03.06.2020 Versammlung / Gemeinde

Chancen und Grenzen virtueller Möglichkeiten im „Nach-Corona-Zeitalter“

In den vergangenen Wochen mussten wir lernen, mit der Einschränkung unserer Versammlungsfreiheit zu leben. Vermutlich müssen wir alle zugeben, dass wir für diese Freiheit nicht dankbar genug waren. Durch die Beschränkungen war es nötig, darüber nachzudenken, wie wir in Zeiten von Kontaktbegrenzungen und Ausgangssperren weiter im Gespräch miteinander bleiben. Für viele von uns galt es, neue Wege im Umgang miteinander kennenzulernen.

 

Damit stellt sich nun die Frage: Wie gehen wir mit den „Innovationen" um, die wir letztlich notgedrungen in dieser schwierigen Zeit kennengelernt und auch praktiziert haben? Solch eine herausfordernde Zeit kann durchaus hilfreich sein. Denn jeder muss sich fragen: Sind wir vielleicht mancher Tradition nachgegangen, die sich so nicht in Gottes Wort wiederfindet oder die womöglich sogar gegen Gottes Wort steht? Was gehört zu Gewohnheiten, die durchaus gut sein können, aber nicht als solche in der Schrift verankert sind? Wie handeln wir weise im Blick auf solche Verhaltensweisen? Denken wir an die Sitzordnung, die sich durch die Abstandsregeln (max. zwei Haushalte dürfen zusammensitzen usw.) notgedrungen verändert hat. Wichtig ist, dass wir besonders bei Themen, die nicht in Gottes Wort fixiert sind, den Frieden suchen.

 

Jemand hat einmal gesagt, dass jede Veränderung das Potential von Streit beinhaltet. Gerade dann, wenn es um äußere Umgestaltungen geht, ist es daher wichtig, dass sie einmütig vorgenommen werden. Sonst ist Streit als Ergebnis vorprogrammiert. Nehmen wir das Beispiel der Sitzordnung. Jeder hat sich mit der Sitzordnung, die an seinem Ort in der Vergangenheit gewählt worden ist, irgendwie arrangieren können. Durch die Notwendigkeit, als Haushalte zusammenzusitzen, hat sich diese „Ordnung" nun an vielen Orten verändert. Wenn man nun vorher in Frieden war, wie man zusammensaß, gibt es keinen Anlass, das nach Normalisierung der Situation in eine neue „Familiensitzordnung" verändern zu wollen. Wie gesagt: In aller Regel führt der Wunsch nach Veränderung, die nach Gottes Wort so nicht nötig ist, zu Unruhe und Streit. Ist das in einer Zeit, wo ohnehin manche Spannungen vorhanden sind, wirklich nötig? Nein, so etwas brauchen wir gerade im Blick auf äußere Fragestellungen nicht. Der Teufel freut sich, wenn dadurch Reibungsverluste entstehen, aber die vergangenen Wochen sollten unser Bewusstsein dafür stärken, alles daran zu setzen, dass der Herr im Mittelpunkt steht und nicht die Fragestellungen im Blick auf äußere Dinge, es sei denn, dass uns das Wort Gottes deutliche Hinweise gibt.

 

Möglichkeiten auf Basis des Wortes Gottes

Dann aber stellt sich auch die Frage: Was ist im Sinne des Wortes Gottes bei den Punkten, die man neu praktiziert hat, richtig, möglich und empfehlenswert? Gibt es Dinge, die aus der Not geboren wurden, die aber nur in einer Zeit empfehlenswert sind, in der man sich nicht oder nicht wie üblich versammeln kann?

 

Man spricht in diesem Zusammenhang gelegentlich vom „Status quo ante". Das ist der Zustand und die Praxis, die vor einer Veränderung oder vor einem Ereignis galten. Nehmen wir ein prägnantes Beispiel, das aktuell manche beschäftigt: In einigen christlichen Zusammenkommen wurden die Wortverkündigungen nach 1. Korinther 14 in der Vor-Corona-Zeit digital aufgenommen. Die Aufnahmen wurden allerdings normalerweise nicht allen interessierten Gläubigen zur Verfügung gestellt. Schon gar nicht wurden sie live übermittelt an solche, die nicht kommen konnten, sondern zeitnah alten und kranken Geschwister zur Verfügung gestellt.

 

Nun aber hat man sich an vielen Orten in den vergangenen Wochen über Zoom, GoToMeeting, Skype, Cisco oder andere Technik-Anbieter zusammengeschlossen. Diese Wege nutzten viele zumindest für eine Gebetszeit und Wortbetrachtung, teilweise auch für eine Zeit des Dankens und Anbetens sowie für die geistliche Erbauung. Manche haben über YouTube oder andere Möglichkeiten Vorträge live übertragen (am Ort oder überörtlich) oder hochgeladen zur Verfügung gestellt. Wie geht man damit zukünftig um?

