27.11.2020 Schöpfung | Persönlicher Glaube

Hört auf die Wissenschaft!?

Vor einiger Zeit begegnete mir dieses Schlagwort in einem Kommentar einer überregionalen Tageszeitung. Dort wurde darauf hingewiesen, dass der (vermutlich) nächste Präsident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, zusammen mit seiner Vizepräsidentin Kamala Harris diese Aufforderung dem ersten Aktionsplan der neuen Regierung vorangestellt haben.

 

Sowohl von dem Kommentator als auch von vielen anderen wird dabei suggeriert, dass jeder, der sich nicht der führenden Meinung anschließt, folglich automatisch wissenschaftsfeindlich sein muss. Das hören wir in der heutigen Zeit oft. Vor allem aber begegnet uns dieser Vorwurf in Debatten um das Thema „Schöpfung und Evolution". Angeblich bewegt man sich, wenn man an Gott als Schöpfer glaubt, auf einem Weg, der im Widerspruch zur Wissenschaft stünde.

 

Nun muss man zugeben, dass es sowohl in aktuellen Debatten wie auch bei vielen anderen Themen, zu denen die Schöpfungsdiskussion und der Klimawandel gehören, tatsächlich solche gibt, die wissenschaftlich gewonnene Daten bewusst ignorieren wollen. Nur darf man nicht die Augen davor verschließen, dass nicht das Wissenschaft ist, was am lautesten und hörbarsten schreit. Natürlich ist die Erde keine Scheibe. Und natürlich gibt es einen Klimawandel (aber gab es den nicht schon immer seit der Flut, 1. Mo 7)?

 

Absurde und törichte Auffassungen werden manchen zu Unrecht in die Schuhe geschoben, wie auch heute jeder in Gefahr steht, Verschwörungstheoretiker zu sein, der nicht der herrschenden Meinung anhängt.

 

Tatsächlich zeigt das Thema „Schöpfung" sehr gut, dass Wahrheit kein Ergebnis demokratischer Prozesse ist und schon gar kein Synonym für Mehrheitsmeinung. Natürlich ist die Bibel kein wissenschaftliches Buch. Aber das, was in der Bibel steht, hat noch jeder wissenschaftlich fundierten Beobachtung und Erkenntnis standgehalten. Nicht immer hat man das sofort erkannt (siehe das Beispiel des Hasen als Wiederkäuer, von dem schon Mose berichtet, 3. Mo 11,6). Aber früher oder später hat sich immer herausgestellt, dass Gottes Wort wahr ist, und zwar in jeder Einzelheit.

 

Der Herr Jesus sagt in einem seiner Gebete zum Vater: „Dein Wort ist Wahrheit" (Joh 17,17). Darauf können wir uns verlassen! Dieses Wort ist für uns der Maßstab, an dem wir nicht nur unser eigenes Leben messen sollten, sondern auch jede Meinung, die auf uns zukommt.

 

Aber es ist schon recht, auf die Wissenschaft zu hören. Das Problem ist nur zuweilen, dass Beobachtungen in der Natur (das ist ja auch das, was aktuell viele beschäftigt) interpretiert werden müssen. Die Frage ist dann, ob mein Weltbild oder meine Einstellung und Vorüberzeugung womöglich dazu beitragen, dass meine Interpretation (!) der Daten falsch ist. Dann mag, wenn man mal von Versuchs- und Modellfehlern absieht, die wissenschaftliche Beobachtung an sich richtig sein. Aber durch eine fehlgeleitete Interpretation gebe ich vor, dass jemand, der meine Auslegung nicht teilt, unwissenschaftlich sein muss. Womöglich habe ich mich aber selbst unwissenschaftlich verhalten. Das zu erkennen erfordert aber eine kritische Distanz zu sich selbst.

 

Nicht bei jeder Frage ist es leicht, eine direkte Antwort aus Gottes Wort zu erhalten. Wenn es um die Schöpfung geht, ist das nicht schwierig. Schon von Abraham wird gesagt: „Denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist" (Heb 11,10).

 

Wenn die Dinge aber nicht so evident sind, und das trifft vermutlich auf sehr viele Punkte zu, ist es weise, ein stückweit Demut zu üben bei einer eigenen Interpretation von Beobachtungen. Und das trifft auf uns alle zu, gerade auch in der heutigen Zeit. Nicht derjenige muss falsch liegen, der sich der herrschenden Meinung angeschlossen hat. Nicht derjenige muss falsch liegen, der sich der Meinung der Minderheit angeschlossen hat. Da könnte es sich als weise herausstellen, abzuwarten. Das fällt uns oft am schwersten, nicht nur bei diesem Thema, sondern auch beim Warten darauf, was der Wille Gottes in einer Situation für uns ist.

 

Für uns gilt somit: Hört auf die Wissenschaft. Vielmehr aber: Hört auf Gott und sein Wort. Dort finden wir die Antwort auf jede wesentliche Frage unseres Lebens.