28.09.2019 Menschliches Zusammenleben | Versammlung / Gemeinde

Von der Gebetslosigkeit zur Fürbitte

 

Stell dir einmal vor, Gott würde heute einen Propheten in deine Gemeinde senden, der durch eine unmissverständlich klare Botschaft den Finger auf die wunden Punkte im Gemeindeleben legen und das Gericht über das Abweichen von Gottes Gedanken im Gebet erbitten würde. Wie würden wir reagieren?

Ist nicht jetzt die Weizenernte? Ich will zu dem HERRN rufen, und er wird Donner und Regen geben. Und ihr sollt erkennen und sehen, dass eure Bosheit, die ihr getan habt, einen König für euch zu begehren, groß ist in den Augen des HERRN“ (1. Sam 12,17).

Genauso war es bei dem Volk Gottes in Israel, nachdem es in Saul einen König gefordert hatte. Gott hatte Samuel mit einer sehr eindringlichen Botschaft zu seinem Volk gesandt. Samuel betete wegen der Sünde des Volkes zu Gott um „Donner“ und „Regen“ mitten in der „Erntezeit“ und Gott ließ das Gericht hereinbrechen. Doch eins war für den Propheten Samuel auch klar: Es wäre für ihn ebenso eine Sünde gewesen, wenn er jetzt aufgehört hätte, für das Volk zu beten. 

Gebetslosigkeit ist also eine Sünde vor Gott.

Aber ist unsere Gebetslosigkeit nicht gleichzeitig auch die Sünde, die wir oft so wenig ernst nehmen und so gut mit Ausreden zu entschuldigen wissen? Wir haben keine Zeit, wir sind müde, der Dienst und die Arbeit haben Vorrang. Es gibt so viel, was wir vorzubringen haben.

Interessant ist jedoch, dass im Anfang der Gemeindezeit bei den Christen das Gebet die erste Priorität hatte und dann erst der Dienst folgte (Apg 6,4). 

Samuel gibt uns zudem ein Vorbild für echte Fürbitte. In der Fürbitte wenden wir uns für andere ganz bewusst an Gott, um sie und ihre Bedürfnisse vor Gott zu bringen. Auch der Herr Jesus ist in der Fürbitte für andere eingestanden – Er betete z.B. schon für Petrus, bevor dieser ihn verleugnete, damit der nicht im Glauben „Schiffbruch“ erleiden würde (Lk 22,32).

Besonders das Leben und der Dienst des Apostels Paulus ist von Fürbitte für die Gläubigen an den verschiedenen Orten gekennzeichnet. Paulus wusste immer ganz genau, wie er für die einzelnen Gemeinden und Gläubigen beten wollte.

Liegen dir eigentlich die Gläubigen deiner Heimatgemeinde so am Herzen, dass du zumindest regelmäßig für sie betest? Hast du eine echte Ahnung von den Bedürfnissen des Einzelnen? Weißt du, was die Schwachpunkte und „Wachstumspotentiale“ in deiner Heimatgemeinde sind, um konkret dafür zu beten?

Paulus dachte in jedem seiner Gebete an die Christen in Philippi und er betet mit einem freudigen Herzen für sie. Von Zwang, mühsamer Last und täglichem Kampf, um überhaupt zu beten, keine Spur (Phil 1,4). Er betete dafür, dass ihre „Liebe noch mehr und mehr überströme in Erkenntnis und aller Einsicht“ (Phil 1,9).


Für die Christen in Kolossä kämpfte Paulus einen „Gebetskampf“ (Kol 2,1), obwohl er sie bis dato noch nie persönlich gesehen hatte. Paulus betete für sie um geistliches Wachstum und um eine tiefere Erkenntnis des Willens Gottes (Kol 1,9) und fand auch immer wieder einen Grund, um für sie zu danken (Kol 1,3).

Die junge Gemeinde in Thessalonich konnte sich auch der Fürbitte des Apostels Paulus bewusst sein, dem es im Gebet ein Anliegen war, dass ihr leben der hohen, göttlichen „Berufung“ entsprach und sie durch Gottes Kraft ein Leben des Glaubens führen konnten (2. Thes 1,11).

Vielleicht fragst du dich auch manchmal, für was du im Blick auf deine Glaubensgeschwister am Ort und darüber hinaus beten kannst – dann untersuche einmal das Gebetsleben von Paulus. Und noch etwas: Zu den Christen der örtlichen Gemeinde an deinem Heimatort gehören alle Gläubigen, nicht nur die, mit denen du die gleichen Gemeindezusammenkünfte besuchst.

Fürbitte für andere wird dein Herz weiten, um den ganzen Leib Christi im Blick zu behalten.