 

Man könnte auch fragen: Sollen „virtuelle Ersatzformate" künftig zentrale Bestandteile der Angebote sein, um sich miteinander zu verknüpfen? Was ist empfehlenswert, was ist gefährlich? Nun kann es keineswegs Sinn dieses Artikels sein, dogmatisch oder gewissermaßen „ex cathedra" etwas bestimmen zu wollen. Es gibt heute keine Apostel mehr, jedenfalls keine, die von Gott nach seinem Wort als solche bevollmächtigt wären! Daher möchte ich mit diesem Beitrag nur einen Gedankenanstoß geben.

 

Chancen

Wenn man sich mit den Möglichkeiten dieser Technik beschäftigt, gibt es auch für uns heute manche Chancen, die man nicht übersehen sollte. Man kann über die aktuellen technischen Möglichkeiten auf jeden Fall ein persönliches Gespräch miteinander führen. Nehmen wir an, jemand gehört zur Risikogruppe von Covid-19 oder in Zukunft von Covid-20 oder von anderen ansteckenden Krankheiten. Diese Person zieht es womöglich aus persönlichen Gründen vor, nicht an Zusammenkünften von mehr als zwei Personen oder zwei Haushalten teilzunehmen, um sich gesundheitlich zu schützen.

 

Das können wir als solche, die auch mit (berechtigten) Ängsten vielleicht auf ganz anderen Gebieten zu tun haben (man mag einfach mal seine Versicherungen kritisch zusammenzählen), gut nachvollziehen. Vor diesem Hintergrund gibt diese Technik jedenfalls die Möglichkeit, sich gegenseitig zu sehen. Das ist nicht möglich, wenn man sich lediglich per Telefon miteinander verbindet, was wiederum andere gerade deshalb bevorzugen könnten. Aber per Skype usw. wäre es möglich, dass sich Sprecher und Zuhörer sehen können. In diesem Sinn dürfen wir Technik als Chance sehen und dankbar annehmen. Wir denken auch an solche Gläubige, die durch Kontaktbeschränkungen (Quarantäne-Auflagen) keine Gemeinschaft pflegen dürfen.

 

Darüber hinaus gibt es natürlich gute Möglichkeiten, über diese technischen Möglichkeiten wertvolle Belehrungen (Homepages, Podcasts, YouTube-Aufnahmen) weiterzugeben oder aufzunehmen. Viele Interessierte lesen heute leider keine Bücher mehr. Das können wir beklagen - aber damit ändern wir diese Gewohnheiten nicht. Über diese Medien dagegen sind wir in der Lage, Menschen dort zu erreichen, wo sie sich befinden, körperlich und von ihrer Einstellung. Gottes Wort gibt uns in dieser Hinsicht, soweit ich das sehen kann, keine Einschränkungen, was die Art der Weitergabe von biblischen Erklärungen usw. betrifft.

 

Kreativität

Nun kommen wir gerade aus einer Art Prüfungszeit. Unter einem solchen Druck überlegt man ad hoc, wie man anderen weiterzuhelfen vermag und sie im Glauben stützen und stärken kann. In einer solchen Zeit besteht die Gefahr, außerordentlich „kreativ" zu werden. Aber Gefahren allein sind kein Kriterium, um etwas nicht zu tun. Jeder Schritt, den wir außerhalb des Hauses gehen, ist in gewisser Hinsicht gefährlich ... Entscheidend ist, dass wir Gott gehorsam sein und nach dem Geist des Wortes Gottes handeln wollen.

 

Es gilt, zwei Seiten zu bedenken: Kreativität ist eine Fähigkeit, die der Schöpfer seinen Geschöpfen geschenkt hat. Wenn sie im Gehorsam seinem Wort gegenüber praktiziert wird, ist dagegen nichts einzuwenden. Die andere Seite: Menschliche Mittel liegen uns dann nahe, wenn wir nicht mehr weiter wissen. Und dann kann Kreativität über ein gesundes, biblisches Maß hinausgehen.

 

Wir dürfen, ja wir sollten uns überlegen und vor dem Herrn Gedanken machen, wie wir in einer herausfordernden Zeit Menschen das Evangelium weitergeben können. Das gilt auch dafür, wie wir Gläubige mit der Bibel erreichen können. In allem ist das Wort Gottes der Maßstab. Mit anderen Worten: Es sollte in geistlicher Weise gesehen. Wenn sich der folgende Vers auch in erster Linie auf die Weitergabe des Wortes Gottes in inspirierter Weise bezieht, können wir ihn sicherlich auf die aktuelle Zeit anwenden: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, um die Dinge zu kennen, die uns von Gott geschenkt sind; die wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel" (1. Kor 2,12.13). Wann immer wir uns bei solchen Überlegungen auf der Grundlage von Gottes Wort und in der Gesinnung des Herrn bewegen, gibt es Freiheit.

 

Trends, die auch uns betreffen

Was sehen wir um uns herum? Homeoffice ist nunmehr „state of the art", sozusagen das neue Geschäftsmodell für Mitarbeiter. Virtuelle Formate lösen „face to face" (echte Treffen) ab, also klassische Treffen. Je weniger man sich bewegen muss von Ort zu Ort, desto besser, so scheint es. Und diese gesellschaftlichen Trends finden auch ihren Weg in unsere Herzen.

