09.04.2020 Lebensbilder | Persönlicher Glaube

Henry Allen Ironside – auf dem Weg zum Herrn Jesus (FMN)

 

Ein Leben für seinen Meister

Auch Henry Allan Ironside gehört zu dieser „Kategorie" von Gläubigen mit überaus vollem Terminkalender. Er hat mehr als 60 Bücher geschrieben, wobei einige Mitschriften von Predigten sind. Hinzu kommen zahlreiche Schriften und Artikel zu biblischen Themen. Und gereist ist er zwischendurch auch immer wieder. Es lohnt sich, der Spur dieses hingebungsvollen Dieners einmal nachzugehen. 1 Die Einzelheiten dieses Artikels stammen aus dem Buch: „Henry Allan Ironside - ein Leben lang unterwegs für Christus" von E. Schuyler English, erschienen im CLV-Verlag. Dieses Buch ist aktuell leider nur „Second Hand" erwerbbar. (Im englischen Original auch bei ChapterTwoBooks, London)

 

Totgeburt?

Die Vorfahren von Henry Allan waren Bauern in der schottischen Grafschaft Aberdeen. Sein Vater, John Williams, verließ diese Gegend und zog nach Toronto in Kanada (Ontario). Schon früh nahm er Jesus als Retter an. Mit 23 Jahren heiratete er Sophia Stafford und ließ sich mit ihr in Toronto nieder. Dort arbeitete er in einer Bank.

John hatte eine evangelistische Gabe und war wie seine Ehefrau sehr engagiert darin, Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen. Er wurde als „Ewigkeits-Mann" bekannt, weil er jeden neuen Bekannten fragte: „Wo wirst du einmal die Ewigkeit verbringen?"

Am 14. Oktober 1876 wurde den beiden ein erstes Kind geschenkt. Sie nannten es Henry Allan. Allerdings hielt der Arzt den Säugling für eine Totgeburt, so dass sich alle nur um die Mutter kümmerten, die schwach und krank im Bett lag. Einer Krankenschwester, die rund 40 Minuten später doch einen Puls des Kindes entdeckte, ist es zu verdanken, dass dem Kind ein heißes Bad verordnet wurde. Und siehe da: Seine kräftigen Lungen ermöglichten ein lautes Schreien. Gott schenkte den Ironsides noch ein zweites Kind, Henrys Bruder, John Williams Jr. Doch drei Wochen nach der Geburt starb der Vater an Typhus. Er wurde nur 27 Jahre alt.

Henry hatte das Vorrecht, bei einer gläubigen Mutter groß zu werden. Und zugleich ging es sehr ärmlich zu, verbunden mit der traurigen Situation: Die Witwe Sophia musste zwei Halbwaisen allein aufziehen. Eines lernte der junge Henry sehr früh zu Hause: echten Glauben. Immer wieder konnte er seine betende Mutter erleben und ihr festes Glaubensvertrauen auf Gott. Das prägte sein eigenes späteres Leben.

Wenn du gläubige Eltern hast: Hast du Gott schon dafür gedankt, dass Er dich in einer Familie aufwachsen lässt, die den Herrn Jesus lieb hat?

Wenn du heiraten möchtest, dann nimm den Glauben zum Vorbild, den du in deinem Elternhaus erlebt hast. Wenn du keine gläubige Eltern hast, dann nimm dir einen Glaubensmann oder eine Glaubensfrau als Beispiel. Und: Sei später selbst ein Vorbild für deine Kinder!

 

Henrys Kindheit

Henry‘s Kindheit war äußerlich ärmlich, durch viele Besuche aber immer wieder sehr abwechslungsreich, manchmal auch herausfordernd. Oft sagte sich Besuch an, denn Sophia war sehr gastfrei. Manchmal wusste sie allerdings nicht, wie sie die Lebensmittel bezahlen sollte, um die Besucher zu beköstigen. Sie betete zu ihrem Herrn. Und wie sollte es jetzt mit den eigenen Kindern nach dem Besuch weitergehen, nachdem die Besucher versorgt worden waren?

