22.03.2021 Apostelgeschichte | Versammlung / Gemeinde

Gedankensplitter (16) zum Anfang der Versammlung auf der Erde (Apg 2)

In den Versen 44 und 45 lesen wir nun: „Alle aber, die glaubten, waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Besitztümer und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer irgend Bedarf hatte."

 

Nach außen hatten die Gläubigen also ein gutes Zeugnis. Nach innen pflegten sie praktische, intensive Gemeinschaft. Dieses Miteinander ging bei ihnen so weit, dass sie sogar alles miteinander teilten.

 

Das Band der Einheit

Es ist außerordentlich erstaunlich, was wir hier lesen. Offensichtlich gab es ein Band der Einheit in diesen Tagen unter den Judenchristen, wie wir es kein zweites Mal in der Schrift finden. So etwas gab es zu keiner Zeit im Alten Testament, weder unter Israeliten oder später bei den Juden, ebenfalls nicht inmitten der Nationen. Und auch im Neuen Testament finden wir derartige Zustände nicht wieder.

 

Offenbar waren so etwas gerade unter Christen, die aus dem Judentum stammten, möglich. Wir sehen hier, dass Gott selbst ein solches Verhalten in dieser ersten Stunde bewirkt hatte. Die Gläubigen erhoben sich durch das Band der Liebe über die Selbstsucht der Natur des Menschen.

 

Natürlich finden wir später auch unter Gläubigen aus den Nationen diese wunderbare Liebe, die bereitwillig für andere gab (2. Kor 8,1-5). Und doch war es anders als in diesen ersten Tagen, wo alle beisammen waren und alles gemeinsam hatten. Diese intensive Form der Gemeinschaft, für die Lukas auch einen ganz besonderen griechischen Ausdruck verwendet (epi to auto), war die herrliche Frucht der Wirkung des Geistes Gottes in der ersten Frische von Kraft und Liebe.

 

Keine Ermahnung, sondern Tätigkeit der Liebe

Die Gläubigen handelten nicht aufgrund irgendeines Wortes oder einer Aufforderung in dieser Weise. Das war kein Gehorsam, sondern der Ausfluss tätiger Liebe. Die nächsten Verse zeigen, dass Gott diese wunderbare Aktivitäten in einer Übergangszeit bewirkt hat, die allerdings nur von sehr kurzer Dauer war. Sie sollte, auch was andere Kennzeichen betrifft (V. 46a), nur in dieser „jüdischen" christlichen Zeit vorhanden sein. Gleichwohl war es eine herrliche Zeit.

 

Dass wir uns zu so etwas nicht gegenseitig ermuntern und ermahnen sollen, wird dadurch deutlich, dass wir entsprechende Aufforderungen in den neutestamentlichen Briefen vergeblich suchen. Im Gegenteil, dort ist wiederholt von Armen und Reichen die Rede, die jeweils ermahnt werden, nicht aber dazu, eine äußerliche Gleichheit zu bewirken (auch nicht in 2. Kor 8,14). Sozialismus, wie wir ihn aus der heutigen Zeit kennen, war den Gläubigen fremd.

 

Zerbrechliche Liebe - für eine kurze Zeit!

Diese Liebe ist außerordentlich zerbrechlich gewesen (vgl. auch Ananias und Sapphira in Apg 5). Das sieht man daran, dass beispielsweise die Korinther sicher aus dem Gedanken heraus, in ähnlicher Weise miteinander zu teilen, dem Gedächtnismahl ein Liebesmahl vorschalteten. Zweifellos waren es die Wohlhabenderen, die zunächst Nahrung und Getränke für alle mitbrachten. Nach und nach aber entartete dieses Zusammensein. Wir lesen, dass sich die Reicheren sogar betranken, die Ärmeren aber hungrig blieben.

 

Die Antwort des Geistes Gottes durch den Apostel auf diesen Zustand war nicht nur eine Ermahnung, obwohl er diese aussprach. Er untersagte sogar das gemeinsame Liebesmahl in Verbindung mit dem Gedächtnismahl.

 

Wir sehen also, dass wir nicht nur nicht von solchen Anfangsumständen „träumen" sollten. Wir sollten sie weder herbeibeten noch herbeisehnen. Natürlich freuen wir uns auf den Himmel, oder nicht?, wo wir völlig frei von dieser Art von sozialen Unterschieden sein werden. Dort wird Christus seine Freude und Herrlichkeit mit uns teilen. Aber hier auf dieser Erde werden diese Unterschiede bestehen bleiben, bis an unser Lebensende.

 

Es ist im Übrigen kein Zeichen von fleischlicher Haltung, wenn man nicht alles miteinander teilt. Gott wusste um die Gefahren und hat daher vorgesehen und vorausgesehen, dass dieses wunderbare Zeugnis der Einheit (wie auch die Wunder und Zeichen durch die Apostel) der ersten Zeit vorbehalten sein sollten.

 

Starke Liebe

Gleichwohl wollen wir erstaunt zur Kenntnis nehmen, wie weit die Liebe damals ging. Die Gläubigen verkauften ihre Äcker, Häuser und Besitztümer. Alles, was anderen nützlich sein konnte, wurde diesen zuteil. Man verschenkte allen alles von Herzen.

 

Zudem wurden die Verkaufserlöse dafür verwendet, die Bedürfnisse der Gläubigen zu Stilen. Wunderbare Anfangszeit, die offenbarte, was die Kraft Gottes in Gläubigen bewirken kann. Wir schauen dankbar zurück, nicht voller Romantik!

 

Uns bleibt auch heute die Liebe als Band zwischen den Gläubigen. Liebe ist nicht alles, bei weitem nicht! Aber ohne diese Liebe ist alles nichts! Sie ist das Band der Vollkommenheit (Kol 3,14), was unser Miteinander prägen soll. Wenn wir jemand Mangel leiden sehen, wird die Liebe in den Gläubigen aktiv (1. Joh 3,16.17). Wie schön, wenn sie heute aktiv wird. Aber nicht nur das: Zu dieser Liebesaktivierung werden wir heute ausdrücklich ermahnt und aufgefordert.