 

Wie macht sich das konkret bemerkbar? Sehr leicht können wir uns in der heutigen Zeit an einen Weg gewöhnen oder ihn suchen, auf dem das Zusammenkommen am Ort nicht mehr den Wert besitzt, den Gott ihm beimisst. Es kann sogar so weit kommen, dass man das örtliche Zusammenkommen negativ beurteilt oder schon verachtet. Natürlich gibt es an den wenigsten Orten besonders begnadete Lehrer und Evangelisten, Prediger des Wortes Gottes. Da liegt es nahe, sich über einen virtuellen Weg dort einzuklinken, wo solche begnadeten Diener zugegen sind. Das konnte man in den vergangenen Wochen tun, wenn man sich um die Einwahlnummern bemühte oder die Livestreams anklickte. Und so kann man es auch weiterhin machen, wenn es derartige Angebote geben sollte. Die Besuche am eigenen Ort werden dann gewiss lückenhafter.

 

Was aber will der Herr und was ist in Übereinstimmung mit seinem Wort? Ein wichtiges Kriterium ist, dass Gott die örtliche Herde stärkt, in die Er Brüder als Aufseher gesetzt hat (Apg 20,28). Dort finden Zusammenkünfte statt. Und vergessen wir nicht, was jemand einmal gesagt hat: Viele Gläubige haben erlebt, dass sie gerade durch einen Diener eine konkrete Hilfestellung bekommen haben für ihr Glaubensleben, den sie normalerweise nicht bevorzugen.

 

Heißt das, dass wir nicht auch mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln über den Ort hinaus wirken können und sollen? Doch! Dafür hat der verherrlichte Herr seiner Versammlung (Gemeinde) Gaben gegeben (Eph 4,11). Sie können auch in Abhängigkeit vom Herrn in Weisheit zum Wohl der Gläubigen genutzt werden. Gott möchte, dass die große Herde getröstet und auferbaut wird und nicht hin und her geworfen und umhergetrieben wird von jedem Wind der Lehre. Sein Ziel ist, dass wir alle die Wahrheit festhalten in Liebe. Aber um welchen Preis tun wir es, wenn wir Menschen hinterherlaufen, mögen sie noch so begabte Diener des Herrn sein? Vergessen wir nicht, dass der Herr (nur) dann versprochen hat, in der Mitte der zwei oder drei zu sein, wenn sie (am Ort) in seinem Namen versammelt sind. Das ist nicht zu ersetzen durch die Begabung eines Predigers.

 

Livestreams

Nun gab und gibt es Livestreams. Dort kann man sich von jedem Ort der Welt aus „einwählen". Diese stehen durch ihre bewusst gewählte „Aktualität" per Definition in Konkurrenz zu den Zusammenkommen am Ort, die es im Gegensatz zum Internet immer nur „live" geben kann.

 

Durch ihren Echtzeit-Charakter deuten die Live-Streams eine gewisse Direktheit an und suggerieren die direkte Leitung des Geistes für diesen Augenblick für die Teilnehmer, ob sie am Ort wohnen oder wo anders zu Hause sind. Da liegt es nahe, sich von nah und fern einzuwählen.

 

Wie sieht nun ein Urteil auf Basis von Gottes Wort dazu aus? Damals gab es diese Möglichkeiten der Technik nicht. Daher muss man mit einer gewissen Vorsicht überdenken, was es für Hinweise in der Schrift zu einem solchen Thema gibt.

 

Vielleicht hilft der Hinweis auf Johannes, den Apostel. Er war auf Patmos in Gefangenschaft. Er konnte am ersten Tag der Woche nicht an den Vorrechten der Gläubigen teilnehmen (Off 1,10). Schon die Tatsache, dass auf diesen Tag besonders hingewiesen wird, zeigt, wie sehr sich Johannes danach gesehnt hat, inmitten der Gläubigen zu sein. Gott ist souverän und hätte ihm sicher eine Art „Live-Vision" von der Zusammenkunft in Philadelphia oder Smyrna geben können. Aber das tat Er nicht.

 

Jedoch zeigte der Herr Johannes deutlich, dass Er an ihn dachte. Er schenkte ihm allerdings etwas anderes: die Beschäftigung mit seiner eigenen herrlichen Person, dem Sohn des Menschen. Es war eine persönliche Beschäftigung mit dem Herrn. Johannes war tatsächlich verhindert, praktische Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu pflegen. Er war Gefangener. Der Herr schenkte ihm nun ein ganz persönliches Teil. So stärkte Gott das Vertrauen und den persönlichen Mut seines Dieners.

 

Und wie machten die zehn Jünger ihrem Freund und Mitapostel Thomas die Zusammenkunft mit dem Herrn wertvoll? Indem sie ihm überwältigt erzählten, dass sie den Herrn gesehen hatten (Joh 20,25). Offenbar ist dies ein Weg, den Gott uns weist.