Hier belohnte Gott Sophias Glauben. Als die Gäste das Haus verlassen hatten, fand sie eine Zehn-Dollar-Note unter einem Teller. Voller Dankbarkeit weinte sie vor ihrem Herrn. Dieser Schein hatte damals einen viel höheren Wert als heute. Solche Erfahrungen machte die Familie immer wieder.

Zu Hause lernte Harry, wie Henry auch genannt wurde, immer wieder, wie wichtig es seiner Mutter war, Menschen das Evangelium zu verkündigen. Sophia konnte gut nähen und versuchte damit, Geld für die Familie zu verdienen. Da sie immer mehr Aufträge erhielt, musste sie Näherinnen einstellen. Die beiden Söhne waren immer gespannt, wie lange es dauerte, bis eine neue Mitarbeiterin gläubig wurde. Sie machten sich daraus eine Art „Sport". Die Mutter sprach eindringlich mit den Neuankömmlingen. Oft weinten sie nach einer Zeit, als sie ihr Leben im Licht Gottes sahen. Und dann berichtete einer der beiden Burschen dem anderen: „Jetzt strahlt sie! Ich schätze, sie ist gerettet!"

Nur: Die beiden Jungen hatten sich selbst noch gar nicht bekehrt. Die Bibel stand bei ihnen beiden auch nicht hoch im Kurs, obwohl sie anscheinend sehr früh sehr gut lesen konnten. Mit sieben Jahren bestand Henrys Lieblingslektüre aus „Gullivers Reisen" und „Grimms Märchen". Eines Tages hörte er von einem Mann, dass dieser jedes Jahr die ganze Bibel durchlese. So beschloss er, dasselbe zu tun. Und das schaffte er auch. Mit acht Jahren las er sie zweimal, mit 14 Jahren hatte er „sich selbst eingeholt": 14 Mal hatte er da das Wort Gottes bereits gelesen - von vorne bis hinten.

Liest auch du Gottes Wort fleißig? Das Wort Gottes ist DIE Nahrungsquelle für unser Glaubensleben.

Wie wichtig ist dir die Bekehrung von Menschen, die dich und deine Familie besuchen? Du kannst ihnen einen christlichen Flyer oder einen Andachtskalender schenken.

 

Bekehrt!

Henry hatte durch das offene Haus seiner Mutter auch häufig mit Evangelisten zu tun. Zwei schottische Evangelisten kamen immer wieder zu Ironsides. Die beiden machten Henry das Leben „sauer". Jeden Morgen, wenn sie die Treppe herunterkamen, um zu frühstücken, fragte ihn einer der beiden: „Harry, mein Junge, bist du wiedergeboren?" Er sagte dann gerne, dass er Traktate verteile, die Bibel auswendig lerne usw. „Mein lieber Junge, du kannst Traktate verteilen und trotzdem die ganze Ewigkeit in der Hölle verbringen. Du musst von neuem geboren werden, Harry!"

Kannst du dir vorstellen, wie froh Henry war, dass seine Mutter beschloss umzuziehen? So war er diese beiden „Quälgeister" los - wie er dachte. Aber weit gefehlt. Einige Zeit später besuchten sie seine Mutter an neuem Ort. Und wieder dieselbe Frage ...

Sein Onkel, der zusammen mit ihnen umgezogen war, eilte ihm zur Hilfe. Er teilte den beiden mit, dass Harry doch Sonntagschule halte. Einer der Evangelisten machte ihm deutlich, dass man bekehrt sein sollte, bevor man sich dafür entscheidet, Kinderstunden zu machen. Tatsächlich unterrichtete Henry zeitweise 60 Kinder, obwohl er selbst gerade mal 14 Jahre alt und unbekehrt war.

