30.03.2020 Versammlung / Gemeinde | Dienst

Menschliche Hilfsmittel

Paulus hätte viele Anlässe gehabt, den Korinthern Einschränkungen aufzuerlegen, Anordnungen zu erteilen und neue Wege aufzuzeigen. Was wir nicht finden, ist, dass er das mit menschlichen Mitteln und Überlegungen tut. Er muss den Korinthern sogar vorwerfen: „Seid ihr nicht menschlich?" (1. Kor 3,4). Mit menschlicher Weisheit war er (gerade bei ihnen) nicht aktiv.

 

Wann immer Krisen inmitten des Volkes Gottes auftreten, stehen wir in Gefahr, in menschlicher Weise zu reagieren, mit menschlichen Mitteln Auswege zu suchen. Das kann gut gemeint sein. Wenn es aber nicht in Übereinstimmung mit Gottes Wort ist, wenn es nicht der Geist Gottes ist, der durch das Wort Gottes wirkt, wenn es von den Zusammenkünften wegbringt, führt es in die Irre.

 

Zusammenkunft zur Auferbauung

In Korinth lief einiges falsch. In den Zusammenkünften waren es die Brüder, die sich in den Mittelpunkt stellten. Sie wollten mit ihren besonderen Gaben gesehen und gehört werden. Paulus schreibt ihnen, dass die Geister den Propheten untertan sein müssen, nicht Gefühle diejenigen leiten dürfen, die einen Dienst tun wollen. Offenbar setzte sich der erste Redner nicht mehr hin, weil er den gesamten Platz für sich beanspruchte. Da sahen manche Brüder keine andere Möglichkeit für sich, als gleichzeitig mit dem ersten und dann zweiten und dann dritten usw. zu reden. Das Ergebnis: Chaos. Jeder tat, was recht war in seinen Augen. Sogar Frauen beteiligten sich am Dienst.

 

Was war das Heilmittel von Paulus? Er sagte nicht: Wir bestimmen jetzt einen Redner und ein Thema. Der ist bei der Zusammenkunft in der Woche dran, jener ist am Sonntag dran. Und dann ist diesem Chaos ein Ende gesetzt. Das wäre menschlich gewesen - gut überlegt, aber nicht von Gott. Ja, der Apostel setzte gewisse Grenzen, innerhalb dieser Grenzen aber gab es Freiheit (1. Kor 14,26-40). Gott sollte regieren, nicht der Mensch etwas bestimmen oder festlegen.

 

Brotbrechen

In Korinth ging alles drunter und drüber. Moralisch, lehrmäßig. Was war das Heilmittel von Gott, denn Er inspirierte Paulus? Legte Gott den Korinthern einen Pause auf, dass sie erst einmal zu sich kommen, sich beugen sollten, um dann irgendwann mit dem Brotbrechen weiterzumachen? Damit wäre das Chaos zumindest unterbrochen worden. Der Apostel hat anders gehandelt.

 

Ja, der Apostel rief die Korinther auf, sich zu demütigen (1. Kor 5,2). Aber er stellte den Korinthern den Wert des Gedächtnismahls vor die Herzen (1. Kor 11,23-26), zeigte ihnen, dass Gott in Zucht zu ihnen gekommen war (1. Kor 11,30) und ermahnte sie: „Jeder aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch" (1. Kor 11,28). Natürlich, einfach auf eine falsche Weise, in Unordnung oder Spaltung weiterzumachen, wäre eine noch verkehrtere Lösung, als aufzuhören. Das aber ist nicht Gottes Weg. Er forderte die Korinther und die Gläubigen in der „Nachfolge von Korinth" auf, sich zu demütigen, zu bekennen, wo nötig weg- und hinauszutun, und dann: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!"

 

Johannes

Johannes war auf Patmos in Gefangenschaft. Er konnte gerade am ersten Tag der Woche nicht an den Vorrechten der Gläubigen teilnehmen (Off 1,10). Schon dieser Hinweis zeigt, wie sehr er sich danach gesehnt hatte. Gab Gott ihm nun eine Vision von der Zusammenkunft in Philadelphia oder Smyrna? Gott tut das nicht.

 

Ja, der Herr zeigte Johannes, dass Er an seinen Knecht dachte. Aber er ab ihm etwas anderes: die Beschäftigung mit seiner eigenen herrlichen Person, dem Sohn des Menschen. Es war eine persönliche Beschäftigung mit dem Herrn. Johannes war tatsächlich verhindert, praktische Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu pflegen. Er war Gefangener. Der Herr schenkte ihm nun ein ganz persönliches Teil. So stärkte Gott das Glaubensleben seines Dieners.

