06.07.2005Persönlicher Glaube

CHRIST - eine Begriffserklärung

Eine Statistik der Religionszugehörigkeiten in Deutschland und in Europa weist immer noch mehr als 90 % Christen aus. Und doch sind wir davon überzeugt, daß viele unserer Mitbürger keineswegs „echte, wahre“ Christen sind, weil wir ihr Verhalten kennen und aus Gesprächen wissen, daß sie Christus eher gleichgültig gegenüberstehen. Christ, ja oder nein? Es gibt in der Tat eigentlich zwei Arten von Christen: solche, die es innerlich sind und solche, die es nur äußerlich sind.

Nun richtet sich dieses Heft ja gerade an junge Christen, an „wahre“ Christen. Es könnte aber sein, daß jemand dieses Heft in die Hände bekommt, der sich selbst nicht als Christ bezeichnet oder nicht wagt, sich als Christ zu bezeichnen. Es könnte außerdem sein, daß jemand meint, ein Christ zu sein, und es in Wahrheit doch nicht ist. Und es könnte zum dritten sein, daß jemand Christ ist, das auch weiß, aber doch sich nicht klar ist, was das eigentlich für ihn bedeutet.

Eines ist allerdings allen deutlich, daß der Name „Christ“ auf Christus hinweist, das heißt also auf den Herrn Jesus Christus, wie die Bibel Ihn vorstellt. Wie uns die bekannte Stelle, wo der Begriff zum ersten Mal vorkommt, Apostelgeschichte 11,26, zeigt, wurden die „Jünger“ des Herrn Jesus von anderen so genannt: «Es geschah ihnen (d.h. insbesondere Barnabas und Paulus) aber, daß sie ein ganzes Jahr in der Versammlung zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten, und daß die Jünger zuerst in Antiochien Christen genannt wurden“ (im Jahr 43 n. Chr.). Offenbar war der Name Christus kennzeichnend für diese Menschen. Sie sprachen von Christus, sie glaubten an Christus, sie „gehörten“ Christus, sie lehrten Christus: Sein Leben auf der Erde, Seinen Opfertod, Seine Auferstehung, Seine Himmelfahrt, Sein Wiederkommen. Offenbar wurde ihnen geglaubt, daß sie Nachfolger Christi waren, weil auch ihr Leben sie als solche auswies. Die „Jünger“ werden also sozusagen mit Christus identifiziert. Dieser Jesus Christus machte in den Augen der beobachtenden Mitmenschen ihr Leben und ihre Haltung aus.

Kurzer historischer Rückblick

Nun sind die Zeiten von Apostelgeschichte 11 inzwischen fast 2000 Jahre vorüber und die Bezeichnung „Christ“ hat heute im allgemeinen Sprachgebrauch eine deutliche Verflachung und Bedeutungsverlagerung erfahren. Waren zu Anfang die Christen noch eine Minderheit, die von den übrigen teils belächelt, teils bekämpft wurden, änderte sich dies im Lauf der späteren Jahrhunderte: als nach harten und grausamen Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte (unter den römischen Kaisern Nero, Domitian, Trajan, Aurelius, Diokletian,...) mit Konstantin das Christentum zu einer anerkannten „Religion“ geworden war, galt es als vorteilhaft, ein Christ genannt zu werden. Das eröffnete sogar Möglichkeiten für gut bezahlte öffentliche Ämter. Daß damit aber die „Seele“ des Christseins verloren gehen mußte, ist unschwer zu erkennen. Diese Leute sind solche, „die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen (= nicht kennen)“ (2.Tim 3,5) und „sie geben vor, Gott zu kennen, aber in ihren Werken verleugnen sie ihn ...“ (Tit 1,16).

In der Zeit des frühen Mittelalters war es sogar manchmal gefährlich, kein Christ zu sein oder werden zu wollen. Durch zwangsweise sogenannte Bekehrungen zum Christentum wurden ganze Volksstämme zu „Christen“ gemacht. Herrscher bestimmten wie bei den antiken Völkern die Religion ihrer Untertanen und ließen ihnen oft eine mehr oder weniger oberflächliche Unterweisung in der christlichen Lehre geben. Gewiß hatte Gott jedoch auch in dieser Zeit seine Diener, die das wahre Evangelium verkündeten, aber die, die so zu wahren Christen wurden, haben nicht selten auch in dieser Zeit die Verfolgung der großen Masse und der „Kirche“ erfahren.

