21.04.2021 Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung (Gemeinde) an einem Ort (4)

Lieber Bruder,

der Grundsatz, auf dem innerhalb eines gegebenen örtlichen Bereiches die Versammlung nach der Schrift handelt, ist die Einheit der Gläubigen. Es ist die Versammlung in der Stadt, die Gesamtheit der dort versammelten Heiligen, der aufgetragen wird, den Bösen von sich selbst hinauszutun. Das macht 1. Korinther 5 völlig klar und wird durch Kolosser 4,15-16 bestätigt.

 

In jenen frühen Tagen war es üblicher als heute, sich in Privathäusern zu versammeln. Die Gläubigen versammelten sich in den jeweiligen Häusern, manche hier und manche dort: Das Wort Gottes weist auf diesen Umstand konkret hin. Aber nirgends in der Schrift gibt es einen Hinweis, dass einige in der Stadt aufnahmen oder ausschlossen, die Übrigen dieser Stadt aber nicht.

 

Zuchtausübung ist die Verantwortung der ganzen Versammlung am Ort

Die Schrift ist, wie wir gesehen haben, sorgsam darauf bedacht, zwar das Versammeln der Heiligen in diesem oder jenem Privathaus anzuerkennen, dabei aber von der Versammlung als Ganzes an jenem Ort zu sprechen. Der Apostel macht deutlich, dass die Versammlung daher als Ganzes die Pflicht hat, den alten Sauerteig auszufegen. Niemand hat den abwegigen Gedanken, dass eine zentrale wöchentliche Brüderstunde diese Aufgabe der Zucht (Aufnehmen, Ausschließen) übernimmt. Ihre Aufgabe ist es, auf weise und gottgemäße Weise das gemeinsame Handeln aller Heiligen einer Stadt zu unterstützen.

 

Ob die Heiligen in Korinth sich nun all in einem Raum oder in mehreren zugleich versammelten, sagt der Apostel nicht konkret. Das ist dem Grundsatz nach auch nebensächlich. Vielleicht ist es sogar gefährlich, das eine oder das andere zu behaupten. Zweifellos sollten wir dieses Schweigen akzeptieren. Umso bereitwilliger und gehorsamer sollten wir das Gebot des Herrn ausführen, als der Geist Gottes keine Angaben über diese unwesentliche Unterscheidung macht.

 

Es handelt sich um die Versammlung in Korinth, egal ob die Heiligen sich in mehreren kleineren Räumen versammelten oder in einem einzigen Gebäude, das ausreichend groß war. Wenn aber die Heiligen in mehreren Häusern zusammenkamen, war es nicht das bestimmte Zusammenkommen, das der in Hurerei lebende Mann in der Regel aufsuchte, das allein in Zucht handelte, indem es die befleckte Person hinaustat. Alle Heiligen in Korinth mussten ihn gemeinsam ausschließen. Die Verantwortung lag auf allen Gläubigen in dieser Stadt und nicht nur bei dem Teil der Gläubigen, der unmittelbarer von den Einzelheiten des Falls betroffen war. So ist die Versammlung als Ganzes nach der Schrift vom Herrn dazu berufen und verpflichtet, in seinem Namen zu handeln.

 

Unglaube

Hier ist seit eh und je der Unglaube tätig. Zunächst hat dieser Unglaube das praktische Zeugnis von Christus durch die Versammlung in praktischer Hinsicht verdorben. Nachdem der Unglaube das geschafft hat, leugnet man nun, nach dieser Schriftstelle oder einer beliebigen anderen über die Versammlung überhaupt noch handlungsfähig im Blick auf die Versammlung zu sein. In dieser Zeit des Verfalls gäbe es ja nur noch hier und dort einige, die im Namen Christi versammelt sind. Wir haben es hier auf kirchlichem Gebiet mit dem alte Feind des Zweifels zu tun.

 

Zwei oder drei - in seinem Namen versammelt

Matthäus 18,20 ist die volle und präzise Antwort auf diesen Einwand. Ehe die Versammlung ihren Anfang auf der Erde hatte, entzog Christus in seiner Gnade und Weisheit einer solchen Haltung jede Grundlage. Er übertrug denen die Autorität seiner Gegenwart, die in seinem Namen versammelt sind, selbst wenn es nur noch „zwei oder drei" sind, die auf dieser Grundlage versammelt sind und handeln. Was für eine liebevolle Barmherzigkeit und vorausschauende Fürsorge! Das gilt aber nur dann, wenn die Heiligen in seinem Namen versammelt sind.

