17.02.2021 Apostelgeschichte | Versammlung / Gemeinde

Gedankensplitter (15) zum Anfang der Versammlung auf der Erde (Apg 2)

Wie kann man das in einer Weise unterscheiden, die nicht einfach subjektivem Empfinden geschuldet, sondern objektiv nachvollziehbar ist? Indem man genau betrachtet, welche dieser Punkt in den Lehrbriefen aufgegriffen werden. Wenn die Apostel im Neuen Testament deutlich machen, dass bestimmte Verhaltensweisen zum christlichen Glauben und Leben gehören, haben sie allgemeine Gültigkeit für uns. Andere Punkte können in Erweckungszeiten durchaus ihren Platz haben. Aber Gott ordnet sie aus auch für uns oft gut nachvollziehbaren Gründen nicht für die christliche Zeitepoche an.

 

Im Bibeltext heißt es in Apostelgeschichte 2: „Über jede Seele aber kam Furcht, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel" (V. 43).

 

 

Die ersten Christen waren also durch die Lehre der Apostel und die Gemeinschaft, durch das Brechen des Brotes und durch gemeinschaftliche Gebete geprägt. Nun sehen wir, dass ihr Verhalten direkte Auswirkungen hatte auch auf andere. Zugleich begleitete sie Gott in dieser Zeit durch sein mächtiges Wirken.

 

Furcht

Was die Beziehung der Gläubigen nach außen betrifft, „kam über jede Seele Furcht". „Jede Seele" kann sich sowohl auf alle Gläubigen und Ungläubigen zusammen oder nur auf die Ungläubigen beziehen. Wie ist dieser Ausdruck an dieser Stelle zu verstehen?

 

Da auch der zweite Satzteil als Zielrichtung besonders die die Ungläubigen hat, ist es naheliegend, auch bei der Furcht in erster Linie an Ungläubige zu denken. Hinzu kommt, dass die Gläubigen zwar Ehrfurcht hatten vor Gott, dass sie aber in dieser Situation, wie wir weiter sehen werden, vor allem durch Freude geprägt waren, nicht durch Furcht.

 

Der Eindruck auf Ungläubige

Die Ungläubigen empfanden sofort, dass hier etwas geschah, was außergewöhnlich war. Die Gläubigen strahlten etwas aus, das die Ungläubigen nicht besaßen. Da war eine moralische und geistliche Kraft wirksam, die über das hinausging, was Menschen bislang erlebt hatten.

 

So gab es eine klare Trennungslinie zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Die einen waren durch Einheit, Gemeinschaft und ein wunderbares Miteinander gekennzeichnet. Sie hatten ein gemeinsames Lebensziel, eine lebendige Hoffnung, einen gemeinsamen Herrn und Gott. Ihr ganzes Wesen und Miteinander war total verändert.

 

Die anderen dagegen waren wie immer. Sie bildeten keine homogene Gruppe, sondern hatten als gemeinsame „Basis" nur den fehlenden Glauben an Jesus Christus. Sie merkten, dass Gott wirkte, ohne dessen Kraft erlebt zu haben. So hatten sie Furcht vor denen, die etwas besaßen, was sie nicht einordnen konnten.

 

Gnade kann beängstigend sein

Ungläubige Menschen können weder die Gnade verstehen, die damals in besonderer Weise durch die Apostel und inmitten der Gläubigen wirksam war, noch die Macht Gottes, die dort offensichtlich tätig war. Vor beidem haben sie Angst.

 

Ungläubige haben Angst vor der Gnade, denn das bedeutet, dass sie hilfsbedürftig sind. Und das wollen sie nicht anerkennen. Aber auch die Macht flößt ihnen Furcht ein, denn sie wissen nicht, wie sie die Macht Gottes durch Menschen einschätzen sollen.

 

Die Trennlinie zwischen Gläubigen und Ungläubigen

Warum ist die Trennlinie heute so verblasst? Warum gibt es heute so wenig Furcht inmitten der ungläubigen Menschen, was ihre Beziehung zu Gläubigen betrifft? Das liegt nicht an den fehlenden Wundern, von denen Lukas jetzt weiter schreibt. Es liegt daran, dass wir so wenig durch göttliche Gnade und wahre Einheit geprägt sind.

 

Wenn die Gnade von uns mehr genossen würde, würden wir auch mehr geistliche Kraft besitzen. Dann würden die Menschen an uns etwas von göttlicher Herrlichkeit sehen, auch in Tagen des Niedergangs. Deshalb sollten wir uns mehr darauf zurückbesinnen, dass wir keine Kraft in uns selbst besitzen, aber dieselbe Gnade, die damals vorhanden war, auch uns erfüllen kann. Nicht wir sondern Christus, nicht unser Handeln sondern Gottes Handeln: Das sollte uns prägen.

 

Wunder und Zeichen

Der nächste Punkt ist ein Beispiel dafür, dass es hier um eine Übergangszeit geht. Gott wirkte durch die Apostel Wunder und Zeichen. Davon hat der Herr schon zu den Jüngern gesprochen (Mk 16,17.18). Hier in unserem Kapitel finden wir ein Beispiel dafür, wie der Herr in dieser außergewöhnlichen Weise tätig wurde.

 

Von dem Sprachenreden hatten wir schon im früheren Teil des Kapitels gelesen. Hier werden nun Wunder und Zeichen erwähnt. Offensichtlich haben besonders die Apostel (2. Kor 12,12) Kranke geheilt, Tote auferweckt und vielen Schwachen in wunderbarer Weise geholfen. In unserem Vers wird das bestätigt.

 

Lukas zeigt, dass es sich aber nicht nur um Wunder handelte, sondern auch um Zeichen, die auf Gott und das zukünftige Zeitalter hinwiesen (Heb 6,5). Sie offenbarten, dass diese ganz neue „Bewegung" nicht zufällig entstanden war. Nein, Gott selbst stand hinter der Szene und wirkte. Als zeigte auf Ihn hin.

 

Für heute

Wir haben es heute nicht mit Zeichen und Wundern zu tun, die von Menschen vollbracht werden. Diese Machterweisungen gehören zum zukünftigen Zeitalter. Wir haben in diesem Sinn auch nichts Wunderbares zu erwarten, wie manchen zuweilen eingeredet wird. Wir leben am Ende der christlichen Zeit, die durch Niedergang und Verfall geprägt ist.

 

Was aber im Kleinen nach wie vor möglich ist, da, wo wir uns der Gnade Gottes aussetzen, ist geistliche Entschiedenheit und damit moralische Kraft im täglichen Glaubensleben. Das wird nicht unerkannt bleiben, da ungläubige Menschen uns beobachten. In diesem Sinn kann auch unser persönliches Leben, das Familienleben und das örtliche Versammlungsleben durchaus noch heute dazu beitragen, dass in unserem engeren Umfeld Furcht über Menschen kommt. Hoffentlich nicht dadurch, dass wir gottlos oder weltförmig leben! Denn auch Gottes züchtigende Hand kann Furcht auslösen.