04.01.2020 Matthäus | Prophetie

Die Härte des Volkes Israel

Die Härte des Volkes Israel

Das Gleichnis vom Knecht, dem viel vergeben wurde, der selbst aber nicht vergebungsbereit ist, dient auch als Beschreibung des Zustands und des Weges des Volkes Israel. Das Volk hat sich in besonderer Weise gegen Gott verschworen und sogar seinen einzigen Sohn ans Kreuz gebracht. 10.000 Talente Schulden gegen Gott – das Volk war nicht in der Lage, seine Schuld zu begleichen. Es hätte ins Gefängnis geworfen werden müssen – ohne jemals wieder Aussicht auf den Segen Gottes zu haben.

Damit war Gott aber nicht zufrieden. Wir hören, wie der Herr Jesus am Kreuz betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Gott hörte auf den Ruf seines Sohnes und erließ dem Volk seine Schuld. Petrus durfte ihnen sagen: „Ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt so wie auch eure Obersten … So tut nun Buße und bekehrt euch, damit eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn“ (Apg 3,17.19.20).

Was aber hatte das Volk getan? Es hatte nicht nur Stephanus als weiteren Zeugen Gottes getötet (Apg 7–8), sondern auch dem anderen Mitknecht – er ist ein Hinweis auf die Nationen – jede Gnade verwehrt. Paulus musste klagen: „Sie [die jüdischen Landsleute] wehren uns, zu den Nationen zu reden, damit sie errettet werden, um so ihre Sünden allezeit voll zu machen; aber der Zorn ist völlig über sie gekommen“ (1. Thes 2,16). So finden wir den Zorn Gottes sowohl in 1. Thessalonicher 2 als auch in Matthäus 18,34, wodurch eine Verbindung zwischen beiden Versen hergestellt werden kann.

Aus anderen Stellen wissen wir, dass Paulus gerade deswegen verurteilt und ins Gefängnis geworfen wurde, weil er das Evangelium den Nationen brachte (vgl. Apg 22,21.22). So konnte Gott nicht anders, als sein irdisches Volk den Peinigern zu übergeben. Ist es nicht eine Zeit der Pein, die das Volk seitdem bis heute zu durchleben hat? In vielen Ländern wurde das Volk verfolgt und drangsaliert, bis aufs Blut. Gott sei Dank – es gibt ein „Bis“: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems, und ruft ihr zu, dass ihre Mühsal vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist, dass sie von der Hand des Herrn Zweifaches empfangen hat für alle ihre Sünden“ (Jes 40,1.2). Natürlich – das ungläubige Israel wird nie aus dem Gefängnis herauskommen. Aber es wird wieder solche geben, die umkehren und die Gnade des Herrn erflehen werden. Für sie gibt es Hoffnung. Davon spricht der Herr an dieser Stelle im Matthäusevangelium allerdings nicht.

Dennoch ist es ergreifend, darüber nachzudenken, was für eine immense Schuld Gott seinem irdischen Volk vergeben hat und auch künftig wieder vergeben wird. Denn diese Vergebungshaltung wird ein großes Kennzeichen des tausendjährigen Friedensreichs sein. Auch uns ist eine große Schuld vergeben worden. Wie viel mehr sollten wir bereit sein, anderen zu vergeben.