1260, 1290 und 1335 Tage

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Antwort:

Nicht Jahre, sondern Tage!

Zu der zweiten Frage zuerst. Wenn in zwei verschiedenen prophetischen Büchern der Heiligen Schrift offensichtlich von derselben Epoche gesprochen und ihre Dauer jeweils mit so-und-so-viel Tagen angegeben wird, sollten wir sicherlich vorsichtig sein, einfach zu behaupten, es handele sich gar nicht um Tage, sondern um Monate oder Jahre. Denn welche begründ- und nachvollziehbaren Schritte können angegeben werden, die schließlich zu der Deutung berechtigen, dass "Tage" tatsächlich "Jahre" meinen?

Überdies wird in der Offenbarung (Kapitel 12,14) und in Daniel (Kapitel 12,7) übereinstimmend die Zeitangabe benutzt „eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit", und das meint offenkundig die 3,5 Jahre, die von der Aufstellung des verwüstenden Gräuels an heiligem Orte (Daniel 12, 11; Matthäus 24,15) bis zur Ankunft des Herrn mit Macht und großer Herrlichkeit (Mt 24,29-31) vergehen werden.

Damit kommen wir zum ersten Teil der Frage. Mit dem Aufstellen des Gräuels der Verwüstung im Tempel zu Jerusalem beginnt die eigentliche Drangsalszeit für den jüdischen Überrest, und sie dauert 3 0 (Tage) mal 12 (Monate) mal 31/2 (Jahre) = 1260 Tage. Aber die Segnung Israels wird offenbar nicht plötzlich, nicht in einem einzigen Schritt eingeführt werden. Zu viele Vorgänge werden sich bei der Ankunft des Herrn zur Reinigung der Erde abspielen. Deswegen werden wohl die zwei weiteren Zeiträume angegeben, die um 30 Tage = 1 Monat bzw. um 75 Tage = 21/2 Monate den Zeitraum von 1260 Tagen überschreiten.

Das erste, was der Herr Jesus nach Seiner Ankunft auf der Erde, also nach den 1260 Tagen der Drangsalszeit, tun wird, ist, das Tier (das Haupt des römischen Reiches) und den falschen Propheten (den Antichristen) zu vernichten und sie lebendig in den Feuersee zu werfen (Offenbarung 19,20). Aber noch viele andere Gerichte über die verschiedensten Feinde des Herrn und Israels sind auszuführen, bis die Epoche der tausendjährigen Segnung anbrechen kann. Es sei nur an die Beseitigung der westlichen und fernöstlichen Heeresmächte und an das Gericht der Lebendigen erinnert. Erstere wird den Charakter eines Kriegsgerichtes haben, letzteres den eines Sitzungsgerichtes.

Aus Daniel 11 scheint hervorzugehen, dass einer der letzten zu beseitigenden Feinde, wenn nicht sogar der letzte Feind überhaupt, der König des Nordens sein wird. Dieser Gedanke wird durch Jesaja 10, Vers 12, gestützt: "Und es wird geschehen, wenn der Herr sein ganzes Werk an dem Berge Zion und an Jerusalem vollbracht hat, so werde ich heimsuchen die Frucht der Überhebung des Herzens des Königs von Assyrien und den Stolz der Hoffart seiner Augen."

So wird es also nach den 1260 Tagen noch zwei kurze Zwischenzeiträume geben, bis endlich die von vielen ersehnten Tage des Segens anbrechen können, und deswegen wohl wird gesagt: "Glückselig der, welcher harrt und 1335 Tage erreicht!" (Daniel 12,12).

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Erschienen in: Ermunterung und Ermahnung, 1990, S.150

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