23.04.2020 Versammlung / Gemeinde

Die Versammlung Gottes örtlich darstellen

Einheit des Leibes ausdrücken: am Tisch des Herrn

Rudolf Brockhaus hat einmal über die Versammlung Gottes geschrieben: „Der einzige Platz, die einzige Gelegenheit, wo der Einheit (nicht Einigkeit oder Einmütigkeit) Ausdruck gegeben werden kann, bleibt der Tisch des Herrn. Nur hier findet sie in dem einen Brote, von welchem alle essen, eine sichtbare, sinnfällige Darstellung." (Rudolf Brockhaus: Die Versammlung des lebendigen Gottes, CSV-Nachdruck S. 49, auch: Botschafter des Heils in Christo 60 (1912), S. 39.)

 

Von dem Tisch des Herrn lesen wir in 1. Korinther 10,21. In den vorausgehenden Belehrungen schreibt der Apostel Paulus, wenn er diesen „Tisch" erklärt: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot" (1. Kor 10,16.17).

 

Mit anderen Worten: Der Tisch des Herrn, den wir als den Grundsatz bezeichnen können, nach dem das Mahl des Herrn (1. Kor 11) verwirklicht wird, ist solange vorhanden, wie man dem entspricht, was der Apostel in 1. Korinther 10 vorstellt und vom Brot isst und vom Kelch trinkt.

 

Und bei einer Unterbrechung?

Und was ist, wenn man aufhört, das Brot zu brechen und diese Einheit des Leibes zu bezeugen, den Tod des Herrn zu verkünden (1. Kor 11,26)? Diese Verkündigung findet statt, wenn wir von dem Brot essen und von dem Kelch trinken, wenn wir also das Mahl des Herrn einnehmen.

 

John Nelson Darby warnte vor zu schnellen Schlüssen. In einem Brief schrieb er einmal: „Mein lieber Bruder, der Gedanke, dass man dadurch die Versammlung auflöst, dass man an einem Sonntag oder sogar an zweien kein Brot bricht, scheint mir ohne jegliche Grundlage [in Gottes Wort] zu sein. Eine Versammlung mag an einem Zeitpunkt aus Gottesfurcht oder durch Unruhe oder Verwirrung durch einen verdorbenen Einzelnen kein Brot brechen (und ich habe solch einen Fall erlebt), ohne dass sie dabei den Gedanken hat, sich aufzulösen. Sie tut es, weil sie eine treue Versammlung ist und Gott fürchtet. Warum [kann es noch so sein]? Die Polizei, die Gläubige verfolgt, oder ein gewalttätiger Mann könnten in die Zusammenkunft hineinkommen und die Gläubigen daran hindern, Brot zu brechen. Wenn es durch den Willen der Versammlung sein sollte, dann muss sie auch den Willen haben, sich aufzulösen. Ich vertraue, dass der Herr dieser Verwirrung in ... ein Ende setzen wird. Und ich glaube, Er wird das tun ... Ihre eigene Torheit mag eine Versammlung tatsächlich auflösen."

 

Nun sagt Darby an dieser Stelle gerade nicht, dass eine Versammlung, wenn sie nur eine Woche oder zwei Wochen nicht das Brot bricht, aufhört, als Versammlung in Gottes Augen zu existieren. Und doch zeigt sein Hinweis, dass die Darstellung der Versammlung Gottes praktisch und fortlaufend ausgedrückt werden muss, damit der Tisch des Herrn weiter bestehen bleiben kann.

 

Aus Hesekiel 9-11 wissen wir, dass die Herrlichkeit des Herrn den Tempel zögernd verließ. Dieses „Verhalten Gottes", in Ehrfurcht gesagt, hat sich auch heute nicht geändert. Das wollen wir nicht nur in der aktuellen Situation bedenken. Den Worten Darbys können wir allerdings entnehmen, dass die Gläubigen eine besondere Verantwortung haben, den Tisch des Herrn praktisch „aufrechtzuerhalten", das heißt nach Gottes Grundsätzen vom Brot zu essen und vom Kelch zu trinken.

 

Und was ist, wenn der Herr Unglück bewirkt?

Manche denken daran, dass Gott bestimmte Ereignisse zulässt oder sogar bewirkt (Amos 3,6). Das ist unzweifelhaft die Botschaft des Wortes Gottes auch an anderer Stelle (vgl. Klgl 3,38; Pred 7,14; Jes 45,7). Er ist nicht nur derjenige, der günstige Umstände veranlasst, sondern auch Unglück und schwierige Situationen.

 

Können wir dann „Ereignisse" wie dieses Coronavirus so verstehen, dass Gott uns unseren traurigen Zustand zeigen möchte und dass wir daher in der entsprechenden Zeit nicht mehr als Versammlung zusammenkommen sollten? Es ist offensichtlich, dass der Herr uns zum Nachdenken bringen möchte. Er macht unseren persönlichen und auch unseren gemeinschaftlichen Zustand offenbar. Wer würde anmaßend sagen, in beiderlei Hinsicht wäre alles in bestem Zustand?

 

Der Leuchter in Ephesus

Nun kennen wir eine Situation in Gottes Wort, wo es ausdrücklich heißt, dass der Herr den Leuchter einer örtlichen Versammlung weggenommen hat. So spricht der Herr Jesus zu der Versammlung in Ephesus: „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tu Buße und tu die ersten Werke; wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust" (Off 2,4.5).

