07.11.2019 Persönlicher Glaube

Gottes ewiger Plan mit uns (FMN)

„Welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht“ (Röm 8,29.30).

 

Diese beiden Verse beschreiben den Vorsatz Gottes, den Er vor Grundlegung der Welt gefasst hat. Dieser Vorsatz hat die Erlösten zum Inhalt und das Ziel, das Gott mit ihnen verfolgt: Sie sollen einmal im Himmel dem Bild seines Sohnes gleichförmig sein. Dazu werden uns im Römerbrief fünf Tatsachen vorgestellt, die uns zeigen, was Gott getan hat, um dieses Ziel zu erreichen. Diese Tatsachen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume, in denen sie sich erfüllen: auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In der Vergangenheit ist der Gläubige von Gott „zuvor erkannt“ und „zuvor bestimmt“ worden, in der Gegenwart ist er „berufen“ und „gerechtfertigt“ worden und in der Zukunft wird er „verherrlicht“ werden.

 

In anderen Briefen des Neuen Testamentes stellt Gott uns noch weitere Tatsachen vor, die mit dem Vorsatz Gottes in Verbindung stehen und die der Vollständigkeit halber hier nur genannt werden sollen. Es sind die „Auserwählung“ (Eph 1,4), das „Abwaschen“ und das „Heiligen“ (1. Kor 6,11).

Wir beschränken uns in diesem Artikel jedoch auf die Sichtweise des Römerbriefes.

 

 

Stilistische Feinheiten

 

In unseren beiden Versen gibt es zwei Auffälligkeiten, die immer wieder erwähnt werden:

 

1.)  „welche“ – „die(se)“

Diese Kombination benutzt Gott vier Mal in Bezug auf den Vorsatz im Römerbrief. Er teilt uns dadurch mit, dass die einzelnen Handlungen denselben Personenkreis betreffen. Diejenigen, die Er „zuvor erkannt“ hat, sind schlussendlich auch diejenigen, die Er „verherrlicht hat“.

 

2.)  „auch“

Die zweite Auffälligkeit ist das Wort „auch“. Dadurch stellt Gott uns vor, dass es nicht bei einem Stück des Vorsatzes bleibt, das uns zuteilwird, sondern dass „auch“ jedes weitere Stück dem Erlösten sicher ist.

 

Die zwei Tatsachen der Vergangenheit

„zuvor erkannt“

Gott hat uns in der Ewigkeit, vor der Zeit, erkannt. Zu diesem „Zeitpunkt“ waren weder die Himmel noch die Erde noch wir Menschen erschaffen. Da hatte Gott bereits schon erkannt.

Der Wortumfang von „erkennen“ in Gottes Wort geht weiter, als etwas zu wissen, also in diesem Fall vorher zu wissen. Es ist wahr, dass Gott allwissend ist. Zuvor erkennen oder erkennen überhaupt ist jedoch mehr. Gott richtete sein Auge aktiv auf bestimmte Menschen, um sie zum Gegenstand seiner Segensabsichten zu machen. Verse wie Römer 11,2 zeigen das deutlich.

 

„zuvor bestimmt“

Die, die Er zuvor erkannt hat, diese hat Er in der Ewigkeit, vor der Zeit, auch „zuvor bestimmt“. Das bedeutet, jemanden für etwas Festes zu bestimmen, ohne dass es widerrufen werden kann. Dieses Zuvorbestimmen wird mit zwei konkreten Absichten verbunden:

1.)  Damit die Gläubigen dem Bild seines Sohnes gleichförmig seien.

2.)  Damit Christus der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.

 

Dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein

 

Es ist Gottes Absicht und sein Ziel, dass einmal der Himmel gefüllt sein wird mit Erlösten, die dem Bild seines Sohnes gleichförmig sind. Das wird dann geschehen, wenn der Herr Jesus zur Entrückung wiederkommen wird und unseren Leib der Niedrigkeit zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit umgestalten wird (Phil 3,20; Joh 17,22). Dann werden wir Ihm gleich sein und Ihn sehen können, wie Er ist (1. Joh 3,2).

Heute sind wir geistlicherweise dem Herrn schon gleich. In der Herrlichkeit wird das aber vollständig für uns gelten, den Leib eingeschlossen. Das ist das große Ziel Gottes mit uns. Dennoch müssen wir beachten, dass wir dem Sohn nicht in seinem Wesen als Gott gleich sein werden. Die Gleichförmigkeit bezieht sich auf den verherrlichten Menschen Jesus Christus.

 

Damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern

Der zweite Punkt ist hier, dass der Herr Jesus der Erstgeborene sein wird unter vielen Brüdern. Wenn wir Gläubigen, auch Brüder genannt (Heb 2,11), im Himmel dem Bild des Sohnes gleichförmig gemacht worden sind und dem Herrn Jesus gleich sein werden, dann wird Er dennoch den Vorrang vor uns haben. Das beinhaltet der Begriff „Erstgeborener“. Der Herr Jesus wird also eine Vorrangstellung besitzen und damit den ersten Platz haben.

 

Aus anderen Bibelstellen wie 1. Johannes 3,2 wissen wir, dass diese Wahrheit besonders mit dem Augenblick verbunden wird, wenn der Herr Jesus auf dieser Erde erscheinen wird, um das Königreich in Macht aufzurichten und zu regieren. Wir werden dann in Gleichförmigkeit mit seinem Leib, mit Ihm, vor der Welt sichtbar werden (2. Thess 1,10). Dabei wird Er unter uns den ersten Platz einnehmen. Wir werden seine Repräsentanten sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass seine Vorrangstellung nur auf die Zeit des Reiches beschränkt sein wird. Nein, Er wird immer, zu jedem Augenblick, den Vorrang haben.

