01.12.2019 Matthäus | Menschliches Zusammenleben

Siebenmal vergeben?

Petrus hatte ein weites Herz! Siebenmal dem Bruder in derselben Sache vergeben ist viel. Wir sollten seine Gedanken daher nicht gering achten. Man kann nachlesen, dass die Rabbiner damals der Meinung waren, dass man maximal dreimal in einer Sache vergeben sollte. Beim vierten Mal war ihrer Meinung nach endgültig Schluss. Petrus wollte dem Herrn, der diese Regel ja kannte, zeigen, dass er ein viel weiteres Herz hatte. Mehr als doppelt so häufig zu vergeben – das wäre doch wirklich der Gipfelpunkt an Gnade. Oder?

Die Antwort Jesu ist wirklich erstaunlich. „Nicht siebenmal, sage ich dir, sondern bis siebzig mal sieben.“ Das heißt nichts anderes als: Immer, ohne Begrenzung! Petrus hatte zwar ein weites Herz gezeigt, aber er wollte immer noch zählen. Das ist nichts anderes, als letztlich doch eine gesetzliche Haltung zu offenbaren. Beim siebten Mal sollte endgültig Schluss sein. Der Herr aber denkt anders. Selbst zehnmal ist nicht genug. Auch nicht hundert Vergebungen an einem Tag. Siebzig mal siebenmal. Natürlich ist die Zahl 490 nicht die entscheidende, sondern das zweimalige Verwenden der Zahl Sieben. Jünger des Herrn sollen bereit sein, in vollkommener Weise – dafür steht diese Zahl – zu vergeben, also in jeder Hinsicht und bei jedem Mal. Und zwar auch dann, wenn jemand in derselben Sache schon hundertmal gegen mich gesündigt hat.

Das lässt sich wesentlich schneller schreiben, als man dazu in der Praxis bereit ist. Letztlich dürfte es wohl fast niemand von uns je erlebt haben, dass eine bestimmte Person hundertmal in derselben Sache gegen ihn gesündigt hat. Es gibt so etwas leider – denken wir an Kindesmissbrauch, denken wir an Ehebruch, denken wir an Lügen usw. Aber diese Fälle sind, dem Herrn sei Dank, eher selten. Wir sind oft schon am Ende unserer Geduld angekommen, wenn jemand dreimal in derselben Sache gegen uns gesündigt hat. Hier lernen wir: Christen sollten immer vergeben. Sie dürfen nie müde werden darin, Gnade zu erweisen gegenüber jemandem, der sich an ihnen versündigt hat. Selbst wenn jemand ständig gegen uns sündigt, sollen wir voller Gnade handeln. Wir sollen ihm nicht sagen: Du hast ja schon wieder gesündigt, aber ich will dir noch einmal vergeben. Das wäre keine ehrliche Vergebung. Diese ist immer frei und von Herzen!