14.09.2020 Persönlicher Glaube

Die neue Natur und die alte Natur (1)

Zwei verschiedene, gegensätzliche Naturen

Es ist eine große Hilfe zu erkennen, dass der Gläubige zwei verschiedene Naturen besitzt, die neue und die alte. Die eine ist die Quelle von jedem richtigen Wunsch, die andere nur von bösen Begierden. Eine Henne wäre sehr irritiert, wenn sie eine gemischte Kinderschar von kleinen Hühnern und Enten zur Welt brächte. Deren Naturen sind verschieden, daher sind ihre Wünsche und ist ihr Verhalten sehr gegensätzlich, nicht aber gegensätzlicher als die beiden Naturen, von denen wir gerade gesprochen haben. Viele Gläubige aber sind wie diese Henne.

 

Als der Herr Jesus zu Nikodemus sprach, bestand Er auf der Notwendigkeit, „von neuem geboren" zu werden, und zwar durch „Wasser und Geist". Der Herr fügte hinzu: „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist" (Joh 3,6). Lasst uns diese Worte sorgefältig überdenken.

 

Zunächst einmal deuten sie klar auf die Existenz von zwei Naturen hin. Jede davon ist durch ihre Quelle charakterisiert. „Fleisch" ist der Name der einen, denn sie kommt aus dem Fleisch hervor. „Geist" wird die andere genannt, denn sie entspringt vom Heiligen Geist Gottes.

 

Dann ist es offensichtlich, dass wir mit Recht von dem „Fleisch" als von der alten Natur sprechen, denn wir besitzen sie als solche, die zu der Rasse Adams durch natürliche Abstammung gehören, also von Geburt an. „Geist" wiederum weist auf die neue Natur hin. Wir besitzen sie als solche, die aus Geist geboren sind, also durch die neue Natur, also erst seit unserer Bekehrung.

 

„Geist" und „Heiliger Geist"

Zudem unterscheiden diese Worte klar zwischen „Geist", mit dem wir die neue Natur bezeichnen, und „dem Geist", das ist der Heilige Geist Gottes. Das zuerst genannte Wort „Geist" ist das Ergebnis der Kraft des Geistes Gottes, die in wunderbarer Weise an und in uns wirksam geworden ist. Nie wohnt der Geist Gottes in einer Person, in der Er nicht zuvor durch die neue Geburt eine neue Natur bewirkt hätte, die das Wort Gottes „Geist" nennt. Daher wäre es ein großer Fehler, die neue Natur mit dem Heiligen Geist zu verwechseln, der diese neue Natur bewirkt hat.

 

Als du von neuem geboren worden bist, wurde diese neue Natur in dir durch den Heiligen Geist eingepflanzt. Diese Natur ist „Geist" und eine der ersten Ergebnisse dieser Handlung Gottes an uns war das unausweichliche Aufeinanderprallen dieser neuen Natur mit der alten, die du als Kind Adams geerbt hast. Beide streben danach, Herren in deinem Leben zu sein. Sie ziehen in eine diametral entgegengesetzte Richtung. Bis wir das Geheimnis der Befreiung von der Macht des Fleisches in uns gelernt haben, wird dieses schmerzhafte Durcheinander von richtig und falsch weitergehen.

 

Römer 7

In Römer 7 wird diese schmerzhafte Erfahrung für uns beschrieben. Lies diese Verse sorgfältig und besonders die Verse 14 bis zum Ende des Kapitels. Fahre auch noch mit den ersten vier Versen des achten Kapitels fort. Siehst Du in diesen Abschnitten nicht etliche Merkmale, die mit deinen Erfahrungen übereinstimmen?

 

In diesem Kapitel kommt der Schreiber zu einer sehr wichtigen Schlussfolgerung: „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt" (V. 18). Das Fleisch ist daher vollkommen schlecht und hoffnungslos böse. Gott erlaubt uns, durch den Sumpf der bitteren Erfahrungen zu waten, damit wir durch und durch diese Lektion lernen. „Das Fleisch nützt nichts", sind die Worte unseres Retters (Joh 6,63). „Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen" (Röm 8,8), sind Worte, die diese Geschichte bestätigen. So lernen wir, das aus dem Fleisch nicht als Böses kommen kann.

 

Das Fleisch mag unbeachtet und ungeschult sein. Dann wird es heidnisch oder wild sein und möglicherweise sogar zu kannibalischem Fleisch werden. Es kann auch hochgradig kultiviert und gebildet sein, ja zu gezügeltem, zivilisiertem und christianisiertem Fleisch werden. Aber es ist und bleibt Fleisch. Denn das, was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, unabhängig davon, was du mit diesem Fleisch alles anstellen magst. Und darin wohnt nichts Gutes, auch wenn es sich durch unsere Bemühungen um erhabenes Fleisch handeln mag.