 

Gute geistliche Beurteilung

Einer der herausforderndsten Nebeneffekte der Digitalisierung geistlicher Kanäle ist übrigens das Entfallen der unmittelbaren geistlichen Beurteilungsmöglichkeit, der (im guten Sinn verstandenen) geistlichen Aufsicht. Im Blick auf das Zusammenkommen zur Auferbauung sagt uns der Apostel ausdrücklich: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die anderen lasst urteilen" (1. Kor 14,29). Bei einem Livestream dagegen fühlt sich oft niemand verantwortlich. Man kann auch kaum in dieser direkten Weise aktiv werden wie nach einer Zusammenkunft. So wird mancherlei und fremden Lehren Tür und Tor geöffnet.

 

Wer immer digital fit ist oder sich produzieren möchte, kann auf solchen Kanälen aktiv werden. Das wird keinem unterstellt, ist aber, wie wir wissen, in der digitalen Welt möglich und leider auch nicht unüblich. Jeder kann tun, was er selbst für richtig hält.

 

Das ist in konkreten Zusammenkünften so ohne Weiteres nicht möglich. Die ganze Atmosphäre, die gegenseitige persönliche Gegenwart, der Blickkontakt usw. gehen verloren. Es ist auch so, dass eine gewisse moralische Autorität nötig ist, um den Dienst des Wortes zu tun. Alle Anwesenden haben dann auch dasselbe gehört und sind in der Lage, die Dinge miteinander zu besprechen. In dem (sicher sehr, sehr seltenen) Fall einer bösen Lehre könnten sie auch intervenieren, was bei einem Livestream nicht möglich ist (vgl. Tit 1,9.11).

 

Zusammenkünfte wertvoll machen

Noch ein Wort zu Thomas. Wir nehmen womöglich vorschnell an, dass dieser aus Gleichgültigkeit fehlte. Aber das sagt der Geist Gottes nicht. Thomas fehlte, warum und wodurch auch immer. So können auch heute Geschwister in den Zusammenkünften aus ganz unterschiedlichen Gründen fehlen. Die einen sind krank oder alt und bettlägerig, andere müssen sich um kleine Kinder kümmern, wieder andere müssen ihrem Beruf nachgehen. Sicher gibt es auch solche, die für sich andere Prioritäten gewählt haben.

 

Wie machen wir diesen Betroffenen das Zusammenkommen im Namen des Herrn wertvoll? Mein Eindruck ist, dass es nichts hilft, ihnen eine Übertragung zu ermöglichen. Gerade bei einer solchen Übertragung besteht die Gefahr, dass bei ihnen und zudem bei anderen die Motivation reduziert wird, sich wirklich aufzumachen. Das gilt vor allem, wenn es um die Gebetsstunde geht, die oft abends stattfindet, oder wenn man einen längeren Anfahrtsweg hat. Man sehnt sich dann nicht mehr nach den Zusammenkünften. Wie leicht geht uns allen die Anziehungskraft der Zusammenkünfte verloren, in denen zwar der Herr in der Mitte ist, bei denen wir aber zugleich viel Schwachheit empfinden und auch erleben. Was sagte die sunamitische Frau in einer Zeit, die geistlicherweise den Tiefstand inmitten des Volkes Gottes darstellte: „Ich wohne inmitten meines Volkes" (2. Kön 4,13).

 

Wie kann man die Gläubigen motivieren, wieder neu oder weiter in die Zusammenkünfte zu kommen? Wir denken an die zehn Jünger: Sie waren erfüllt von ihrer Begegnung mit dem Herrn. Wenn wir von dem Segen erzählen können, den wir selbst erlebt haben, können wir auch andere für das Zusammenkommen überzeugen.

 

Wenn wir selbst erfüllt sind von der Gegenwart des Herrn, werden wir das anderen vermitteln können. Wenn wir Gläubige per Technik Anteil geben, besteht die große Gefahr, dass sie sich daran gewöhnen, die Zusammenkünfte „konsumieren" zu können, ohne Energie aufwenden zu müssen, ohne sich aufmachen zu müssen, dahin zu kommen, wo der Herr in der Mitte ist. Wäre das eine Hilfe auf dem Weg, das Zusammenkommen im Namen des Herrn wirklich wertzuschätzen?

 

Wir dürfen auch nicht übersehen, dass man in der häuslichen Umgebung oft nicht frei von Ablenkungen ist (Anruf, Haustür, Smartphone, Unterhaltung, wenn mehrere zugegen sind). Das alles ist nicht förderlich, sich auf das zu konzentrieren, was der Herr gerade vor die Herzen stellt. Denn das, was wir „Multi-Tasking" nennen, ist im geistlichen Bereich direkt schädlich. Ein großer Vorteil von Zusammenkünften besteht gerade darin, dass man alles andere hinter sich lassen kann, alle Ablenkungen so weit wie möglich ausschaltet, um dann ganz bei der Sache zu sein (man kann dann nur noch gedanklich abschweifen, so traurig das ist, aber man kann nicht noch parallel bügeln, WhatsApp schreiben usw.).

 

Ein geographischer Ort: „wo"

Wie ist nun die (aktive) Teilnahme an den Zusammenkünften, die an einem Ort stattfinden, via Übertragungstool (GoTo, Zoom usw.) zu beurteilen? In Matthäus 18,20 heißt es: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte."

