15.11.2019 Apostelgeschichte | Versammlung / Gemeinde | Menschliches Zusammenleben

Gedankensplitter (6) zum Anfang der Versammlung auf der Erde (Apg 2)

Warum gibt es die Sprachengaben heute nicht mehr? Gottes Wort gibt uns dazu wichtige Hinweise.

 

Argumente

  1. Von der Sprachengabe wird in den wenigsten Büchern des Neuen Testaments gesprochen. Wir lesen davon nur im Markusevangelium, in der Apostelgeschichte und im ersten Korintherbrief.

    Konsequenz
    : In Pfingstgemeinden wird dem Sprachenreden eine Wichtigkeit beigemessen, die dieses Phänomen im Neuen Testament nicht hat. Im Gegenteil! Von der Sprachengabe ist in den meisten Briefen und vor allem in den späteren Briefen keine Rede mehr. Das zeigt, wie abwegig es ist, zu glauben, wie es in manchen charismatischen Gemeinden der Fall ist, dass jeder eine solche Gabe haben müsste. Selbst damals war die Gabe der Sprachen nur ein Nebengleis (keineswegs ohne Bedeutung, aber ohne diese zentrale Stellung, die manche dieser Gabe heute geben wollen).

  2. Es handelt sich um wirkliche Sprachen. Zwar ist die „Vokabel“ (im Griechischen) für Sprache und Zunge dieselbe. Aber es ist an keiner Stelle ein unverständliches, nicht zuordbares Faseln oder Lallen gemeint, also nur ein Zungenbewegen. Es geht an allen Stellen ausnahmslos um damals existierende Sprachen (vgl. Apg 2,8-11). Da wir die Zunge brauchen, um eine Sprache artikulieren zu können, verstehen wir, warum die Zunge als Namensgeber für „Sprache“ benutzt wird.

    Konsequenz
    : Wo immer heute das sogenannte Sprachenreden keiner wirklichen Sprache zugeordnet werden kann, handelt es sich im besten Fall um Unfug, den sich Menschen ausgedacht haben. Das alles kann nicht vom Geist Gottes kommen, daher kann man nicht ausschließen, dass es in bestimmten Fällen sogar vom Teufel stammt.

  3. Es handelt sich um Sprachen, die der Redende nie gelernt hat, sondern die allein durch den Geist Gottes in ihm hervorgerufen worden sind: „Sie werden in neuen Sprachen reden“ (Mk 16,17), also in Sprachen, die für den Redenden neu waren.

    Konsequenz
    : Es geht nicht um Erlerntes, sondern um etwas, was der Geist schenkt, was aber real ist und daher auch real verstanden werden kann.

  4. Das Sprachenreden wurde in der Apostelgeschichte von Gott gegeben, als die ganz neue Botschaft bestätigt werden sollte (vgl. Heb 2,4). Die Juden hatten von Gott selbst einen Gottesdienst empfangen. Jetzt wurde das, was Gott gegeben hatte, zur Seite gerückt. Daher war es notwendig, dass Gott durch außerordentliche Interventionen – durch Wunder – bestätigte, dass das Neue wirklich von Ihm stammte. Dazu schenkte Er Zeichen und auch das Sprachenreden. Daher finden wir dieses Sprachenreden sowohl bei der Erstverkündigung der christlichen Botschaft in Apostelgeschichte 2 als auch bei der „Einfügung“ der Heiden in die Versammlung Gottes (Apg 10). Diese hatten keinen Platz im Volk Israel, jetzt aber in der Versammlung Gottes. Das machte Gott durch dieses Wunder des Sprachenredens deutlich. Auch in Apostelgeschichte 19, wo noch Jünger von Johannes dem Täufer bei dem Alten verharrten, bestätigte Gott durch das Sprachenreden, dass dieses „Alte“ nun Vergangenheit war.

    Konsequenz
    : Es gibt heute keine neue Botschaft mehr. Gott hat durch die Apostel alles geschenkt, was wir heute verkündigen. Daher ist es nicht mehr nötig, das Neue (was für uns nicht mehr neu ist, sondern 2000 Jahre alt) zu bestätigen. Die neue Epoche hat mit Apostelgeschichte 2 angefangen, eine wirklich komplett neue Sache. Diese ist heute aber längst „alt“.