 

John Nelson Darby hat einmal in einem Brief an William Kelly geschrieben: „Wenn der Herr den Leuchter von seiner Stelle wegrückt, dann richtet Er nicht immer einen anderen auf. Das ist nicht sein Weg. Er richtet und rückt ihn weg" (Briefe, Band 3, S. 306). Das Wegrücken des Leuchters bedeutet sicher nicht, dass die Versammlung in Ephesus sofort erloschen und nicht mehr vorhanden gewesen wäre.

 

Es heißt vielmehr, dass der Herr, wenn Ephesus nicht zum ersten Zustand zurückkehren würde, sie nicht mehr als Leuchter benutzen konnte. Ephesus hat, soweit wir wissen, noch einige Zeit bestanden. Dann aber nicht mehr, was deutlich macht, dass der Herr diesen Leuchter wirklich weggenommen hat.

 

Aber ist es denkbar, dass der Herr alle Leuchter weltweit an einem Zeitpunkt wegrückt? Das wird so sein, wenn Er wiederkommen wird, um uns in den Himmel zu holen. Dann wird auch die Versammlung, alle wahren Gläubigen als der eine Leib, im Himmel sein und ihr Zeugnis auf der Erde zu Ende. Dann gibt es wirklich keinen Leuchter mehr auf der Erde.

 

Zeugnisgeben ist an die Verkündigung des Todes des Herrn und somit an das Zusammenkommen zum Brotbrechen gebunden ist (1. Kor 11,26). Durch das Brotbrechen verkündigen wir den Tod des Herrn, bis Er kommt. Dadurch bezeugen wir ganz besonders die Einheit der Versammlung (das eine Brot). Dadurch stellen wir dar, was Versammlung Gottes ist. Dadurch leuchtet die Versammlung (1. Tim 3,15).

 

Bis Er kommt!

Wir dürfen bei alledem nicht vergessen, was uns der der Herr durch eine direkte Offenbarung an Paulus mitteilen ließ: „Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt" (1. Kor 11,26). Daraus können wir schließen, dass es den Leuchter auf der Erde geben wird, bis der Herr Jesus wiederkommt. Die Frage ist, ob wir an unserem Ort Teil dieses Leuchters sind oder bleiben ...

 

Können wir damit nicht aus der Schrift begründen und schließen, dass der Herr möchte, dass die Gläubigen Brot brechen? Wird Er sie auffordern, die Verkündigung einzustellen, zu der Er sie konkret und mit ausdrücklichem Wort des Herrn (1. Kor 11,23) auffordert? In Maleachi 1,10 sagt Gott tatsächlich einmal, dass Er die Opfergaben seines (gottlosen) Volkes nicht mehr anzunehmen bereit war.

 

Wir denken auch an den Mann Gottes aus Juda, dem Gott einen klaren Auftrag gegeben hatte - der dann aber auf den alten Propheten aus Israel hörte, der das Gegenteil von dem sagte, was Gott dem Mann Gottes gesagt hatte (1. Kön 13,18-22).

 

Das Wort des alten Propheten schien vernünftig zu sein. Es war auch leichter zu erfüllen. Aber es war Menschenwort, nicht Gottes Wort! Und wer war damals letztlich der Leidtragende? Nicht der alte Prophet aus Israel, obwohl er sogar gelogen hatte, sondern der Mann Gottes, der Gott nicht gehorsam war, obwohl er Gottes Wort direkt gehört hatte. Lasst uns das bedenken.

 

Wie an anderer Stelle deutlich gemacht, verlangte der Herr nicht einmal in den chaotischen und schlimmen Zuständen von Korinth, dass mit dem Brotbrechen aufgehört wird. Trotz ihres traurigen Zustands forderte der Apostel Paulus sie auf, sich zu demütigen, Gott gehorsam zu sein und das Mahl des Herrn einzunehmen.

 

Welchen Stellenwert haben Er und sein Wort für uns?

 

Sicher fragt uns der Herr heute, welchen Stellenwert Er für uns hat, auch sein Wort. Wir kennen seinen ausdrücklichen Wunsch. Daher ist er uns allen auch heute noch so wichtig. Ob Er die Gläubigen prüft, inwieweit wir auch unter schwierigen Bedingungen bereit sind, diesem Wort gehorsam zu sein? Eines ist für uns alle klar: Gottes Wort gibt uns für jeden Fall, der in unserem persönlichen und gemeinschaftlichen Leben auftreten kann, Richtschnur und Grundsätze mit.

 

Der Apostel Paulus macht deutlich, dass die Gewissen der Gläubigen ganz unterschiedlich (schlagen) können. Und dass es weder ein Richten noch ein Verachten unter den Erlösten geben darf, was uns persönlich betrifft. Die gemeinschaftliche Verantwortung ist allerdings eine darüber hinausgehende Sache.

 

Das große Kennzeichen der Gläubigen in Philadelphia war, dass sie mit kleiner Kraft das Wort des Herrn und seinen Namen nicht verleugnet haben. Sie haben auch das Wort seines Ausharrens bewahrt. Das sollte auch in schwieriger Zeit Ansporn für uns sein.