 

Diese zwei oder drei besitzen dieselbe Bestätigung des Himmels, als wären alle Heiligen zugegen. Denn selbst in diesem Fall ist nichts mit der Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte zu vergleichen! Diese Gegenwart spricht Er mit derselben Zusicherung den Zweien oder Dreien zu, die in seinem Namen versammelt sind.

 

Es ist von Gott, den Zustand von Verfall und Niedergang zu empfinden und einzugestehen. Es ist jedoch böse und vom Feind, deswegen dem Wort seine Kraft oder praktische Autorität wegzunehmen. Wir brauchen keine äußere Demonstration oder „Organisation", sondern Glaubensgehorsam. Ohne diesen ist alles vergebens.

 

Die Wahrheit des einen Leibes

Wir sollten den Gedanken ganz und gar ablehnen, dass wir die Gegenwart des Herrn auf Kosten seines Wortes oder bei gleichzeitiger Verunehrung seines Geistes irgendwie verwirklichen könnten. Die Bedingung für den verheißenen Segen liegt darin, in seinem Namen versammelt zu sein. Wer sich aber auf einem anderen Grundsatz als dem des einen Leibes Christi versammelt, ist nicht zu seinem Namen hin versammelt.

 

So erkennen wir, dass die gesamte Wahrheit wohl zusammengefügt ist. Wir haben weder einen Freibrief, die Gläubigen zu zerstreuen, noch dafür, gleichgültig zu sein im Blick auf eine Sünde und ihrer Folgen. Diejenigen, die mit der Wahrheit des einen Leibes auf der Erde achtlos umgehen, können nicht die Einheit des Geistes im Band des Friedens bewahren.

 

Die Situation in London

Seitdem es in London mehrere Zusammenkommen gab, war es dort für die Gläubigen die bewährte und unveränderliche Praxis, in Fragen der Versammlung zeitgleich und gemeinsam zu handeln - im Aufnehmen wie im Hinaustun. Wenn ein örtliches Zusammenkommen übereinstimmend jemanden zur Gemeinschaft vorschlagen wollte, wurde das am Samstagabend im zentralen Treffen der Brüder vorgestellt.

 

Wenn niemand einen berechtigten Einwand erhob, wurde der Name auf ein Mitteilungspapier gesetzt, von dem jedes Zusammenkommen in London eine Kopie erhielt. Nach einer gemeinsam vereinbarten Wartezeit von einer Woche wurde die Person aufgenommen, wenn kein Gott gemäßer Grund dagegensprach. Wieder wurde der entsprechende Name zeitgleich allen bekanntgegeben.

 

Korrektur bei Zuchthandlungen

Bis vor kurzem wurden die Fälle, bei denen jemand hinausgetan werden musste, nur einmal genannt. Das hatte zur Folge, dass es nur unzureichend Gelegenheit zu Nachfragen oder Einsprüche gab, selbst für Brüder, die am Samstagabend-Treffen teilnahmen. Für den Großteil der Gläubigen in London gab es eine solche Gelegenheit überhaupt nicht. Dennoch mussten sie an dieser „extremen Handlung" des Ausschlusses gemeinschaftlich teilnehmen.

 

Dieser klare und schädliche Fehler ist nun endlich behoben worden. Da alle dem Hinaustun gemeinschaftlich zustimmen sollen, werden nun alle eine volle Woche vor dem Ausschluss angemessen davon in Kenntnis gesetzt. So können wir mit weniger Hast und mehr Einsicht und Ausgewogenheit die nötigen Schritte ergreifen.

 

Der Grundsatz: die Versammlung in der Stadt

Aber auch bevor diese angemessene Möglichkeit eingeführt wurde, hat kein Zusammenkommen je für sich das Recht beansprucht, unabhängig von der Gesamtheit der Heiligen, die in London zum Namen der Herrn versammelt sind, zu handeln. Der anerkannte Grundsatz war, dass alle, die auf dem Boden der Versammlung Gottes stehen, sich an der Handlung beteiligen. Seine Versammlung in der ganzen Stadt, nicht nur ein Teil von ihr ohne die anderen, die ebenso zum Namen des Herrn versammelt sind, ist vom Herrn dazu berufen, nach seinem Willen zu handeln.