 

Paulus

Der Apostel Paulus war mit seinen Mitarbeitern unterwegs. Anscheinend strengte er sich an, rechtzeitig zum Mahl des Herrn nach Troas zu kommen. Er schaffte es nicht ganz, sondern kam kurze Zeit später an. Aber er war doch mit anderen Dienern des Herrn unterwegs gewesen? Sie waren doch zwei oder drei. Konnten sie nicht nach Matthäus 18,20 zusammenkommen?

 

Nein, Gott passt sein Wort nicht an unsere Umstände an. Nicht dadurch, dass zwei oder drei vorhanden waren, konnten sie das Brot brechen. Matthäus 18 und 1. Korinther 10 und 11 geben uns klare Hinweise, wie das geschehen soll. Paulus nahm für sich kein Ausnahmesituation an. Er blieb bei den Gedanken Gottes, bei seinem Wort. Er hätte ja sagen können: Wir sind nicht im Urlaub zum Entspannen! Wir wollen einfach nur in dieser Ausnahmesituation versuchen, das Mahl des Herrn einzunehmen. Nein, er tat das nicht.

 

Stattdessen blieb er eine ganze Woche in Troas, obwohl er unter Zeitdruck stand, weil er mit einem engen zeitlichen Rahmen ein Ziel vor Augen hatte. Er blieb dennoch, um dann bei der nächsten Gelegenheit das Mahl des Herrn einnehmen zu können (Apg 20,4-7.16). Wo er konnte, selbst unter schwierigen Umständen, brach er das Brot. Aber er machte es nach den Kriterien der Schrift. Er lebte aus Glauben.

 

Prüfungszeiten

Gerade in Prüfungszeiten besteht die Gefahr, „kreativ" zu werden. Aber Gefahren allein sind kein Kriterium. Entscheidend ist, Gott gehorsam zu sein und nach dem Geist des Wortes Gottes zu handeln.

 

Dürfen wir uns nicht überlegen und vor dem Herrn Gedanken machen, wie wir in einer herausordernden Zeit Menschen das Evangelium weitergeben können? Unbedingt! Und wie wir Gläubige mit Gottes Wort erreichen können? Unbedingt. Es muss allerdings auf der Grundlage des Wortes Gottes sein, in geistlicher Weise: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, um die Dinge zu kennen, die uns von Gott geschenkt sind; die wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel" (1. Kor 2,12.13). Wann immer wir uns bei solchen Überlegungen auf der Grundlage von Gottes Wort und in der Gesinnung des Herrn bewegen, gibt es Freiheit.

 

Was sehen wir uns um herum? Das sollte kein Maßstab für uns sein. Wir wollen bei dem bleiben, was wir durch Gottes Wort und hier beispielsweise durch den Apostel Paulus gelernt haben. Er wollte, dass möglichst an allen Orten Gottes Wort verkündigt und Gottes Name angerufen wird (1. Kor 1,2; 14,33).

 

Es besteht immer die Gefahr, dass man einen Weg öffnet, bei dem das Zusammenkommen am Ort nicht mehr den Wert hat, den Gott ihm beimisst, ja das es sogar verachtet wird. Nicht Menschen sollen im Mittelpunkt stehen, sondern der Herr und sein Wort. In früheren Jahrzehnten haben wir leidvoll erfahren, was für Folgen es haben kann, wenn man Menschen hinterherläuft. Diese Gefahr ist immer real, wo echte Gaben wirken. Wir wollen jedoch erkennen, dass Gott die örtliche Herde stärkt, in die der Herr Brüder als Aufseher gesetzt hat (Apg 20,28). Am Ort soll die Herde bewahrt und gehütet werden, ein auch jetzt und heute sehr wichtiger Auftrag. Deshalb sollen (und wollen) wir ja auch am Ort zusammenkommen.

 

Heißt das, dass wir nicht auch mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln über den Ort hinaus wirken können und sollen? Doch! Dafür hat der verherrlichte Herr seiner Versammlung (Gemeinde) Gaben gegeben (Eph 4,11). Sie können auch in einer solchen Zeit ausgeübt werden, in Abhängigkeit von dem Herrn, in Weisheit, zum Wohl der Gläubigen, damit die Herde getröstet und auferbaut wird und nicht hin und her geworfen und umhergetrieben wird von jedem Wind der Lehre, sondern die Wahrheit festhält in Liebe. Dann wachsen wir hin zum Haupt, dem Christus. Das muss immer unser Ziel sein. Und es führt dazu, das man auch in Krisenzeiten am Wort des Herrn festhält.