07.12.2019 Matthäus | Menschliches Zusammenleben

Was ist Vergebung?

Was bedeutet eigentlich „vergeben“ (gr. aphiemi)? Das Wort selbst bedeutet: „wegsenden von sich selbst“. Daraus leitet sich dann ab: etwas (wie Schuld, wie eine Verantwortung) erlassen, vergeben, freisprechen. Es handelt sich dabei um ein freiwilliges, sogar oft unverdientes Gehenlassen. In unserem Abschnitt kommt das Wort viermal vor (Mt 18,21.27.32.35).

Das „Fortsenden“ von Sünden wird sehr eindrücklich in 3. Mose 16 am Sühnungstag illustriert. Das Volk Israel hatte im Laufe eines Jahres viele Sünden getan. Diese wurden durch Handauflegung gewissermaßen gebunden auf einen Ziegenbock, der dann in die Wüste „weggesandt“ wurde. Deswegen wurde dieser Bock „Asasel“ (d.h. „Abwendung“; „der davongeht“) genannt. So waren ihre Sünden förmlich weggeführt.

Woanders wird gesagt, dass Gott unsere Sünden „hinter seinen Rücken geworfen“ hat (Jes 38,17), ein bildlicher Ausdruck, der deutlich macht, dass Er auf Sünden, die Er vergeben hat, nie wieder zu sprechen kommt. Sie sind ein für alle Mal aus seinem Gedächtnis entfernt. An anderer Stelle sagt Er, dass so weit der Osten ist vom Westen (also unendlich weit), unsere Übertretung von uns entfernt worden sind (Ps 103,12). Genau das ist Vergeben: nie wieder die Sünden hervorholen, die wir einem anderen vergeben haben – sie sind zugedeckt worden.

Dass dafür letztlich ein Bekenntnis nötig ist, haben die Verse in Matthäus 18,15-17 deutlich gemacht. Unsere Haltung als Vergebende aber sollte sein, von Herzen zuzudecken, Sünden „wegzusenden“ und nie wieder auf diese zurückzukommen. Das gilt übrigens auch im Blick auf unsere Kinder. Wenn wir ihnen etwas vergeben haben, dürfen wir nie wieder darauf zurückkommen, selbst wenn sie in derselben Sache erneut gesündigt haben sollten.