 

Es handelt sich nicht um die Verbesserung einer bestimmten Einzelheit und auch nicht um eine bloße Neuerung, für jedes örtliche Zusammenkommen in London die Berechtigung zu beanspruchen, getrennt von den anderen versammelten Gläubigen aufzunehmen oder auszuschließen. Es ist ein völlig anderer Grundsatz, welcher der Wahrheit der Schrift ebenso wie unserer bisherigen Praxis entgegensteht.

 

Handeln in Unabhängigkeit an einem Ort

Wenn Geschwister voreilig einer so radikalen Änderung zustimmen, ist das nicht weniger als ein totaler Umsturz biblischer Prinzipien. Die Gegenwart der Herrn auf ein örtliches Zusammenkommen einzuschränken, wenn eine Mehrzahl von Zusammenkommen an einem Ort besteht, ist zweifellos weder Glaube noch ein gesundes Verständnis in Bezug auf Matthäus 18 und 1. Korinther 5. Die Gegenwart des Herrn ist gleichermaßen göttlich vorhanden, ob es an einem Ort nur ein Zusammenkommen gibt oder dreißig. Und alle glauben, dass es so ist, „wenn" und „wo" die Heiligen, ob in dieser Stadt zwei oder drei oder auch zwei- oder dreitausend in seinem Namen versammelt sind.

 

Wer unabhängiges kirchliches Handeln jedes örtlichen Zusammenkommens an einem Ort vornimmt, wo es mehrere Zusammenkommen gibt, zerstört die Kraft der Schrift. Denn das Wort legt  die Verantwortung auf die gesamte Versammlung an einem Ort, niemals nur auf einige Zusammenkommen dort. Verantwortlich sind immer alle Heiligen, die zum Namen Christi versammelt sind. Wenn man also unabhängig handelt, leugnet man damit den schriftgemäßen Gedanken der Versammlung in einer Stadt und ersetzt ihn durch die schriftwidrige Idee von mehreren Versammlungen einer Stadt. Das ist Unabhängigkeit, nicht Einheit, menschlicher Wille, nicht aber Gottes Wort. „Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist es zu euch allein gelangt? Wenn jemand meint, ein Prophet zu sein oder geistlich, so erkenne er, dass das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist. Wenn aber jemand unwissend ist, so sei er unwissend" (1. Kor 14,36-38).

 

Es stimmt, dass es über viele Jahre eine gewisse Lockerheit in Bezug darauf gab, welchen Kreis genau das Samstagabend-Treffen in London umfasste. Die Bitte um Hilfe und Gemeinschaft trübte den klaren Blick der Brüder hinsichtlich der Tatsache, dass Croydon, Barking, Buckhurst Hill usw. in keiner Weise Teil von London waren. Und doch war es so, dass alle in London versammelten Heiligen wirklich gemeinsam handelten. Und das war das Entscheidende, auch wenn manche von außerhalb Londons zusammen mit ihnen mithandelten, was über das Geforderte hinausging. Die Zunahme von Einsicht korrigierte diese verhältnismäßig kleine Abweichung. Man überließ es mit Recht den Zusammenkommen außerhalb der Stadt, sich aus diesem gemeinsamen Handeln einer Stadt zurückzuziehen.

 

Der Ryde-, Park-Street-, Ramsgate-Fall

Dann gab es auf einmal ein schmerzliches Vorgehen: Eigenwillig wurde sich in vollkommenem Widerspruch zum vorliegenden Kenntnisstand eingemischt, gestützt von einer Partei, um einige Zusammenkommen in Kent zu einer Handlung zu zwingen. Das geschah ungeachtet der Überzeugung mancher, wenn nicht sogar aller Zusammenkommen, die ebenso rechtmäßig zu London gehörten wie Notting Hill, Finsbury Park oder Clapton. Kein einsichtiger Bruder bezweifelt, dass London kirchlich betrachtet räumliche Grenzen hat, wie das für jeden anderen Ort gilt, denken wir an Rom und Ephesus.

