19.07.2019 Apostelgeschichte | Persönlicher Glaube

Gedankensplitter (4) zum Anfang der Versammlung auf der Erde (Apg 2)

Eine persönliche Segnung

 

In Apostelgeschichte 2,3 lesen wir: „Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen.“

 

Eine korporative Segnung

Gott hat also nicht nur das Wunder bewirkt, dass die Versammlung (Gemeinde) Gottes insgesamt entstanden ist. Das ist insofern ein Wunder, als Menschen, die vorher zwar Gläubige waren, aber jeder für sich ein Glaubensleben besaßen, nun untrennbar miteinander verbunden sind.

 

In den ersten Tagen, Wochen und Monaten waren das im Wesentlichen nur Gläubige aus dem Judentum. Aber wir werden in diesem Kapitel noch sehen, dass dieser wunderbare Organismus (nicht diese Organisation!) von Anfang an den Keim in sich besaß, dass Gläubige aus Israel und aus den Nationen Teil dieser Kirche Gottes sind (vgl. Apg 2,39). Das ist ein zweites Wunder. Denn sie waren vorher miteinander in Feindschaft.

 

Der Geist Gottes kam auf jeden Einzelnen

Nun aber kommt in unserem Vers noch ein weiteres Wunder hinzu. Der Geist Gottes bewirkte nicht nur eine wunderbare, ganz neue Einheit in der Versammlung. Er ließ nicht nur ein Kollektiv entstehen, sondern in diesem Kollektiv hat auch jeder Einzelne eine direkte Verbindung mit dem Geist Gottes.

 

Als Menschen trennen wir zwischen einem Organismus und seinen Einzelteilen. Und tatsächlich unterscheidet Gottes Wort beispielsweise in 1. Korinther 12 sehr deutlich den Leib und die einzelnen Glieder. Aber sie werden in dem göttlichen Werk nicht voneinander getrennt. Gott schenkt eine neue Einheit und Er schenkt zugleich eine wunderbare Individualität, die bestehen bleibt. Der Organismus hebt die Einzelpersönlichkeit derer, die dieses Kollektiv bilden, nicht auf.

 

So setzten sich die zerteilten Zungen, ein Hinweis auf den Geist Gottes, auf jeden Einzelnen der ungefähr 120 versammelten Gläubigen. Aus 1. Korinther 6,19 lernen wir, dass der Geist Gottes nicht nur auf jeden Einzelnen kam, sondern in jedem einzelnen Gläubigen heute wohnt. Wir sind gewürdigt, der Tempel des Heiligen Geistes zu sein. Was für eine wunderbare Segnung! Aber was für eine gewaltige Verantwortung ist damit verbunden, der Heiligkeit dieses Gastes, der zugleich unser Herr und Eigentümer ist, zu entsprechen.

 

Zungen

Warum sind es Zungen, die auf die Gläubigen kamen? Die Zunge ist das Organ, mit dem ein Mensch spricht. Und Gott hat die Gläubigen, die jetzt die Versammlung Gottes bilden, zu Zeugen gemacht. Das gilt ganz besonders am Anfang der christlichen Zeit, wo die Apostel und auch die weiteren Gläubigen Zeugen der Gnade und des Evangeliums Gottes waren. Das ist aber auch heute noch wahr. Die wenigsten von uns sind Evangelisten (Eph 4,11). Aber wir alle sind seine Zeugen, jedenfalls sollten wir es sein.

 

Gott ließ also durch die Versammlung auf der Erde ein gänzlich neues Zeugnis entstehen. Bislang war Israel sein Zeuge, sein Repräsentant auf der Erde. Dieses Volk aber hatte versagt und seinen eigenen Messias ans Kreuz gebracht. So stellte Gott es zur Seite (Röm 9–11). Jetzt ist die Versammlung Gottes sein Zeuge. Sie ist es kollektiv (1. Tim 3,15), aber jeder Einzelne der Versammlung ist ebenfalls ein Zeuge für Christus.