 

Man hat immer wieder - und mit Recht - darauf hingewiesen, dass es bei dem „wo" um einen geistlichen Ort geht. Der Herr stellt den Jüngern vor, dass es im Unterschied zu Jerusalem nicht mehr nur den einen Ort gibt, wo man Gott nahen und anbeten, ja Opfer bringen kann. Wo immer man auf der vom Herrn an dieser Stelle vorgestellten Grundlage zusammenkommt, „in seinem Namen", ist Er in der Mitte.

 

Das aber heißt natürlich nicht, dass es sich in erster Linie um einen geistlichen Ort handelt. Das könnte bei manchen im Gedächtnis geblieben sein, die in der Vergangenheit vielfach diese Betonung des „geistlichen Ortes" gehört haben. Daher muss man heute zusätzlich betonen, dass der Herr einen geographischen Ort meinte, an dem man zusammenkommt.

 

Wir dürfen also nicht aus der Tatsache, dass der Herr an mehreren Orten gleichzeitig in der Mitte der Seinen ist, die falsche Schlussfolgerung ziehen, dass es egal ist, ob ich dann an einem dieser Orte dabei bin oder nicht. Es ginge ja um einen „geistlichen" Ort. Das meint der Herr nicht. Er bezieht sich darauf, dass man physisch an diesem Ort anwesend sein muss, um diese Verheißung auf sich beziehen zu können.

 

„Wo" ist also sowohl ein geistlicher als auch ein geographischer Ort, ohne dass es an einen bestimmten „heiligen" Platz gebunden wäre. Eines darf man nicht übersehen: Nur dann wird diese Verheißung aus Matthäus 18 anwendbar, wenn man zugleich die geistlichen Voraussetzungen erfüllt, die der Herr mit „in meinem Namen" benennt.

 

Das aber heißt zugleich, dass nur derjenige, der sich an diesem (geographischen) Ort befindet, die Zusage des Herrn, dass Er in der Mitte ist, auf sich beziehen kann. So, wie ich diese Zusage seiner Gegenwart nicht auf mich beziehen kann, wenn ich mich allein mit dem Herrn beschäftige, denn sie gilt den „zwei oder drei", kann ich das auch nicht, wenn ich nicht physisch mit dem einen oder den zwei (oder mehr) versammelt bin in Anspruch nehmen.

 

Das Mahl des Herrn - an einem „gemeinsamen" Ort

Dieser Punkt wird durch mehrere Bibelstellen gestützt. In 1. Korinther 11 belehrt der Apostel die Korinther über den Unterschied zwischen dem Mahl des Herrn und normalen Mahlzeiten: „Wenn ihr nun an einem Ort zusammenkommt, so ist das nicht des Herrn Mahl essen. Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist trunken. Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Versammlung Gottes und beschämt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich nicht" (Verse 20-22).

 

Während man eine normale Mahlzeit zu Hause einnehmen konnte, war das beim Mahl des Herrn nicht möglich. Man konnte nur dadurch Anteil daran haben, dass man „vor Ort" war. Natürlich gab es damals keine virtuellen Möglichkeiten. Aber der Herr macht deutlich, dass man das eine zu Hause tun kann - wie auch Gottes Wort lesen oder gute Schriften. Aber das Mahl des Herrn kann man nicht zu Hause haben, sondern nur „vor Ort" einnehmen.

 

Grundsatz 1: kein digitales Brotbrechen

Die besprochenen Schriftstellen zeigen uns eine Reihe von Grundsätzen, die auf unsere Zeit angewandt Folgendes klarmachen: Das Mahl des Herrn kann man nicht „digital" einnehmen, jeder zu Hause, verbunden mit einem GoTo-Meeting. Es kann ja nur ein Brot geben, das „wir" brechen (1. Kor 10,16). Sooft „ihr dieses Brot" esst, das eine, das in der Zusammenkunft vor uns steht und von dem wir dann jeweils essen (1. Kor 11,26), verkündigt ihr den Tod des Herrn. So lautet die Offenbarung des Herrn an Paulus.

 

Dieser Grundsatz gilt auch für das Zusammenkommen zur Auferbauung (1. Kor 14,26) und die Gebetsstunde (Mt 18,19.20), was die Verwirklichung der Gegenwart des Herrn betrifft. Er ist in der Mitte der zwei oder drei, die wirklich „vor Ort" (wo) versammelt sind.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich noch an folgende Bibelstellen erinnern, die unterstreichen, dass Gott nicht an virtuelle (oder vergleichbare) Zusammenkommen gedacht hat. „Was aber die Sammlung für die Heiligen betrifft: Wie ich für die Versammlungen von Galatien angeordnet habe, so tut auch ihr. An jedem ersten Wochentag lege ein jeder von euch bei sich zurück und sammle auf, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht dann, wenn ich komme, Sammlungen stattfinden" (1. Kor 16,2).

 

Die Korinther sollten zu Hause zurücklegen, um das Zurückgelegte dann an jedem ersten Wochentag in die Sammlung zu geben - im Zusammenkommen im Namen des Herrn Jesus (Mt 18,20).