 

Wenn kein Eigenwille am Werk gewesen wäre, hätten die Heiligen keine großen Schwierigkeiten gehabt, in der anstehenden Frage zu einem gesunden Urteil zu kommen. Innerhalb Londons sind die Heiligen, die zum Namen des Herrn versammelt sind, daran gehalten, gemeinschaftlich zu handeln, wie dies nach der Schrift ebenso an jedem anderen Ort der Fall ist.

 

Die wöchentliche Samstagszusammenkunft und das Mitteilungspapier

Zudem hat kein Bruder von Gewicht jemals für das wöchentliche zentrale Treffen oder das Mitteilungspapier in dem Sinn geeifert, als ob diese beiden Mittel, um einmütig zu handeln, Grundsätze darstellten, wie manche es behaupten. Überhaupt nicht! Das gemeinschaftliche Handeln der Versammlung an einem Ort ist der entscheidende Punkt. Und das scheint nach dem Urteil der weisesten und geistlich gesinntesten Brüder, die unter uns waren, sowohl dieses Treffen als auch die Mitteilungspapiere zu erfordern. Auch nach Jahren des Nachsinnens darüber ist von niemandem eine besseres Möglichkeit vorgeschlagen worden. Es gab auch keinen Vorschlag, der nicht in irgendeiner Weise einen göttlichen Grundsatz verletzt hätte

 

Ein Bruder hat vorgeschlagen, den Brüdern in London oder an anderen Orten das mitzuteilen, was jedes örtliche Zusammenkommen bereits getan hat. Ein anderer, der die Einheit Londons eingesteht, würde am liebsten alles dem zentralen Treffen übertragen. Das aber würde aus dem Samstagabendtreffen einen Klerus machen, so dass die Verantwortung der Versammlung geleugnet würde! Die Befürworter von Änderungen stimmen in fast nichts überein, außer darin, dass sie die entscheidende Verantwortung gemeinschaftlichen Handelns der versammelten Heiligen abschaffen wollen. Das aber sind wir Christus schuldig und wird auch in seinem Wort von uns  gefordert.

 

Leider aber gibt es inzwischen aus der Ferne andere Stimmen. Anscheinend muss man auch auf solche hören, die allein Städte kennen, wo es nur ein Zusammenkommen gibt. Solche aber irren sich, wenn sie meinen, ohne weiteres Nachdenken über eine Stadt wie London urteilen zu können. Einer von ihnen spottete über die „Papiereinheit". Andere griffen solche spöttische Bemerkungen schamlos auf. Aber was will uns diese neue Stimme sagen?

 

Words of Faith (Band 2)

Es wundert mich nicht, dass der Herausgeber von „Words of Faith" [Christopher Wolston] sich - wenn auch zurückhaltend - von einem solch frechen und kühnen Widerspruch gegen das wohlbekannte Urteil ihres inzwischen heimgegangenen Führers [John Nelson Darby] distanziert. Genauso wenig ist erstaunlich, dass ein Schreiber [Charles Stanley] für sich in Anspruch nimmt, „einfach erbauen zu wollen, ohne einen Gedanken zu haben, Fragen aufkommen zu lassen" [Band 2, S. 47-52]. Dabei übersieht er, dass seine unüberlegten Gedanken nichts anderes bewirken, als „Fragen aufzuwerfen": Ohne zu leugnen, dass an verschiedenen Orten einer großen Stadt mit einer Vielzahl von Heiligen wie Rom, Jerusalem usw. Brot gebrochen wurde, unterstellt er, dass es dort jeweils doch nur einen Ort gab, den der Herr jeweils bestimmt habe und der von allen anerkannt wurde als Zentrum oder Versammlung, und zwar für alle Verwaltungsangelegenheiten!!

 

Kein peinlicherer Angriff ist je von jemandem, der sich Bruder nennt, gerade auf die Natur, Würde und Verantwortlichkeit der Versammlung Gottes gemacht worden. Niemals zeigte sich eine größere, wenn auch unbewusste Verachtung für die Offenbarung Gottes auf einen Gegenstand, der Christus so wertvoll ist, wobei ich nicht sage, dass er alles in Frage stellt, was wir bisher gelernt, bekannt, geschätzt und wonach wir gehandelt haben.