Henry erkannte, dass der Evangelist recht hatte und gab die Sonntagschularbeit auf. Er stürzte sich jetzt sogar in ein regelrecht sündiges Leben. Eines Tages, als er auf einer entsprechenden Party war, wurde ihm die Leere eines solchen Lebens deutlich. Zu Hause fiel er auf die Knie und bekehrte sich.

Zunächst kehrte aber Ernüchterung bei ihm ein. Er hatte erwartet, dass sich nach der Bekehrung ein überwältigendes Gefühl einstellen würde. Aber nichts passierte. Er bekam einfach kein Hochgefühl. Also begann er wieder von vorne. Noch einmal bekannte er seine Sünden - und wieder nichts. In derselben Nacht noch erkannte er, dass Gott zugesagt hat, dass derjenige, der seine Sünden bekennt, errettet ist. Von Fühlen und Gefühlen stand im Blick auf die Bekehrung nichts in der Bibel. So erkannte er: Er war wirklich wiedergeboren! Was für eine Freude bereitete ihm dieses Bewusstsein!

Hast du dem Herrn Jesus auch deine Sünden bekannt und Ihn als Retter angenommen? Er liebt dich und ist gerade für dich am Kreuz gestorben! Wenn du bekehrt bist, darfst du dich darüber freuen. Erwarte aber keine besonderen Gefühle, die sowieso morgen schon wieder anders sein können.

 

Gute und schwierige Erfahrungen in der Heilsarmee

Jetzt war es eigentlich an der Zeit, seiner Mutter und anderen von seiner Bekehrung zu erzählen. Man nennt das: bekennen. Aber das, was ihm vorher und dann auch später leichtfiel, das Reden und Predigen, blieb ihm jetzt auf einmal sozusagen im Halse stecken. Doch das blieb nicht so!

Nur wenige Tage später erlaubte ihm seine Mutter, eine Straßenversammlung der Heilsarmee zu besuchen. Die Heilsarmee wurde 1865 in London gegründet und war ursprünglich sehr evangelistisch ausgerichtet. Heute konzentriert sich die Heilsarmee besonders auf soziale Tätigkeiten.

Als der Kapitän, wie Leiter der Heilsarmee genannt werden, an jenem Abend seine Ansprache beendet hatte, bat Henry, Zeugnis ablegen zu dürfen. Da er auf die Frage des Mannes glaubwürdig antworten konnte, dass er wirklich bekehrt war, durfte er reden. Es wurden mehr als 30 Minuten ..., bis der Kapitän ihn darauf hinwies, dass die Zeit weit überzogen war. So erfüllte sich sehr schnell das Gebet seiner Mutter. Sie hatte von Gott erbeten, dass ihr Sohn wie der Vater ein engagierter Straßenprediger würde.

Etliche Jahre blieb Henry der Heilsarmee treu. Sein Predigtdienst nahm so zu, dass er seine Arbeitsstellung bei dem Fotostudio, für das er arbeitete, kündigte. Sein Chef sagte: „Schade! Aus einem guten Fotografen haben sie einen schwachen Prediger gemacht." Wir können rückblickend sagen: Das Gegenteil ist wahr!

In dieser Zeit traf Henry einen Diener des Herrn, der ihn nach einer Predigt zur Seite nahm, um über Gottes Wort zu reden. Henry war so beeindruckt von der Wahrheit des Wortes Gottes, die er bislang noch überhaupt nicht kennengelernt hatte, obwohl er fleißig die Bibel las, dass er fragte: „Woher haben Sie diese Dinge?" „Mein lieber junger Mann, ich habe diese Dinge kniend auf dem Lehmboden einer kleinen Strohhütte gelernt." Das merkte sich Henry Ironside ...