 

Zerteilt

Warum waren die Zungen zerteilt? Auch dadurch zeigt der Geist Gottes, dass dieses Zeugnis nicht nur für ein Volk gilt, für das Volk der Juden, sondern sowohl für Juden als auch für die Nationen.

 

Es ist also kein geteiltes Zeugnis, sondern ein Zeugnis (eine Zunge), das in seinem Ziel auf zwei Bereiche gerichtet ist, die sich bis zu diesem Zeitpunkt feindlich gegenüberstanden (Eph 2,14) und die nun beide Empfänger des Zeugnisses Gottes werden.

 

Wie von Feuer

Diese Zungen waren wie von Feuer. Das macht deutlich, dass es nicht nur um ein Zeugnis der Gnade Gottes geht. Das ist es, ganz gewiss. Es ist jedoch ein Zeugnis, dass der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes entspricht und darauf gegründet ist. Heiligkeit ist nicht nur die Abwesenheit von Sünde und ist sicherlich nicht ein Hinweis auf die Gnade und Liebe Gottes.

 

Heiligkeit ist die in Gott wohnende Kraft des Lichtes. In Ihm wohnt keine Finsternis, nicht einmal der Hauch davon, der Schatten von Finsternis. Da ist nichts, was irgendetwas mit Bösem, Sünde oder Unreinheit zu tun hat. Es ist die aktive Trennung von allem, was Verderbnis, Gewalttat, Lüge oder Betrug beinhaltet. Da ist keine Kompromisshaltung, kein Übergehen von dem Geringsten, was Gottes Wesen und Klarheit verdunkeln könnte oder im Widerspruch zu diesem Wesen steht.

 

Gott ist Licht und Liebe. Hier nun steht sein Licht im Vordergrund, ohne dass Er im Widerspruch zu seiner Liebe handeln würde. Denn Er sendet Zeugen aus, um Menschen zur Umkehr zu führen, damit auch sie zur Versammlung Gottes gehören. Die Gnade herrscht, aber sie herrscht durch Gerechtigkeit (Röm 5,21).

 

Man könnte hinzufügen, dass das Feuer (der Zungen) auf die durchdringende, beurteilende Kraft des Wortes Gottes hinweist. Denn dieses Wort ist „durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens, und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,12.13).

 

Wir finden in diesem Vers somit ein kraftvolles neues Zeugnis, das der Geist Gottes hervorbringt. Er benutzt dazu diejenigen, die Er zur Versammlung Gottes zusammengefügt hat. Er macht sie zu mächtigen Zeugen, die sein Wort auf der Erde verkündigen. Das zeigen die weiteren Abschnitte dieses Kapitels.

Der Geist Gottes bei Christus

Wie ganz anders und doch nicht konträr dazu war der Charakter des Kommens des Geistes auf den Herrn Jesus. Wie bereits früher bemerkt, bewohnte der Geist Gottes den Herrn Jesus von Anfang an, nicht erst bei der Taufe durch Johannes (vgl. Kol 1,19).

 

Aber als der Geist Gottes zur Salbung des Dienstes Jesu öffentlich auf Ihn kam, war es „wie eine Taube“, nicht wie Zungen von Feuer (Mt 3,16). Die Taube ist ein Hinweis auf den Einen, der heilig, arglos und unbefleckt in Gnade und Liebe auf die Erde kam. Es ist der Herr in seiner Sanftmut, wie Er zu den Menschen sprach. Auf diese Weise kam der Geist Gottes am Pfingsttag nicht auf die Erde, sondern in äußerer Kraftentfaltung, auf der Grundlage göttlicher Gerechtigkeit.

 

Dieses Zeugnis hält an bis zur Entrückung. So wollen wir dieser Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes entsprechen und treue Zeugen sein. Das ist und bleibt unser Auftrag, bis der Herr Jesus wiederkommt. Ein gesegneter Dienst.