 

Eine Seite zuvor (S. 49) ist der Schreiber so weit gegangen, von einem einzigen Ort zu sprechen, der als Zusammenkommen der Versammlung anerkannt wurde, und dass alles mit diesem Ort verbunden gewesen sei, sowohl der Dienst (!) als auch die Verwaltungsangelegenheiten. Gott hat durch Kolosser 4,16 dafür gesorgt, diesen verderblichen Unfug zu widerlegen, der auf einem falschen Verständnis von Vers 15 und anderen ähnlichen Fällen beruht.

 

Zwei schädliche Listen Satans

So haben wir es mit zwei schädigenden und zerstörerischen Anstrengungen Satans zu tun. Die eine besteht in einer radikalen Form der Unabhängigkeit, in der die örtliche Verantwortung missbraucht wird, um die wahre Einheit der Versammlung Gottes als gegenwärtige Wirklichkeit umzustoßen. Diese Einheit ist für den Glauben und die Praxis immer bindend, wie sehr die Christenheit auch von der Wahrheit abgewichen sein mag.

 

Aber darüber hinaus gibt es eine Parteibildung, die in unabhängiges Handeln verfallen ist und damit im Widerspruch zu dem eigenen Bekenntnis der Einheit handelt. In verbissener Energie führen sie eine Spaltung herbei. Hinzu kommt, dass einer ihrer nun bekennenden Parteigänger und in der Tat lauten und erbitterten Anwälte versucht, das Handeln der Versammlung an einen Ort in einer großen Stadt zu übergeben „als das Zentrum und Zusammenkommen für alle Verwaltungsangelegenheiten".

 

Wenn man das nicht als die klerikale Form der Unabhängigkeit erkennt, in der die Schrift für die eigenen ehrgeizigen und bösen Absichten verfälscht wird, so wird man sie in der ganzen Christenheit wohl kaum finden. Nicht einmal in kirchlichen Systemen ist je ein ehrgeizigeres Vorhaben unternommen worden, die Gläubigen und sogar ganze Zusammenkommen von ihrer Verantwortung wegzubringen. Was für ein Geist kann am Werk sein, um solche Gedanken hervorzubringen. Jedenfalls nicht der Heilige Geist.

 

Freikirchlich

Manche mögen überrascht sein zu erfahren, was ihnen als Warnung dienen möge, dass eine ähnliche Argumentationsweise von Dr. S. Davidson vertreten wird („Ecclesiastical Polity of the New Testament unfolded"; Kirchliches Organisation, wie sie im Neuen Testament entfaltet wird). Davidson ist vom Boden des Presbyterianismus (bei dem das Presbyterium ein Gruppe von Gemeinden in einer Region leitet) zum Boden der Unabhängigkeit übergegangen.

 

Damit soll nicht behauptet werden, dass diejenigen, die in Wort und Schrift das einzelne Handeln jedes örtlichen Zusammenkommens an einem Ort verfechten, wo es mehrere gibt, ihre Pfeile aus diesem Köcher gezogen hätten. Es ist viel ernster, dass es sich um dieselbe Wurzel des Unglaubens in Bezug auf die existierende Einheit der Versammlung Gottes als Grundlage für ihr heutiges und praktisches Handeln ist. Der freikirchliche Geistliche benutzt die Säulenhalle Salomos auf dieselbe seltsame und falsche Weise und behauptet gleichermaßen, dass damals alle notwendigerweise und buchstäblich zusammen an einem Ort gewesen waren. Er betrügt sich selbst gleichermaßen, als ob die Einheit der Versammlung in solch einem menschengemachten System läge.

 

Kein Wunder, dass man meint, zu Unrecht der Unabhängigkeit bezichtigt zu werden. Das aber wäre nicht so, wenn ein solches unabhängiges Handeln nicht tatsächlich vorhanden wäre. Leider aber ist genau das der Fall, wenn auch natürlich unbewusst.

 

Stets in Christus
dein W.K.

 

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Mit diesem Brief schließen wir die Wiedergabe der Briefe Kellys zu diesem Thema ab. Die anderen Briefe beschäftigen sich mit Details, die der Trennung in London und England von Zusammenkommtn in Gemeinschaft mit J. N. Darby  von anderen Zusammenkommen, die in Gemeinschaft mit W. Kelly standen, zugrund lagen. Diese Einzelheiten sind nicht wirklich erbauend und für viele außenstehende Leser nicht gut nachvollziehbar. Vor allem helfen sie letztlich nicht weiter, den Grundsatz der Einheit, der William Kelly so wichtig war, weiter zu erhellen.