18.01.2021 Persönlicher Glaube

Die Bibel – ihre Entstehung und Überlieferung (7) - Wurde das Alte Testament zuverlässig überliefert? (2)

Eine Kopie kommt in den Umlauf

Wurde eine Buchrolle nach den Regeln damaliger Vorgaben fehlerfrei abgeschrieben und auch nach gründlicher Prüfung „freigegeben", betrachtete man diese als genauso authentisch wie die Vorlage. Oft war sie sogar wertvoller, da sie weniger Gebrauchsspuren aufwies. Mit der neuen Buchrolle wich dann die alte, die daraufhin in den Abstellraum (Geniza) der jeweiligen Synagoge gelegt wurde. Dort lag sie solange, bis sie eines Tages nach jüdischer Vorschrift zeremoniell vergraben wurde.

 

So ist es zu erklären, dass es heute vergleichsweise weniger Handschriften des Alten Testaments gibt als des Neuen. Das aber braucht uns nicht zu verunsichern. Denn hierbei ist zunächst nicht die Menge der Handschriften entscheidend, sondern die Qualität der Abschrift.

 

Die Masoreten

Nun gab es in der Geschichte der Überlieferung eine spätere Phase der Überlieferung, die sich von ca. 700 n. Chr. - 1000 n. Chr. erstreckte. Diese Periode war durch die Arbeit der Masoreten (hebr. „Überlieferer") gekennzeichnet.

 

Diese Masoreten waren jüdische Gelehrte (Rabbiner), die sich ebenfalls überaus gewissenhaft mit den heiligen Texten beschäftigten, um diese zu kopieren. Ihre Abschriften wurden anhand von Wort und Buchstabenzählung ebenfalls streng kontrolliert. Doch ihre Hauptarbeit bestand darin, die Aussprache des Textes eindeutig festzulegen.

 

Das Festlegen der Aussprache

Der überlieferte Text war jedoch ein Konsonantentext (Mitlauttext), der keine Vokale (Selbstlaute) aufwies. Für diejenigen, die der althebräischen Sprache mächtig waren, stellte es keine Schwierigkeit dar, die Vokale beim Lesen des Textes selbst hinzuzufügen. Es war sozusagen eine Selbstverständlichkeit.

 

Doch allgemein verstanden viele der Juden das Althebräische nicht mehr, sodass sie nicht mehr wussten, wie der ursprüngliche Text auszusprechen war. Aus diesem Grund fügten die Masoreten dem Konsonantentext Punkte und Striche über oder unter den jeweiligen Konsonanten hinzu, um so die fehlenden Vokale und Akzente zu bezeichnen. Damit wurde die Aussprache und der Sinn des Textes ein für allemal eindeutig festgelegt. Zudem teilten die Masoreten den Alttestamentlichen Text in Abschnitte ein.

 

Die Hauptvertreter der Masoreten waren die Schriftgelehrten Ben Ascher und Ben Naftali sowie ihre Nachkommen. Es sind ihre Handschriften, die heute die Basis zu unserem Text des Alten Testaments bilden.

 

Der masoretische Text als Grundlage

Der älteste und heute noch existierende Codex (Buch), der das ganze Alte Testament enthält, ist der Codex Leningradensis. Dieser enthält den gesamten masoretischen Text aus dem Jahr 1008 n. Chr.

 

Auf dieser Handschrift basiert die bekannte wissenschaftliche Ausgabe des hebräischen Testamentes, die Biblia Hebraica Stuttgartensia (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft), die wiederum für viele die Grundlage zur Übersetzung des Alten Testaments ins Deutsche und anderen Sprachen bildet.

 

Fazit

Der Geschichte der Überlieferung dürfen wir entnehmen, dass jene Abschreiber überaus gewissenhaft ein Abschreibsystem nutzten, dass ein hohes Maß an Qualität mit sich brachte.

 

Das bestätigt auch der masoretische Text aus dem Ende des ersten Jahrtausends nach Christus, der in bewundernswerter Weise mit den gefundenen Handschriften aus Qumran übereinstimmt, die aus der Zeit um 200 v. Chr. stammen.

 

So dürfen wir annehmen, dass Gott sein Wort über Jahrtausende hinweg treu überliefern ließ und wir heute die Bibeltexte haben, die Gott damals einem Mose und vielen anderen Schreibern eingegeben hatte.