 

Können wir die alte Natur verbessern?

Was können wir dann mit einer Natur wie dieser machen, einer Natur, die einfach Instrument der Sünde ist, in der die Sünde wohnt und wirkt? Lass mich diese Frage damit beantworten, indem ich eine andere stelle: Was hat Gott mit dieser Natur gemacht? Was ist sein Lösungsmittel?

Römer 8,3 gibt uns die Antwort: „Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte."

 

Das Gesetz hat das Fleisch von Anfang an stark getadelt. Aber es konnte das Fleisch weder zügeln noch kontrollieren, so dass der Mensch von der Macht dieses Fleisches hätte befreit werden können. Aber das, was das Gesetz nicht tun konnte, hat Gott getan. Im Kreuz Christi hat Er in richterlicher Weise mit dem Fleisch gehandelt, indem Er „die Sünde im Fleisch verurteilte", das heißt, Er verurteilte das Fleisch in seiner Wurzel und im Wesen seiner Natur.

 

Römer 8,4 zeigt uns dann das praktische Ergebnis dieses Handelns Gottes. Das Kreuz ist die Verurteilung der alten Natur in der Wurzel ihres Wesens. So haben wir den Heiligen Geiste als Kraft der neuen Natur geschenkt bekommen. Wenn wir jetzt im Geist unseren Lebenswandel führen, erfüllen wir die gerechten Anforderungen des Gesetzes, auch wenn wir nicht länger unter dem Gesetz als Lebensregel stehen.

 

Gottes Urteil über das Fleisch

Gott hat dann in dem Kreuz Christis das Fleisch, die alte Natur, verurteilt. Was aber können wir dann mit diesem Fleisch tun? Wir können dankbar annehmen, was Gott getan hat, und daher auch selbst das Fleisch von nun an als eine verurteilte Sache ansehen. Der Apostel Paulus deutet das an, wenn er sagt: „Denn wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen" (Phil 3,3).

 

Wenn man diese Schriftstelle liest, die so positiv mit den Worten beginnt, „wir sind", ist man geneigt zu fragen: „Sind wir?" Lebe ich wirklich nach den Gedanken Gottes im Blick auf den wahren Charakter des Fleisches - auf der einen Seite wohnt in diesem Fleisch nichts Gutes, und auf der anderen Seite hat Gott das Fleisch am Kreuz verurteilt? Gottes Gedanken zu verwirklichen bedeutet, dass ich kein Vertrauen in das Fleisch habe, selbst wenn es die schönsten Formen annimmt.

 

Auf das Fleisch vertrauen?

Nicht auf Fleisch vertrauen: In diesen Worten liegt der herausfordernde Punkt der ganzen Sache. Zu diesem Punkt kommt man nicht so einfach. Wir machen schmerzhafte Erfahrungen, manches herzzerreißendes Versagen lernen wir kennen. Wieder und wieder ergreift das Fleisch wie Simson, weil man der Gefangenschaft durch Sünde entgehen möchte, die sieben frischen Sehnen, die ein Hinweis auf unsere frommen und womöglich mit Gebet verbundenen Anstrengungen des Fleisches sind.  Oder man hat an sich gute Vorsätze, die durch Simsons neuen Flechten dargestellt werden, die aber sorgfältig mit unserem Fleisch verwoben sind. Erst dann, wenn wir die Nutzlosigkeit dieses Vertrauens auf das Fleisch wirklich erlebt haben, ist der Kampf so gut wie beendet.

 

Das Erschüttern unseres Vertrauens in das Fleisch führt dazu, dass die Macht des Fleisches über uns erschüttert wird. Dann schauen wir sofort weg von uns selbst und unseren intensiven Anstrengungen, um nach einem Befreier Ausschau zu halten. Diesen finden wir im Herrn Jesus Christus, der uns in Besitz genommen hat durch seinen Geist. Der Geist ist die Kraft. Er überwindet nicht nur die Tätigkeit der alten Natur (vgl. Gal 5,16), sondern gibt der neuen Natur Kraft, dehnt ihren Einfluss aus und kontrolliert sie zugleich (vgl. Röm 8,2.4.5.10).

 

Vergiss nicht, dass die neue Natur in sich selbst keine Kraft hat. Römer 7 zeigt das. Die neue Natur strebt nach dem Richtigen und wünscht das Gute. Aber um die Kraft zu haben, das Gute zu verwirklichen, bedarf es der praktischen Unterwerfung unter Christus und seinen Geist. Das ist das Wandeln im Geist, was dann Wirklichkeit ist, wenn wir uns wirklich und von Herzen einsmachen mit Gottes Verurteilung der alten Natur im Kreuz Christi.