16.04.2021 Jesaja

Der leidende Knecht (1) - Jesaja 52,13 – 53,12

Eine Einführung

Leiden - von der Krippe bis zum Kreuz

Der zentrale Inhalt des Alten und des Neuen Testaments ist die Person Jesus Christus. Dieser kam aus dem Himmel auf die Erde herab, um Gott als Vater zu offenbaren und durch sein Opfer den ewigen Ratschluss Gottes zur Ausführung zu bringen (Joh 1,18; Heb 10,14).

 

Doch der Weg über diese Erde war für den Sohn Gottes mit Leiden verbunden. Sie nahmen ihren Anfang, als Er in Bethlehem als Baby in eine der Krippen gelegt wurde, weil kein Raum für Ihn in der Herberge war (Lk 2,7). Für den verheißenen König hatte man eben keinen anderen Platz als in einem Futtertrog. Auch sein späteres Leben war durch Leiden gekennzeichnet. Den Höhepunkt seiner Leiden stellt das Kreuz von Golgatha am Ende seines Weges dar, an dem Er zum Wohlgefallen des Vaters und zu unserer Erlösung sein Leben in den Tod gab.

 

Von diesen Leiden zeugen viele der alttestamentlichen Bibelbücher (vgl. Lk 24,46; 1. Pet 1,11). Besonders das Kapitel 53 aus dem Propheten Jesaja, das einen gewissen Höhepunkt im Alten Testament darstellt, weissagt darüber.

 

Die vier großen Weissagungen über den Messias in Jesaja

Jesaja teilt uns in diesem Teil des Buches vier große Weissagungen über den verheißenen Messias mit. In der ersten beschreibt Jesaja Ihn als den auserwählten Knecht, an dem Gott sein Wohlgefallen hat (Jes 42,1-4; vgl. Mt 3,17). Die zweite beschreibt Ihn als den verworfenen (Jes 49,1-6), die dritte als den gehorsamen und abhängigen (Jes 50,4-9) und die vierte als den einsichtigen und leidenden Knecht (Jes 52,13 - 53,12).

 

In dieser letzten und vierten großen Weissagung zeigt Jesaja zwei Arten von Leiden auf, die dem Messias begegnen würden:

 

  • Einmal sind es die Misshandlungen, die er von Seiten der Menschen erlitt (Jes 53,7).

 

  • Andererseits bezieht sich der Prophet auf die sühnenden Leiden, die Christus in den drei Stunden der Finsternis unter der Hand Gottes erduldete (Jes 53,5.6.10.12b).

 

Die Gliederung der vierten großen Weissagung

Diese zu Herzen gehende Weissagung teilt sich in fünf Strophen mit je drei Versen auf. Sie bildet gewissermaßen einen Dialog zwischen dem zukünftigen gläubigen Überrest und Gott. Den Messias selbst, den Herr Jesus, hören wir nicht. Er schweigt in diesem Dialog.

 

Die Gliederung der fünf Strophen:

 

  • Die erste Strophe spricht prophetisch über den einsichtigen Knecht Jesus Christus, der hoch erhöht werden wird (Kap. 52,13-15). Hier ist Gott der Redende.

 

  • Die zweite Strophe beschreibt die Leiden und Verachtung des Messias von Seiten des Volkes Israel (Kap. 53,1-3). In dieser Strophe spricht mit Ausnahme vom ersten Vers der zukünftige gläubige Überrest aus Israel.

 

  • Die dritten Strophe hat die Buße und Umkehr des Überrestes zum Inhalt (Kap. 53,4-6). Auch in dieser Strophe spricht der Überrest.

 

  • In der vierten Strophe sehen wir den Messias als das Lamm Gottes (Kap. 53,7-8). Hier ist wieder Gott der Redende.

 

  • In der fünften und letzten Strophe wird der Ratschluss Gottes genannt und die gesegneten Folgen des Werkes des Herrn Jesus (Jes 53,10-12). Hier spricht zunächst der Überrest (Vers 10-11a), dann wieder Gott (Vers 11b-12).

 

Der Überrest wird den Messias einmal anerkennen

In diesem Dialog erkennen wir, dass ein Überrest aus Israel in Zukunft den Herrn Jesus bei seiner Erscheinung im Glauben annehmen wird. Sie werden sich mit dem Versagen des damaligen Volkes Israels völlig einsmachen und anerkennen, dass ihre Vorfahren den Sohn Gottes, den Messias, verworfen haben. Darüber werden sie Leid tragen und zu Buße und Umkehr kommen.

 

Die damit verbundene innere Beugung und Wehklage, die der Überrest bei der Erscheinung Jesus ausdrücken wird, kommt in den Worten des Propheten Sacharja zum Ausdruck: „Und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen gleich der Wehklage über den einzige Sohn und bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich über den Erstgeborenen Leid trägt" (Kap. 12,10; vgl. Sach 13,6).

 

Um unserer Übertretungen willen ...

Zum Zeitpunkt der Erscheinung des Herrn Jesus werden sie zur Erkenntnis gekommen sein, dass der Messias wegen ihrer Übertretungen willen unsagbar schwer leiden und um ihrer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen werden musste (Jes 53,5.6.8c.), während sie ihre eigenen Wege gingen und wie Schafe umherirrten (Jes 53,6).

 

Aber nun dürfen sie sich auf das Opfer des Herrn Jesus stützen und im Glauben darauf vertrauen, dass dieser sie bei seiner Erscheinung von ihrer Schuld und Sünde erretten und sie in das Tausendjährige Friedensreich einführen wird. Dort werden sie einen nie gekannten Segen erfahren.

 

... auch zu unserem Frieden

Wenn die Worte von Jesaja 53 sich in erster Linie auf die Übertretungen und Ungerechtigkeiten Israels beziehen, dürfen wir diese Verse auch auf uns anwenden. Denn der Herr Jesus hat auch die Strafe zu unserem Frieden auf Golgatha getragen. Auch für unsere Sünden ist Er von Gott geschlagen worden (1. Pet 2,24). Das wollen wir nie vergessen.