17.09.2021 Versammlung / Gemeinde

Gemeinschaftliche Verantwortung

Warum müssen wir uns überhaupt mit Bedingungen für die Gemeinschaft der Versammlung auf der Erde, für die Teilnahme am Brotbrechen usw. beschäftigen? Ist das nicht Sache, die jeder für sich und nach bestem Gewissen entscheiden kann?

 

Nein! Gottes Wort zeigt uns deutlich, dass Gemeinschaft eben nicht allein etwas Persönliches ist, sondern dass wir gemeinschaftlich Verantwortung haben. Warum würde der Apostel sonst an die Korinther schreiben, dass „sie" den Bösen hinaustun mussten (1. Kor 5,13)? Er spricht vom Tisch des Herrn, von der Gemeinschaft des Leibes des Christus, von der Gemeinschaft, die in der Versammlung praktiziert wird (1. Kor 10,16.17). Wir haben also eine gemeinsame Verantwortung, der wir auch aktiv nachkommen müssen.

 

Es stellt sich die Frage, welche Bedingungen Gottes Wort im Neuen Testament nennt. Es sind vier Punkte, die wir dort finden:

  1. Die Person hat sich bekehrt und ist damit erlöst (vgl. 1. Kor 1,2).

  2. Die Person führt einen reinen Lebenswandel, nicht geprägt durch Sünde (vgl. 1. Kor 5,9-13).

  3. Die Person hat Lehrüberzeugungen ohne fundamentalen Irrtum (vgl. 2. Joh 10; Gal 5,9).

  4. Die Person hat keine Gemeinschaft mit solchen, die nicht rein sind in Lebenswandel oder Lehrüberzeugungen (vgl. 2. Joh 10.11).

 

Wie kann man der gemeinschaftlichen Verantwortung nachkommen?

Nun stellen sich manche die Frage: Wie kann man dieser Verantwortung eigentlichin der heutigen Zeit noch nachkommen? Eine Überlegung könnte sein: Man legt grundsätzlich fest, dass man nach diesen Kriterien zusammenkommt und teilt öffentlich mit: „Wir richten uns an Gottes Wort aus und an den Kriterien, die dieses für die praktische Gemeinschaft (zum Beispiel das Brotbrechen) festlegt." Wenn man das dann getan hat, muss man nicht mehr jeden Einzelnen prüfen. Man will ja keine „Polizei" spielen .. Stattdessen kann man die Einhaltung dieser Kriterien in die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen legen. Er ist dafür verantwortlich, dass er sich nach diesen Anordnungen richtet. Darauf vertrauen wir. Und wir vertrauen dem Herrn, dass Er die Dinge gut lenkt und hilft, wenn doch mal etwas passiert, was nicht diesem Wort entspricht.

 

Vermutlich werden die meisten sofort erkennen, dass solch ein Vorgehen unredlich wäre. Zunächst einmal umgeht man gerade damit die gemeinschaftliche Verantwortung. Man sagt, man wäre gemeinschaftlich verantwortlich, aber beschränkt das Ganze in Wirklichkeit auf die persönliche Verantwortung. Zudem würde man so vorgeben, etwas zu tun (gemeinsame Verantwortung zu tragen), ohne entsprechend zu handeln, was man also gar nicht tun möchte. Das wäre Heuchelei.

 

Im Blick auf Christus lesen wir einmal: „Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was ich auch zu euch rede" (Joh 8,25). Nur Er konnte in Absolutheit so sprechen. Allerdings muss auch für uns das Ziel des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens sein, das zu tun, was wir sagen, und das zu sagen, was wir dann auch tun (wollen). Alles andere wäre keine gute Gesinnung und nicht in Übereinstimmung mit Gottes Wort.

 

Wir alle kennen den (wahren) Spruch: Halbe Wahrheiten sind ganze Lügen. Womöglich beruhigt man sich mit dem Gedanken: „Ich habe ja nicht die Unwahrheit gesagt!" Abraham gab zweimal seine Frau als seine Schwester aus. Das war nicht verkehrt. Aber er führte sein Gegenüber in die Irre, denn er verschwieg bewusst die (volle) Wahrheit, nämlich dass sie in erster Linie seine Ehefrau war.

 

Wie wir gesehen haben, machen 1. Korinther 10,17 und 1. Korinther 5,13 unmissverständlich klar, dass wir in der Versammlung Gottes gemeinsame Verantwortung tragen und füreinander „zuständig" sind. Diesen Grundsatz als wahr und notwendig zu nennen, ist richtig, reicht aber nicht aus. Wir müssen ihn auch verwirklichen. Wir wissen, dass Er alles sieht, auch unsere Herzen. Er erwartet von uns, dass wir nach seinem Wort und unserem Bekenntnis handeln.

 

Der Herr sucht Treue im Kleinen wie im Großen, im Herzen wie im Handeln, im Persönlichen wie im Gemeinschaftlichen. Wenn wir am Ort sagen, dass wir einer gemeinschaftlichen Verantwortung nachkommen, müssen wir ihr auch gemeinschaftlich entsprechend nachkommen.