09.09.2020 Dienst | Persönlicher Glaube

Was in den Ohren kitzelt

Das heißt: Das, was heute noch „in“ ist, kann morgen schon veraltet sein – für Menschen. Heute ist es dieser Kanal, morgen jener Influencer, übermorgen wieder eine neue Plattform, die modern genannt werden. Was entscheidend ist, sind die Anzahl der Likes“ usw., die verteilt werden. Wer nur wenig angeklickt wird, hat keine Anhänger- und Zuhörerschaft. Er bleibt oft „links liegen“. Und das kann unabhängig davon sein von der Qualität seiner Angebote.

 

Die Suche nach Applaus

So etwas verleitet leider dazu, dass nicht nur in der Welt der Musik, der Show, des Business usw. nach Applaus gesucht wird. Auch im christlichen Bereich sind wir nicht davor gefeit, nach den Nutzerzahlen zu schielen. Das gilt für uns als Konsumenten genauso wie für uns als solche, die mehr oder weniger geistliche Inhalte auf Internetseiten und über YouTube und andere Kanäle anbieten.

 

Mich erinnert das an ein Wort, das zum Vermächtnis dessen zählt, was der Apostel Paulus „dieser Welt“ mitzuteilen hatte. Es geht um seine letzten Worte an die Gläubigen und die Christenheit.

 

Das Vermächtnis des Apostels Paulus

In seinem letzten Brief schreibt er: „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst“ (2. Tim 4,3-5).

 

In genau dieser Zeit leben wir. Man kann sich keine präzisere Beschreibung vorstellen. Die gesunde Lehre wird von vielen Gläubigen (und Namenschristen erst recht) nicht mehr ertragen. Entscheidend ist für sie, ob etwas cool oder gefühlsorientiert präsentiert wird. Wenn das so ist, ist man dabei. Die Art wird wichtiger als der Inhalt.

 

Witzelei ...

Jeder Witz, sei er noch so geschmacklos (er muss ja gar nicht unter der „Gürtellinie“ sein) wird applaudiert (Eph 5,4). Auch mit dem Kreuz Christi und den Leiden Jesu kann man banale Vergleiche machen. Da werden die Wundenmale unseres Retters am Kreuz in unangemessener und unanständiger Weise ausgeschmückt, beschrieben oder verglichen. Was für eine Banalisierung, Trivialisierung, Verflachung bis hin zur Lästerung, derer sich nicht einmal mehr Christen bewusst sind. Da wird das Wort vom Kreuz mit banalen Alltagsdingen verglichen, als ob man das Kreuz unseres leidenden Herrn in einem Wortspiel ins Lustige ziehen dürfte. Was für eine Verunehrung unseres Herrn und seiner Leiden! Usw.

 

Und genauso schlimm: Es gibt Auftritte in YouTube und auf anderen Kanälen, sei es im Vortrag, Gespräch oder Liedform, die über den Herrn, sein Werk und die christliche Wahrheit in einer Weise handeln, die weder mit Gottesfurcht noch mit einem Bewusstsein zu tun haben, was das Kreuz für unseren Herrn bedeutete. Zugleich wird gelegentlich die christliche Wahrheit in einer Oberflächlichkeit beschrieben, um sich noch vorsichtig auszudrücken, dass man sich nicht wundern muss, dass Gottes Wort nicht mehr ernst genommen wird. Dass man über Jesus wie über unsereiner spricht.

 

Manchmal hat man den Eindruck, dass es in dieser Hinsicht kaum noch Unterscheidungsvermögen gibt. Je größer der „Knall“, je lustiger der Auftritt, je banaler die Sprache, umso besser ist das Angebot. Hält das dem Maßstab des Wortes Gottes stand?

 

Gesunde Lehre und Ohrkitzeln

Wie leicht verabschiedet man sich von der gesunden Lehre, wenn man dafür mehr Anhänger gewinnt? Wie sehr schielen wir als Nutzer von Internetseiten darauf, wie viele das Klasse finden, statt nach Gottes Wort und seiner Beurteilung zu fragen? Das, was uns in den Ohren kitzelt, erinnert direkt an sogenannte christliche Musik. Wenn es im Wesentlichen auf den Musikstil ankommt und dass meine Gefühle angesprochen werden, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn ich nach und nach kein Unterscheidungsvermögen mehr besitze.

 

Auch bei inhaltlichen Angeboten kann es leicht dazu kommen, dass ich mich durch die (mich) ansprechende Art gewinnen lasse, weil sie cool oder modern ist, statt zu fragen, ob das, was angeboten wird, und ob die Art eigentlich die des Wortes Gottes ist. Wir müssen nicht so reden wie der Herr und wie Paulus. Wenn aber aktuelle Angebote zu der Art des Herrn und dem Wirken und den Worten der Apostel nicht passen, stimmt etwas nicht. Dann liegen wir falsch – in der Darbietung und auch in unseren Urteilen.

 

Paulus

Paulus gierte nicht nach Anhängern und großen Zahlen. Er wollte Gott gefallen, dem Herrn dienen. Das war für ihn Motivation. Er musste klagen, dass sich alle, die in Asien waren, von ihm abgewandt hatten (2. Tim 1,15). Hielt ihn das in seinem Dienst auf? Keineswegs. Ihm waren nicht Zahlen wichtig, sondern das Urteil des Herrn.

 

Wir wollen uns wieder neu fragen: Was ist mir wirklich wichtig? In der „Menge“ zu schwimmen oder in Übereinstimmung mit Gottes Wort zu sein? Geht es darum, hohe Zustimmungszahlen und viele Nutzer zu generieren, oder die Botschaft von Inhalt und Art so zu bringen, wie sie in Übereinstimmung mit Gottes Wort ist?

 

Manchmal wird 1. Korinther 9 als Begründung missbraucht, man müsse die Menschen (auch Christen) doch da abholen, wo sie stehen. Das stimmt natürlich! Aber wenn es dazu führt, dass wir einen Teil der Wahrheit preisgeben oder weltförmige Methoden und Auftritte bevorzugen, wenden wir uns von dem Weg des Herrn ab.

 

Der Herr wünscht, dass wir nicht menschengefällig denken und wirken, sondern in Gottesfurcht und im Bewusstsein, dass es auf seine Freude ankommt. Dann werden wir auch in der Lage sein, Menschen zu erreichen. Denn Gottes Wort besitzt eine Kraft, die eine noch so gewaltige Rhetorik niemals bieten könnte.

 

Wenn der Herr mehr vor uns steht, werden wir geistliche Dinge durch geistliche Mittel präsentieren. Und wir werden daran Freude haben, wenn uns genau das auch angeboten wird.