 

In 1. Korinther 14,23 ist ausdrücklich die Rede davon, dass „Unkundige oder Ungläubige hereinkommen". Dadurch wird deutlich, dass es sich um ein gemeinsames Zusammenkommen an geographischem Ort handeln muss.

 

Das Beispiel des Apostels Paulus

Dazu noch ein Hinweis aus dem Dienstleben des Apostels Paulus. Er war mit seinen Mitarbeitern auf einer Missionsreise unterwegs. Anscheinend strengte er sich an, rechtzeitig zum Mahl des Herrn nach Troas zu kommen (Apg 20). Er schaffte es nicht ganz, sondern kam kurze Zeit später an.

 

Nun war er mit anderen Dienern des Herrn unterwegs gewesen. Obwohl der Herr diesen klaren Auftrag geäußert hatte: „Tut dies zu meinem Gedächtnis", bedeutete das für den Apostel nicht, egal wo und egal wie, das Brot zu brechen. Wenn Paulus nicht bei Gläubigen zugegen war, die an ihrem Ort gewohnt waren, am ersten Tag der Woche das Brot zu brechen, tat er es nicht unabhängig da, wo er gerade war. Er nahm diese Situation aus der Hand Gottes an, dass er es jetzt dort, wo er sich durch die Lebensumstände befand, die der Herr so geführt hatte, nicht tun konnte.  Obwohl sie sicherlich zwei oder drei waren, brach Paulus nicht das Brot nach Matthäus 18,20. So wollen auch wir, wenn wir arbeiten müssen, krank sind usw., diese Umstände so aus der Hand des Herrn annehmen. Wir vertrauen Ihm, dass wir es dann möglichst beim nächsten Mal wieder zusammen mit unseren Glaubensgeschwistern zusammen tun können.

 

Paulus nahm für sich keine Ausnahmesituation an. Er blieb bei den Gedanken Gottes, bei seinem Wort. Er hätte sagen können: Wir sind nicht im Urlaub zum Entspannen! Wir wollen schlicht in dieser Ausnahmesituation versuchen, das Mahl des Herrn einzunehmen. Nein, er tat das nicht. Stattdessen blieb er eine ganze Woche in Troas, obwohl er unter Zeitdruck stand, weil er mit einem engen zeitlichen Rahmen ein Ziel vor Augen hatte. Er blieb dennoch, um dann bei der nächsten Gelegenheit das Mahl des Herrn einnehmen zu können (Apg 20,4-7.16). So wichtig war ihm dieses Brotbrechen, die Zusammenkunft im Namen des Herrn. Wo er konnte, brach er das Brot, selbst unter schwierigen Umständen. Aber er machte es nach den Kriterien der Schrift.

 

Es besteht die Gefahr, dass in der Nach-Corona-Zeit die Möglichkeiten auch künftig zunehmend das Miteinander vieler Christen prägen könnten, die wir während dieser Zeit dankbar nutzen konnten, weil persönliche Kontakte durch den Gesetzgeber eingeschränkt wurden. Es geht an dieser Stelle nicht darum, dass es in bestimmten Ausnahmefällen nicht besonderer Überlegungen und Entscheidungen bedarf. Das hat es wohl schon immer gegeben. Aber man kann sich schnell an Formate gewöhnen, ohne zu hinterfragen, was Gottes Wille ist.

 

Der Einwand, dass es damals keine virtuellen Formate gab, hilft letztlich nicht weiter. Denn derjenige, der diesen Grundsatz formulierte, wusste auch damals um unsere heutige Zeit. Er kannte jede Seuche, bevor sie entstanden ist. Er ist allwissend. Wenn Er gewollt hätte, dass wir in solchen Umständen andere Möglichkeiten nutzen sollten, hätte Er uns entsprechende Anhaltspunkte in seinem Wort gegeben.

 

Zusammenkommen zum Aufnehmen/Ausschließen

In 1. Korinther 5 schreibt der Apostel im Blick auf die Notwendigkeit des Ausschlusses eines Mannes: „Denn ich, zwar dem Leib nach abwesend, aber im Geist anwesend, habe schon als anwesend geurteilt, den, der dieses so verübt hat, im Namen unseres Herrn Jesus Christus (wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid) einen solchen dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tag des Herrn Jesus" (Verse 3-5).

 

Nach Johannes 20,23 hatten die Apostel das Recht und die Autorität, Sünden zu vergeben und zu behalten. Im Blick auf Petrus spricht der Herr vom Binden und Lösen (Mt 16,19). Dennoch wollte Paulus ein solches Recht nicht von Ephesus aus im Blick auf Korinth ausüben, selbst wenn er es hätte tun können. Es war ihm wichtig, dass die Versammlung in Korinth in innerer Betroffenheit zu einem Gott gemäßen Urteil kommt.