  5. Es war nie Gottes Gedanke, dass alle Gläubigen (dauerhaft) in Sprachen reden. Am ersten christlichen Tag in Apostelgeschichte 2 hat Er es so gegeben, dass alle, die im Obersaal versammelt waren, in Sprachen redeten. Aber schon der Apostel Paulus schreibt einige Jahre später: „Haben alle Gnadengaben der Heilungen? Reden alle in Sprachen? Legen alle aus?“ (1. Kor 12,30). Die Antwort, die Paulus damit ausdrückt: Natürlich nicht. Es gab damals Einzelne, aber nur wenige, die diese Gabe hatten.

    Konsequenz
    : Wer davon spricht, dass ein Gläubiger, der geistlich ist, über die Sprachengabe verfügen müsse, widerspricht auf direkte Weise den Worten des Apostels. Es gab damals nur einzelne Gläubige, die eine solche Gabe hatten.

  6. Gott gab die Gabe des Sprachenredens für eine kurze Zeit. Im Gegensatz zu dem Dienst der Weissagung und zur Erkenntnis, die bis zur Entrückung bleiben, hat das Sprachenreden sehr schnell aufgeführt: „Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden“ (1. Kor 13,8). Das Sprachenreden wird verglichen mit einem Bächlein, das von selbst versiegt. Es kommt kein Wasser mehr nach und damit endet das Bächlein. So war das auch mit dem Sprachenreden. Es gibt Kirchenväter, die davon schreiben, dass man bereits im zweiten und dritten Jahrhundert keine Ahnung davon hatte, wovon der Apostel im ersten Korintherbrief gesprochen hat. Weissagung und Erkenntnis werden durch einen machtvollen Handlungsakt Gottes weggetan werden. Das Sprachenreden hat von selbst aufgehört, weil es keine Einsatznotwendigkeit mehr dafür gab.

    Konsequenz
    : Das Sprachenreden hat sehr schnell aufgehört, weil es nicht mehr gebraucht wurde. Es gab auch keine neue Taufe mit dem Heiligen Geist. Das von Gott gegebene Sprachenreden gibt es heute nicht mehr. Es ist im besten Fall eine Erfindung des Menschen …

  7. Die Korinther hielten das Sprachenreden sehr hoch. Für sie war das wichtiger als andere geistliche Gnadengaben. Dabei übersahen sie, dass es Gott viel mehr um inneren Segen als um äußeres Aufsehen ging. Daher benutzt der Apostel ein langes Kapitel (1. Kor 14), um die Korinther von der Vorstellung zu heilen, das Sprachenreden sei überaus wichtig. Er gestattete in den damaligen Zusammenkünften nur ein übersetztes Sprachenreden, und selbst dann durften sich maximal drei Brüder in dieser Weise in einer Zusammenkunft beteiligen. Der Dienst der Weissagung dagegen ist in den Augen des Apostels das Wichtigste in einer Zusammenkunft zur Auferbauung der Gläubigen.

    Konsequenz
    : Wer, abgesehen davon, dass wir gesehen haben, dass es das Sprachenreden heute nicht mehr gibt, diesem Sprachenreden einen solchen Platz gibt, dass er dafür streitet, hat den Apostel gegen sich. Dieser sprach mehr als alle anderen in Sprachen (1. Kor 14,18) und setzt sich dennoch nicht für das Sprachenreden ein. Im Gegenteil! Wir brauchen das Sprachenreden nicht, wohl aber den Dienst der Weissagung.

  8. Zielgruppe des Sprachenredens waren Ungläubige: „Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht den Glaubenden, sondern den Ungläubigen; die Weissagung aber nicht den Ungläubigen, sondern den Glaubenden“ (1. Kor 14,22). Daher waren die Korinther völlig falsch eingestellt, als sie das Sprachenreden in den Zusammenkünften propagierten. Es war eine Methode, durch die Gott vor Ungläubigen die gute Botschaft, die Er neu gegeben hatte, bestätigte. Das Sprachenreden war nie dafür vorgesehen, dass sich Gläubige daran erfreuten.

    Konsequenz
    : In den Zusammenkünften brauchte man das Sprachenreden überhaupt nicht, da Gott es dafür nie vorgesehen hatte. Der Apostel wehrte das Sprachenreden damals nicht, empfahl aber das Eifern um das Geistlichere, das Weissagen. Wie viel weniger ergibt es dann heute Sinn, inmitten der Gläubigen eine (tatsächlich ja nicht mehr vorhandene) Gabe auszuüben.

