich jemand durch ein Wort sehr verletzt hat? Oft geht es uns dabei so, dass wir den, der uns verletzt hat, am Liebsten erst mal nicht mehr sehen wollen - er soll uns nicht mehr unter die Augen treten. Wie anders beim Herrn Jesus! Er lässt sich zu seinem Jünger herab und sieht ihn an. Steckt in diesem Blick nicht auch ein Trost für Dich und mich, wenn wir versagt haben? Der Herr wendet Seinen Blick nicht von mir und Dir ab, sondern sucht Deinem Blick zu begegnen. (siehe auch Jakobus 5,11)

„Herr ich danke Dir, dass Du mich kennst und trotzdem liebst!
Und dass Du mich beim Namen nennst und mir vergibst!"

Petrus war dem Herrn von fern gefolgt, und doch hatte der Herrn Jesus jedes Wort gehört, was Petrus gesagt hatte. Ihm war nichts entgangen - auch das wird durch diesen Blick deutlich - der Hahn hatte zum zweiten Mal gekräht und Petrus hatte den Herrn zum dritten Mal verleugnet! Auch in Deinem und meinem Leben entgeht dem Herrn Jesus nichts, Er kennt unser Leben, Er kennt auch die letzten verschlossenen Herzenskammern bei Dir und mir. Er kennt unser Versagen und unsere Schuld, auch wenn wir es vor anderen vielleicht verbergen können. Er sieht tiefer. (siehe Hebräer 4,13; Psalm 139,1)

Wenn es Dir beim Lesen dieser Andacht vielleicht so geht, dass der Herr Seinen Blick auf Dich richtet, dann wünsche ich Dir von Herzen, dass Er das gleiche Ziel wie bei Petrus mir Dir erreicht! Der Herr will erreichen, dass wir unser Versagen, unsere eigene Selbstüberschätzung und Sünde erkennen und darüber zusammenbrechen. Dann richtet der Herr Jesus uns wieder auf! (1. Johannes 1,9)

Der Blick des Herrn Jesus erzeugte gottgewirkte Reue über das eigene Versagen und brachte Petrus dahin, dass er schleunigst den Platz am Feuer verließ. „Er ging hinaus und weinte bitterlich!"

Kannst Du noch über Sünde weinen? Ich meine nicht einfach eine emotionale Phase, sondern echte Trauer über Versagen. Wenn das bei uns nicht mehr so ist, dann müssen wir Gott bitten, dass er uns ein neues Empfinden für Seine Heiligkeit gibt! Als David sich mit Bathseba versündigt hatte, da erkannte er hinterher, dass er direkt „gegen den Herrn gesündigt" hatte. (2. Samuel 12,13).

Petrus geht hinaus und weint bittere Tränen, er ist noch nicht wiederhergestellt, aber der Herr hat den Grundstein dazu gelegt. Der Herr wird Sein Ziel mit Petrus erreichen!

„Indem ich eben darin guter Zuversicht bin, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi." (Philipper 1,6)