 

So stellt er den Korinthern die Pflicht vor, diesen Ausschluss zu vollziehen. Sie mussten es in diesem Fall auch nach den Anweisungen des Apostels tun. Aber Paulus machte sich mit ihnen eins, obwohl er dem Leib nach abwesend war. Das (!) ist gemeint mit „im Geist anwesend". Obwohl er als Apostel von außen hätte eingreifen können, tat er es nicht. Wenn sie nach dem Wort Gottes handelten, würde er sich mit ihrer Handlung einsmachen.

 

Sie waren im Unterschied zu ihm in Korinth „im Namen unseres Herrn Jesus Christus versammelt". Das heißt im Übrigen auch, dass sie nicht irgendwie ausschließen konnten. Sie mussten das im Rahmen eines Zusammenkommens tun, wozu man anwesend sein musste. Denn sie hatten nur dann Vollmacht nach Matthäus 18,18-20, wenn sie im Namen des Herrn wirklich versammelt waren.

 

Grundsatz 2: kein virtuelles Versammeln im Namen des Herrn

Mit anderen Worten: Man muss dem Körper nach anwesend sein, um im Namen des Herrn versammelt zu sein. Man ist in diesem Sinn nicht versammelt, wenn man sich an einer anderen Stelle aufhält, selbst wenn man virtuell mit dem entsprechenden Zusammenkommen verbunden wäre.

 

Versammlung Gottes kann nicht dargestellt werden, wenn man nicht versammelt ist. Die Versammlung Gottes wird am Ort gerade dadurch sichtbar, dass die Gläubigen zusammenkommen, besonders zum Brotbrechen.

 

Schauen wir uns dazu noch Beispiele aus dem Neuen Testament an: Nach Apostelgeschichte 2 waren sie (vermutlich die ungefähr 120, vgl. Apg 1,15) versammelt, als der Heilige Geist auf die Erde kam. Wer kam nun in diesem Augenblick in den Genuss des Besitzes des Heiligen Geistes? Nur diejenigen, die an diesem Ort versammelt waren. Vielleicht war einer der 120 krank und im Geist bei den dort Versammelten. Das aber gab ihm keinen Anteil an der Niederkunft des Heiligen Geistes. Die Versammelten (und nur sie) wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.

 

Etwas später kamen die Gläubigen in Jerusalem mit den Aposteln, die soeben freigelassen worden waren, zum Gebet zusammen. „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit" (Apg 4,31). Dieses besondere Erfülltsein und das Erbeben der Stätte erlebten nur diejenigen, die dort versammelt waren. Wie hätte man das auch „virtuell" erleben können sollen? Das ist nicht möglich, wie man auch nicht virtuell die persönliche Gegenwart des Herrn erleben kann.

 

Grundsatz 3: keine aktive virtuelle Beteiligung an einem Zusammenkommen

Daher wird man sich auch nicht an einem Zusammenkommen, an dem man nur virtuell teilnimmt, von außerhalb, das heißt via GoTo, Zoom usw. beteiligen können. Bei diesem Punkt geht es nicht um eine Ausnahmesituation, wie wir sie jetzt hinter uns haben. In besonderen Umständen wie bei einer Ausgangssperre kann man sich womöglich gar nicht anders miteinander verbinden und austauschen als auf virtuelle Weise. Dann wird man das aber auch entsprechend benennen und nicht „Zusammenkommen als Versammlung" nennen.

 

Aber in wieder normalen Umständen fällt es doch schwer zu empfehlen, wenn man gar nicht in demselben Charakter im Namen des Herrn versammelt ist, sich dann aber von außen an einer „anderen" Zusammenkunft aktiv zu beteiligen. So etwas passt einfach nicht zusammen.

 

Sinkende Wertschätzung des Zusammenkommens bei virtueller Teilnahme

Wenn man das alles vor Augen hat, kommt eine weitere Frage: Ist es vor dem Hintergrund der drei ersten Grundsätze empfehlenswert, Gläubige digital an einem Zusammenkommen im Namen des Herrn teilnehmen zu lassen? Was ist beispielsweise mit denjenigen, die aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen nicht zu den Zusammenkünften der Gläubigen kommen können: Bieten wir ihnen durch virtuelle Formate an, an den Zusammenkünften teilzunehmen?

 

Wir haben gesehen, dass solche Gläubige nicht im Sinn von Matthäus 18,20 „versammelt" sind. Zudem reduzieren wir auf diesem Weg die Motivation, möglichst zu den Zusammenkünften kommen zu wollen.

 

Wir sollten bei alldem auch nicht übersehen, dass gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen im christlichen Bereich früher oder später auch uns selbst erreichen. Im Allgemeinen sind das keine guten Tendenzen. Vieles müssen wir mit Sorgen sehen. Dazu gehört auch, dass wir der Trägheit nicht entgegenkommen sollen, wenn der Herr uns klar Anweisungen in seinem Wort gibt, die dem entgegenstehen. Auf den ersten Blick bietet die Möglichkeit der virtuellen Teilnahme manche Chancen. Aber wir sollten die Gefahr nicht übersehen, dass man sich aus Bequemlichkeit mit weniger als dem vollen Segen zufrieden gibt, den der Herr für uns vorgesehen hat.