In den sogenannten christlichen Ländern war es einfach normal, daß man Christ war und zur großen katholischen (= allgemeinen) Kirche gehörte. Einerseits ist es ja auch verständlich, daß Eltern, die Christen waren, vielleicht sogar wahre gläubige Christen, wünschten, daß auch ihre Kinder sich ihrem „Glauben“ anschlossen. Dies wurde dokumentiert durch die Taufe. Wer einmal getauft war, war damit in den Kreis der Christen, d.h. im Mittelalter in die Kirche, aufgenommen. Andererseits aber ist sicher häufig zu bezweifeln, daß diese getauften Menschen in Wahrheit Nachfolger Christi geworden waren oder wurden. Für diese - äußerliche - Zugehörigkeit zur Christenheit reichte die Einhaltung bestimmter religiöser Verhaltensweisen und allgemeine Rechtschaffenheit aus, um als Christ zu gelten und akzeptiert zu sein.

Um so einschneidender wurde deshalb von den meisten die Reformation empfunden, die sich gegen die äußeren Formen ohne Inhalt, gegen kirchlich autoritäre Praxis und unbiblische Lehren wandte. Die Predigt der großen Wahrheiten des Neuen Testaments wie Rechtfertigung aus Glauben und Heilsgewißheit, dazu die Möglichkeit das Wort Gottes in der eigenen Muttersprache lesen zu können, brachten viele zum Nachdenken und zur Umkehr, zum echten Glauben an den stellvertretenden Sühnungstod des Heilands und zur Nachfolge Christi. Leider hat sich aber dieselbe Verflachung und das bloße Festhalten an Formen ohne Inhalt erneut und sehr bald eingestellt, so daß die meisten sich zwar noch zum Christentum „bekannten“ und auch heute noch - in abnehmenden Maß - „bekennen“, aber weit davon entfernt sind, den Herrn Jesus Christus, nach dem sie sich nennen und dem sie angeblich „folgen“, als ihren Herrn anzuerkennen. [Sie können es auch nicht, da sie keinen echten Glauben besitzen und damit auch kein „neues Leben“, daß der Heilige Geist bewirkt. Denn „wenn jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Rö 8,9), d.h. er ist kein wahrer Christ im Sinn eines Nachfolgers Christi.]
Da aber jeder genau danach für verantwortlich gehalten und beurteilt wird, was er von sich selbst sagt, wozu er sich bekennt - und sei es nur durch eine vielleicht in seiner frühen Kindheit vollzogene Taufe - und da er verantwortlich ist für das, was er einmal durch das Evangelium gehört hat, muß auch jeder Christ sich danach messen lassen.

Zurück zum Anfang

Die ersten Nachfolger Christi wurden Christen genannt, weil sie wirklich im Bekenntnis ihrer Schuld durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus und die Wahrheit von Ihm und über Ihn errettet waren, den Heiligen Geist und das neue Leben, Leben „aus Gott“ besaßen (vgl. u.a. Joh 1,13; Eph 4,18). Dies gab ihnen die Kraft zu einem Leben in Gemeinschaft mit ihrem Herrn, dem sie von ganzem Herzen gehörten und dem sie aus Liebe und mit Hingabe dienten. Und dies wurde in ihrem Reden und Handeln, in ihrer Gesinnung und Haltung deutlich sichtbar. Sie hatten nicht nur eine „Form der Gottseligkeit“ ohne Kraft, sondern für sie galt: „alles was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt“ (1.Joh 5,4). Das gilt heute noch.
Ein solcher Christ lebt einfach anders als die anderen, er richtet sein Verhalten und seine Gesinnung nach der Heiligen Schrift aus, er möchte seinem Herrn gefallen und für Ihn ein klarer Zeuge sein, auch gegenüber den anderen 90 % „Christen“ in seinem Land.

Sind wir alle solche „wahren“ Christen? Den Namen unseres Herrn zu tragen ist eine Ehre und eine Aufgabe.