21.12.2020 Versammlung / Gemeinde

Wenn der Staat die Kirche lobt ...

Vor einiger Zeit hat die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) ihre diesjährige Synodentagung virtuell durchgeführt. Da gab es auch ein Grußwort des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Darin lobte er die Rolle der Kirchen und sagte, sie hätten sich in der Pandemie „umsichtig und verantwortlich" gezeigt.

 

Gemeint hat der Bundespräsident, dass die Kirchen ihre Türen zugemacht haben und so ihren Beitrag geleistet haben, dass sich das Virus nach Meinung von Steinmeier nicht weiter ausgebreitet hätte, sondern Menschen vor dem Tod bewahrt worden wären.

 

Wie ist das für uns Christen zu bewerten? Ist ein solches Lob dankbar anzunehmen, oder stellt es ein Alarmzeichen dar? Die Antwort ist so ganz einfach nicht ...

 

 

Zwei Seiten

Einerseits denken wir an Sprüche 16,7: „Wenn die Wege eines Mannes dem Herrn wohlgefallen, so lässt er sogar seine Feinde mit ihm in Frieden sein." Nun würden wir weder den Bundespräsidenten noch die Regierungen als unsere Feinde bezeichnen. Aber Gott ist gnädig, wenn Er uns Frieden in dieser Hinsicht schenkt. Sollen wir dafür nicht auch beten (1. Tim  2,1.2)?

 

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, dass die Regierungen zu dem System dieser Welt gehören, das unter der Herrschaft des Teufels steht (Joh 16,11; Eph 2,2). Und der Herr Jesus hat seinen Jüngern und durch sie auch uns gesagt: „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieb haben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt. Erinnert euch an das Wort, das ich euch gesagt habe: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten" (Joh 15,18-20).

 

Vor diesem Hintergrund ist ein solches Lob sicherlich eine vergiftete Anerkennung. Natürlich mag man glauben, dass die Anordnungen der Regierung doch das Gute wollten. So wären doch viele Menschen geschützt worden. Etwas anderes sollten wir den Regierungen auch keineswegs unterstellen!

 

 

Die Zeit der Schriften des Neuen Testaments

Aber einem Gläubigen geht das Wort des Herrn vor allem anderen. Und wenn man bedenkt, dass das Matthäusevangelium wahrscheinlich in der Zeit von 60-70 n. Chr. geschrieben wurde, gibt uns das zu denken. Gerade in diesem Evangelium lesen wir: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte" (Mt 18,20). Und gerade in dieser Zeit regierte Nero ... Und um 57 n. Chr. schrieb Paulus den 1. Korintherbrief mit dem Wort des Herrn: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (1. Kor 11,24.25).

 

Christen handeln besonnen und nüchtern. Sie versuchen keineswegs, sich Menschen oder Regierungen zu Feinden zu machen. Wo sie können, nehmen sie Rücksicht auf die Gefühle und Gedanken der Menschen (1. Kor 9,19.22). Aber sie wollen kein Lob von Menschen, sondern das Lob des Herrn. Sie versuchen nicht, die Erwartungen von Menschen zu erfüllen, sondern Gott zu verherrlichen. Das führt in den meisten Fällen dazu, dass sie von Menschen nicht verstanden werden können.

 

Der Herr muss den ersten Platz haben

Wie könnten auch ungläubige Menschen oder Regierungen verstehen, was der Herr zu seinen Jüngern sagte: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein" (Lk 14,26.27).

 

Hier spricht der Herr von unseren Beziehungen in der Familie und Verwandtschaft sowie von unserer Beziehung zur Welt (Kreuz). In allem muss Er den ersten Platz und den Vorrang haben.