25.01.2021 Dienst

Im Mittelpunkt stehen

Aber das ist kein neues Phänomen. Wir kennen es aus dem Alten und auch aus dem Neuen Testament. Das heißt, es bedarf nicht moderner Medien, um dieser Gefahr zu erliegen. Aber die modernen Medien erleichtern diesen Hang unseres sündigen Fleisches.

 

Sucht nach Anerkennung

Wer steht nicht in der Gefahr, dieser Sucht nach Anerkennung zu erliegen? Wer begabt ist, muss aufpassen, dass er sich - im geistlichen Bereich - nicht durch seine Arbeit ein Denkmal errichten möchte. Das haben sogar Ungläubige im Alten Testament getan.

 

Saul und sein Denkmal

Von Saul lesen wir: „Und es wurde Samuel berichtet und gesagt: Saul ist nach Karmel gekommen; und siehe, er hat sich ein Denkmal errichtet, und er hat sich gewandt und ist weitergegangen und nach Gilgal hinabgezogen" (1. Sam 15,12).

 

Saul war ein Ungläubiger, wie das Urteil Gottes im Buch der Chronika deutlich macht. Aber er war der König im Volk Gottes, im Volk Israel. Und was hat er versucht? Sich ein Denkmal zu errichten. Das Besondere: Er verbindet das mit einem scheinbar geistlichen Weg, dem nach Gilgal.

 

Selbstsucht in Verbindung mit Gilgal?

Im Buch Josua war das Volk Israel immer wieder nach Gilgal gegangen. Das ist der Ort, der geistlicherweise für das persönliche Selbstgericht steht. Das hört sich gut an. So kann man heute auch auf die Kraft des Herrn verweisen, auf seine Führung, dass Christus sichtbar werden soll. Aber man meint eigentlich, etwas verschleiert: in mir. Man stellt sich somit zugleich in den Mittelpunkt. Eine solch verbrämte Aussage ist: Der Herr schenkte, bewirkte, öffnete die Tür, dass ich ... So steht der Herr im Mittelpunkt, und der facto bin doch ich selbst, der geehrt wird.

 

Gottes Urteil sehen wir darin, wie Saul zu Ende kommt. Daher wollen wir uns warnen lassen. Wir, die wir in der Öffentlichkeit stehen, genauso wie alle anderen. Nicht, was wir sagen, ist Wirklichkeit, sondern was wir tun. Nicht was wir bezeugen, sondern das, was wir in der Realität für andere sind. Nicht das, was wir scheinen, sondern das, was in unseren Herzen los ist.

 

Sehen die Leser, Zuhörer, Zuschauer usw. in uns Christus, werden sie auf den Herrn hingewiesen (ich meine nicht nur mit Worten), oder zeigt uns Finger letztlich auf uns? Sind wir im Bild, machen wir uns und unsere Arbeit groß?

 

Absalom

Von Absalom lesen wir später: „Absalom aber hatte zu seinen Lebzeiten eine Denksäule genommen und sich aufgerichtet, die im Königstal steht; denn er sprach: Ich habe keinen Sohn, der meinen Namen in Erinnerung halten wird. Und er hatte die Denksäule nach seinem Namen genannt; und man nennt sie das Denkmal Absaloms bis auf diesen Tag" (2. Sam 18,18).

 

Vielleicht hat man Angst, dass das eigene Werk nicht ausreichend gewürdigt wird. Man hat niemand, der in diese Arbeit eintritt, wie das beim kinderlosen Absalom der Fall war. Dann macht man sich eine Denksäule, ein Denkmal. Aber es ist ein Denkmal für mich, nicht zur Ehre des Herrn.

 

Hinter wem sammeln wir - wirklich?

So kündigt auch der Apostel Paulus Arbeiter im christlichen Bereich an: „Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her" (Apg 20,30).

 

Sammeln wir hinter uns oder hinter dem Herrn? Versammeln wir um uns, oder mit anderen um den Herrn? Suchen wir das Miteinander mit den Gläubigen, die den Herrn anrufen wollen aus reinem Herzen, oder versuchen wir, unsere Überzeugungen durchzusetzen, und wenn das nicht möglich ist, sondern wir uns ab, um hinter uns herzuziehen?

 

Warnende Beispiele - auch im Blick auf das Versammeln

Saul, Absalom und diese Männer sind warnende Beispiele für uns alle. Nochmal: Jeder steht in Gefahr, sich in den Mittelpunkt zu stellen, jeder, der ein bisschen „mehr" Selbstbewusstsein hat als andere. Sind wir solche, die auch praktisch verwirklichen, mit Christus gestorben zu sein, oder ist uns unser Ego wichtig?

 

In dieser Welt, auch der christlichen, zählt das Ich. Mit einem starken Ich setzt man sich durch, wird man bekannt, macht man sich bekannt und einen Namen. Im Reich Gottes aber zählen die, die Christus einen Namen machen - nicht nur mit Worten, sondern durch Worte und Taten.

 

Christus - das Vorbild

Es gibt niemand, der ein größeres Vorbild ist als Christus selbst. Er ist der Große, aber Er war von Herzen demütig. Er hätte vieles zu seiner eigenen Ehre tun können. Er ist Gott! Aber alles, was Er tat, hatte das eine Ziel: Gott und Ihn allein zu verherrlichen. Diesem Beispiel sollten wir nacheifern.