 

Das Beispiel von Thomas zeigt uns, dass die zehn Jünger ihren Freund dadurch zu motivieren suchten, dass sie erzählten, was sie erlebt hatten. Wir lesen zwar, dass Thomas ihnen nicht vollständig glaubte. Das verwundert auch nicht, weil er es wie die Jünger zuvor nicht für möglich hielt, dass der Herr wirklich auferstanden war. Und dennoch lesen wir, dass er beim nächsten Mal mit den Jüngern versammelt war. Hatten sie nicht doch sein Herz erreicht?

 

Wenn man die persönliche Gegenwart des Herrn, wie sie uns in Matthäus 18 vorgestellt wird, nicht digital erleben kann, sollte es immer unser Bestreben sein, da zu sein, wo der Herr persönlich ist. Wir wollen unsere Mitgläubigen daher möglichst motivieren, dorthin zu kommen. Thomas hat erlebt, wie eindrucksvoll es war, den Herrn persönlich zu erleben (Joh 20,26-29).

 

Das sollte daher auch unser Ziel für unsere Glaubensgeschwister sein. Wir reden jetzt nicht von solchen, die durch ihre beispielsweise medizinische Arbeit oder durch schwere Krankheit nicht in der Lage sind, an den Zusammenkünften teilzunehmen. Sie stellen einen Sonderfall dar. Im Normalfall aber werden wir es im Allgemeinen vor dem genannten Hintergrund nicht anstreben, Zusammenkünfte „zu übertragen". Letztendlich kann man die Atmosphäre ohnehin nicht „weitertragen".

 

Grundsatz 4: Persönliche Zuwendung bei Kranken und Alten

Was ist aber mit solchen, von denen wir wissen, dass sie gerne kommen würden, wenn sie nicht durch chronische Krankheiten oder durch ein Krankenlager auf Dauer verhindert wären? Das Zusammenkommen zum Brotbrechen kann man wohl kaum im Nachhinein „genießen". Es geht ja in dieser Zusammenkunft darum, dem Herrn etwas zu bringen und Gott, unseren Vater, in Geist und Wahrheit anzubeten (Joh 4,23).

 

Aber die Zusammenkunft zur Auferbauung der Gläubigen ist eine Nahrung, die Gott den Seinen zuteilwerden lässt. Hier ist es wieder, wie wir das bei Thomas gelernt haben, ein Vorrecht, dass wir solchen Gläubigen etwas von dem weitergeben, was wir selbst genießen durften (das gilt in gewissem Maß auch für das Zusammenkommen zum Brotbrechen). Man kann daran denken, wie solche, die Verantwortung für ihr Zelt hatten, diese Nahrung für das ganze Zelt bereiteten und weitergaben (2. Mo 16,16). Ein schönes Beispiel dafür ist auch das, was Ruth im Blick auf ihrer Schwiegermutter Noomi tat. Sie brachte ihr von der Nahrung, die sie gesammelt hatte (Rt 2,18). In Verbindung mit dem Wunder der Brotvermehrung fordert der Herr seine Jünger zudem ausdrücklich auf, die übriggebliebenen Brotbrocken aufzusammeln (Joh 6,13).

 

Ein solches Weitergeben fördert übrigens auch die Gemeinschaft. Wenn das möglich ist, sollten wir die Geschwister besuchen, die nicht kommen können. Wenn das aus bestimmten Gründen nicht ratsam ist, dann kann man sie beispielsweise anrufen.

 

Leider ist aber auch wahr, dass wir so schnell vergessen, was wir weitergeben wollen. In diesem Sinn ist es für solche, die dauerhaft verhindert sind, womöglich ein Gedanke, ihnen jeweils die Aufzeichnung von der Zusammenkunft zur Auferbauung zur Verfügung zu stellen (1. Kor 14). Es wäre dann allerdings wichtig, dass dieses Vorgehen in Einmütigkeit am Ort geschieht.

 

Zum Schluss

Abschließend halten wir fest: Wir brauchen für die Nach-Corona-Zeit keine Innovationen zu erfinden. Wir sollten uns in allem an Gottes Wort halten. Dazu gehört, dass das Zusammenkommen im Namen des Herrn im Mittelpunkt steht, nicht die Frage, wie man es den Gläubigen möglichst leicht machen kann. Sonst besteht nicht nur die Gefahr, dass sich Geschwister am Ort damit zufriedengeben, dass sie ja virtuell zugeschaltet werden können.

 

Solche Gläubige werden relativ rasch herausfinden, wo man sich sonst auch noch virtuell einwählen kann. Und dann ist der Weg nicht mehr weit, dass sich jeder den Ort aussucht, wo er meint, die schönsten und angenehmsten Vorträge zu hören (vgl. 2. Tim 4,3). Gott kann von uns erwarten, dass wir bereit sind, Energie und Wege aufzuwenden, um dem Wort des Herrn nachzukommen. Es lohnt sich, das auch in einer Zeit großer Schwachheit zu verwirklichen. Der Herr hat die Jünger in ihrer Unterschiedlichkeit zusammengestellt und so auch uns, damit wir sein Gebot einander zu lieben verwirklichen (Joh 13,34).