 

 

Die zwei Tatsachen der Gegenwart

Nachdem Gott uns zuvor erkannt und zuvor bestimmt hat, folgen weitere Handlungen Gottes in Bezug auf uns: „berufen“ und „rechtfertigen“. Beide beziehen sich auf die Gegenwart, also auf unsere Lebenszeit.

 

„berufen“

Gott „beruft“ einen Menschen während seines Lebens. Dieser Ruf Gottes richtet sich an die, die Er „zuvor erkannt“ und „zuvor bestimmt“ hat. Wenn wir in den Briefen davon lesen, dass wir berufen worden sind, bedeutet das, dass der Ruf angenommen und befolgt wird. Das Evangelium der Gnade Gottes erreichte uns und wir nahmen es an. An anderen Stellen, beispielsweise in den Evangelien, wird ein Ruf Gottes gezeigt, dem man nicht folgen kann (z.B. Mt 22,14).

Gottes Vorsatz aber ist und bleibt unantastbar und sicher. Menschen, die Gott in der Vergangenheit „zuvor erkannt“ und „zuvor bestimmt“ hat, folgen jetzt in der Gegenwart seinem Ruf – sie nehmen den Herrn Jesus im Glauben an, indem sie Buße tun, sich zu Gott bekehren und an das Werk des Herrn Jesus glauben.

 

An dieser Stelle soll kurz erwähnt werden, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich zu Gott zu bekehren. Es ist sein Wille, „dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit komme“ (1. Tim 2,4). Der Mensch hat die Verantwortung, zu Gott zu kommen. Wenn er nicht will, geht er verloren. Er geht nicht verloren, weil Gott nicht wollte, sondern weil er selbst „nein“ zum Evangelium der Gnade gesagt hat. Wenn der Mensch will, wird er errettet werden!

 

„gerechtfertigt“

Jeder Mensch ist von Natur aus ein Sünder, ein Ungerechter, der unter dem Verdammungsurteil Gottes steht. Aber in dem Augenblick, in dem er sich bekehrt und an Jesus Christus glaubt, wird er gerechtfertigt. Dabei spricht Gott als höchste Instanz (Röm 8,33) ihn von jeder Schuld und Sünde frei und stellt ihn damit als einen Gerechten vor sich hin. Dadurch steht er so vor Gott, als hätte er nie gesündigt. Das ist Rechtfertigung. Mit dieser neuen Stellung als Gerechter wird er nun nicht mehr von Gott verdammt, es gibt keinen Anklagepunkt mehr.

Dabei stützt Gott sich auf die vollkommene Grundlage des Blutes des Herrn Jesus (Röm 5,9). Auf dieser Grundlage kann Er uns rechtfertigen, ohne seine Gerechtigkeit und Heiligkeit preiszugeben. Die Strafe für unsere Sünden hat Jesus Christus getragen und ist dafür in den Tod gegangen – Er hat „bezahlt“. Zuteil wird uns die Rechtfertigung durch Glauben – nicht durch Gesetzeswerke (Röm 5,1; Gal 2,16). Doch zugleich ist es auch seine Gnade, durch die wir gerechtfertigt worden sind (Tit 3,7). So ist der Ursprung der Rechtfertigung die Gnade, die Grundlage der Rechtfertigung das Blut und das Mittel zur Rechtfertigung der Glaube.

 

 

Die letzte Tatsache der Zukunft

„verherrlicht“

Nachdem wir nun von Gott gerechtfertigt worden sind, wird Er uns eines Tages verherrlichen. Das geschieht dann, wenn der Herr Jesus kommt und uns zu sich holt. Wie wir schon gesehen haben, wird Er dabei „unseren Leib der Niedrigkeit zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit umgestalten“ (Phil 3,21; Joh 17,22). Dann werden wir Ihn sehen können, wie Er ist. Obwohl unsere Verherrlichung noch zukünftig ist, beschreibt Gott sie so, als sei sie schon geschehen: „Diese hat er auch verherrlicht“ (Röm 8,30). Gottes Wort benutzt interessanterweise für die Verherrlichung in der Zukunft eine Vergangenheitsform (den Aorist), die hier das Genannte als eine feststehende Tatsache beschreibt. In seinem Vorsatz hat Er uns schon verherrlicht, aber in der Realität wird Er uns noch verherrlichen. Doch weil uns sein Vorsatz schon als verherrlicht betrachtet, ist unsere Verherrlichung eben auch absolut sicher. Daran wird nichts und niemand Ihn mehr hindern können.

 

In diesen fünf Tatschen wird uns ein Blick in das Herz Gottes gegeben. Er teilt uns heute mit, was Ihn in der Ewigkeit – vor der Zeit – beschäftigt hat und was sein unumstößlicher Plan mit den Erlösten ist. Es war vor Grundlegung der Welt, bevor je ein Mensch existierte, sein vollkommener Wille, einmal Erlöste im Himmel zu haben, die dem Bild seines Sohnes gleichförmig sein werden. Diese sichere Hoffnung der Erlösten ist die Blickrichtung des Apostels Paulus im achten Kapitel des Römerbriefes. Der Weg dazu konnte nur durch das Werk des Herrn Jesus bereitet werden. Und bald wird sich die Verherrlichung auch noch tatsächlich erfüllen – vielleicht heute noch! Dann wird Er mit uns am Ziel sein – so, wie es sein unwiderruflicher Vorsatz vorsieht.

Folge mir nach – Heft 11/2019