  9. Das Sprachenreden war ein Gericht an dem Volk Israel: „In dem Gesetz steht geschrieben: ,Ich will in anderen Sprachen und durch andere Lippen zu diesem Volk reden, und auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr‘“ (1. Korinther 14,21; Jes 28,11.12). Gott bestätigte also durch das Sprachenreden nicht nur das Neue, das Er gegeben hatte, sondern Er verurteilte damit auch das Volk Israel, das sich gegen Gott empört hatte und nicht auf Gott hören wollte. Deshalb hatten sie ja ihren eigenen Messias, den König von Gott, verworfen. Und nun gab Gott die Antwort, indem Er den Gottesdienst in allen Sprachen und von allen Völkern annahm, ohne dass diese nach Jerusalem kommen oder sich dem Volk der Juden zugesellen mussten.

    Konsequenz
    : Dieses Problem gibt es heute nicht mehr, weil das Volk der Juden nach Römer 9–11 schon viele Jahrhunderte beiseitegesetzt worden ist. Daher bedarf es der Sprachen auch in diesem Gerichtssinn heute nicht mehr.

  10. Schon zur Zeit der späteren Briefe des Neuen Testaments waren das Sprachenreden und die Wunder Vergangenheit: „Die den Anfang ihrer Verkündigung durch den Herrn empfangen hat und uns von denen bestätigt worden ist, die es gehört haben, wobei Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen“ (Heb 2,3.4). Der Schreiber dieses Briefes spricht nicht davon, dass Gott (noch) mitzeugt durch diese Wunderwirkungen, nein, sie gehörten damals bereits der Vergangenheit an.

    Konsequenz
    : Wenn – vermutlich – Paulus schon von der Vergangenheit dieser Wunder spricht, wie töricht ist es, solche Dinge dann heute praktizieren zu wollen. Es gibt sie nicht mehr, daher können sie nicht von oben, von Gott, kommen, wenn man sie heute tut.

  11. Derselbe Schreiber macht deutlich, dass diese Wunderwirkungen, zu denen auch das Sprachenreden gehört, eigentlich zu einer ganz anderen Zeit gehören: Sie werden Teil des tausendjährigen Friedensreichs sein: „Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben“ (Heb 6,4.5). Gott hatte diese Wunder für eine kurze Zeit „vorgezogen“ zur Bestätigung der christlichen Botschaft. Sie gehören aber zu dem künftigen Königreich in Macht und Herrlichkeit. Dann – nicht heute – werden sie wieder ihren Platz haben.

    Konsequenz
    : Wer heute herrschen möchte, braucht solche Wunder. Aber sowohl das Herrschen (Politik) als auch die Wunder gehören zu dem kommenden Königreich. Dafür hat Gott sie vorgesehen, nicht für heute.

 

Praktische Schlussfolgerungen

Wenn man diese Argumente vor Augen hat, stellt man sich die Frage, warum dann so viele Christen hinter diesen falschen, unbiblischen Erscheinungsformen hinterherlaufen? Warum finden so viele auch heute noch das Sprachenreden so attraktiv?

Die Antwort ist nicht schwer: Es liegt daran, dass unser sündiges Fleisch alles liebt, was großartig, wunderbar, machtvoll, nach außen hin begeisternd aussieht. Und der Teufel hat es geschafft, auf diese Weise ganze Heerscharen an Christen in die Irre zu führen. Kein Wunder, dass die Pfingstgemeinden die einzigen christlichen Gemeinschaften sind, die wirkliches Wachstum aufweisen. Wohlgemerkt – in Zahlen, nicht im Blick auf geistliches Wachstum. Denn bei dem Wachstum bleibt in diesem Punkt der Gehorsam gegenüber Gottes Wort auf der Strecke.

 

Das Fleisch

Auch wir stehen heute in Gefahr, uns in unserem Fleisch ansprechen zu lassen oder es bei uns und anderen anzusprechen, indem wir auf Dinge abzielen, die äußerlich attraktiv sind und erscheinen. Alles das, was unser Fleisch anspricht, findet Anklang bei uns. Gerade durch äußerliche Events, die Ansprache besonders an unsere Gefühle, durch Sichtbares usw. besteht die Gefahr, dass wir nicht mehr nüchtern urteilen und Gottes Wort alles beurteilen lassen, was an uns kommt:

„Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1. Thes 5,21). Wir sollen nicht in absoluter Weise alles prüfen, sondern alles das, was auf uns zukommt. Und dann sollen wir das, was vom und für das Fleisch ist, fallen lassen, das Gute aber festhalten.