Leider hatte die Zeit bei der Heilsarmee auch eine sehr problematische Seite für den jungen Henry. Dort lernte er eine Lehre - die Heiligungslehre -, durch die es ihm verwehrt war, Heilsgewissheit zu erlangen. Man brachte ihm bei: Wenn ein Gläubiger wieder sündigt, dann verliert er die Rechtfertigung vor Gott. So sei ein zweites Werk der Gnade, „Heiligung", nötig, um den sogenannten „zweiten Segen" zu erlangen. Dazu sei es nötig, von der Notwendigkeit der Heiligung überführt zu werden. Dazu gehöre auch eine völlige Übergabe an Gott, die alle Wünsche und persönlichen Ziele abgebe. Und drittens sei das gläubige „Inanspruchnehmen" des Heiligen Geistes notwendig. Dadurch würden alle Leidenschaften und Begierden ausgebrannt und, wie sie meinten, jede in uns wohnende Sünde zerstört.

Diese Lehre steht im Widerspruch zu Gottes Wort. Wir lernen dort, dass das Fleisch nach wie vor in uns wohnt, auch im geistlichsten und erfahrensten Gläubigen. Paulus zeigt in einem wichtigen Teil des Römerbriefs (Kap. 5,12 bis zum Ende von Kapitel 8), dass das sündige Fleisch in uns bleibt, bis der Herr Jesus wiederkommt zur Entrückung oder wir zu Ihm heimgehen. Und solange bleiben uns auch die Leidenschaften und Begierden erhalten, die sich immer wieder durchsetzen wollen.

Diese falsche Heiligungslehre nahm Henry etliche Jahre gefangen. Er konnte nicht dauerhaft glücklich sein und zweifelte immer wieder an seiner Errettung. Es dauerte eine lange Zeit, bis Gott ihm durch das Wort Gottes, die Begegnung mit einer gläubigen Frau und ein Traktat echte Befreiung schenkte: Die Errettung konnte man nicht durch eigene Anstrengungen der Heiligung erreichen, sondern allein durch Christus und sein Werk. In ihm ist uns alles geschenkt, in Ihm haben wir alles! Denn wir sind mit ihm gestorben. Wer das praktisch verwirklicht, sagt „nein" zu den Leidenschaften und „ja" zu einem reinen Leben mit dem Herrn Jesus.

Hast du diese Befreiung von der Macht der Sünde schon erlebt? Es geht nicht um ein Gefühl, sondern „einfach" darum, im Glauben anzunehmen, dass der Herr Jesus nicht nur stellvertretend für dich gestorben ist, sondern dass Er das ganze Gericht über die Sünde für dich getragen hat. Auch dein sündiger, alter Mensch ist mit Ihm am Kreuz von Gott gerichtet worden. Es gibt jetzt keine Verdammnis mehr für dich, die Sünde braucht dich nicht mehr zu beherrschen, weil du neues, ewiges Leben hast, das nicht sündigen möchte. Weil der Geist Gottes in dir wohnt und du damit eine Kraftquelle hast, „nein" sagen zu können. Und weil der Herr Jesus im Himmel ist, als Gegenstand unseres Glaubens. Danke dem Herrn dafür, wenn dir bewusst ist, dass die Sünde keine Macht mehr über dich hat.

Möchtest du dem Herrn Jesus dein Leben weihen, wie Henry Ironside das getan hat? Es gibt viele Möglichkeiten, im Kleinen deinem Herrn zu dienen: Kinderstunde, Flyer verteilen, Gläubige besuchen, Büchertisch machen, mit Gläubigen evangelistische Lieder singen. Vor allem aber geht es um dein tägliches Leben, das du mit dem Herrn Jesus und für ihn führen kannst: in der Schule, in der Ausbildung, im Studium, bei der Arbeit.

In dem zweiten und letzten Teil über Henry Allan Ironside sehen wir uns seinen Dienst für den Herrn und die Führung Gottes in seinem persönlichen und Familienleben an.

 

Folge mir nach – Heft 4/2020


Fußnoten:

1 Die Einzelheiten dieses Artikels stammen aus dem Buch: „Henry Allan Ironside - ein Leben lang unterwegs für Christus" von E. Schuyler English, erschienen im CLV-Verlag. Dieses Buch ist aktuell leider nur „Second Hand" erwerbbar. (Im englischen Original auch bei ChapterTwoBooks, London)