17.07.2019 Buchbesprechungen | Dienst

Buchbesprechung: Bitte hilf meiner Seele (von Wolfgang Vreemann)

Das Buch

Auf 422 gut zu lesenden Seiten (Preis: 16,90 Euro) behandelt Wolfgang Vreemann sowohl biblische Grundlagen der Seelsorge als auch die aus seiner Sicht wichtigsten psychischen Erkrankungen. In einem dritten Teil geht der Autor dann noch auf besondere Seelsorgethemen ein.

Nach einer Einführung über die biblische Seelsorge schreibt Vreemann darüber, wer diese Seelsorge nötig hat und wie man sich die tätige Seelsorge vorstellen kann.

Als wichtigste psychische Erkrankungen behandelt er Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Alkoholkrankheit und psychosomatische Erkrankungen.

Als besondere Seelsorgethemen schreibt er über Stress, Kränkungen und Verbitterungen, Generationsprobleme in der Pubertät, Missbrauch (geistlicher, sexueller), Vergebung, Seelsorge bei Sterbenden. Der Autor schließt mit einem „biblischen Vorsorge- und Fitnessprogramm“.

 

Der Autor

Dr. Wolfgang Vreemann hat viele Jahre als Facharzt für Innere Medizin in einer Gemeinschaftspraxis gearbeitet, war zeitweise Vorsitzender des Weißen Kreuzes und hat über viele Jahre einen nützlichen Seelsorgedienst in Versammlungen (Gemeinden) getan, nicht nur im Rahmen seiner medizinischen Praxis.

 

Positives

Es ist unmöglich, an dieser Stelle zu den einzelnen Kapiteln Inhaltsangaben zu geben. Das würde den Rahmen dieser Buchbesprechung sprengen. Man kann schlicht sagen, dass der Leser zu jedem der genannten Kapitel eine verständliche Einführung erhält und aus der reichhaltigen Praxis des Autors vielfältige Beispiele und Konkretisierungen erfährt. Natürlich könnte man sich zu jedem Thema jeweils ein einzelnes Fachbuch kaufen. Aber im Rahmen eines solchen Buches, das die Seelsorgearbeit erleichtern soll, sind die einzelnen Kapitel mehr als ausreichend.

 

Man kann sagen, dass dieses Buch gerade dadurch besticht, dass es sehr bibelorientiert geschrieben worden ist. Von Anfang an führt der Autor seine Gedanken immer wieder auf Gottes Wort zurück. Damit verbunden sind jeweils saubere Auslegungen.

 

Darüber hinaus kann man nur dankbar sein, dass Wolfgang Vreemann einen sehr nüchternen Stil gewählt hat, so dass man wirklich fachlich in diese verschiedenen Themen eingeführt wird. Auch die Wortwahl des Buches kann man nur als ausgewogen und angenehm beschreiben.

 

Wer sich ein wenig einlesen möchte in das Thema des Hirtendienstes, findet in diesem Buch einen reichen Schatz an Hilfestellungen. Er wird sehr viel wertvolle Hinweise mit in die Praxis nehmen können. Das Buch ist einfach: sehr gelungen.

 

Negatives

Wenn man Kritik äußern will, muss man zugeben, dass es Kritisieren auf hohem Niveau ist. Ich will nicht sagen, dass man Kritikpunkte geradezu suchen muss. Aber es ist fast so …

 

Insgesamt sind manche Artikel, besonders in den ersten beiden Teilen, etwas langatmig verfasst. Man wünschte sich hier eine gewisse Schärfung des Textes und der Argumentation.

 

Bedauerlich ist auch, dass sich W. Vreemann für die Neue Evangelistische Übersetzung entschieden hat. Diese hat ihren Platz, wenn man Ungläubigen Gottes Wort weitergeben möchte. Aber manchmal sind die Zitate gewöhnungsbedürfig. Man denke an Markus 14, wo aus dem Garten Gethsemane berichtet wird in einer Weise, die zumindest sehr unglücklich ist (S. 152).

 

Manche biblischen Beispiele für Erkrankungen wirken auch gesucht. Kann man in 4. Mose 11 wirklich von einer Depression Moses sprechen? War Jeremia wirklich im medizinischen Sinn depressiv (S. 108; 112)?

 

Leider empfiehlt Wolfgang Vreemann immer wieder parallel zu einem Facharzt auch einen Psychologen. Natürlich gibt es bestimmte psychische Problemkreise, wo ein Verhaltenstherapeut eine gute Hilfestellung geben kann. Aber die allgemeine Empfehlung für Psychologen erscheint angesichts der Tatsche, dass die meisten ein evolutionäres, atheistisches Weltbild haben, eher gefährlich. In diesem Zusammenhang fehlt mir auch eine ausreichend kritische Auseinandersetzung mit den Methoden der modernen Psychotherapie.

 

Sicherlich gibt es noch andere kleinere Punkte, über die ich nicht so glücklich bin. Aber sie fallen nicht ins Gewicht. Denn alles in allem ist das vorliegende Buch ein außerordentlich hilfreiches Nachschlagewerk zu den wesentlichen Bereichen, mit denen man es in der Seelsorge bei medizinischen und seelischen Defiziten zu tun hat. Ich kann dieses Buch nahezu uneingeschränkt als Hilfestellung im Hirtendienst empfehlen. Dabei gilt es zu beachten, dass man sich diesen nicht „erwerben“, „anarbeiten“ kann, sondern dass es – wie für jeden Dienst – einer Berufung vom Herrn bedarf. Aber vielleicht kann das Lesen dieses Buches dazu beitragen, dass mehr Geschwister als bislang erkennen, dass sie in diesem Bereich ein Aufgabenfeld vom Herrn haben.

Dieses Buch kann man über den CSV-Verlag erwerben.

 

PS: Manchmal werde ich gefragt, ob man Bücher eines bestimmten Autors, also auch andere, uneinschränkt empfehlen kann. Nun ist es so, dass jeder Dienst nach Epheser 4,11 ff. ein Dienst auch zur Auferbauung und damit zum Wohl der Versammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes ist bzw. sein sollte. Und damit kommt natürlich auch die Frage ins Spiel, was für einen kirchlichen Weg jemand geht. Dadurch gibt es aus meiner Sicht oft leider gewisse Einschränkungen, was auch im Blick auf den hier genannten Autor wahr ist. Da aber die Bücher, die ich bislang gesehen haben, das Thema Versammlung (Gemeinde) überhaupt nicht berühren, ist das sicher anders als bei Autoren wie William MacDonald, die in vielen Büchern auch die Frage von Gemeinde und Zusammenkommen (Abendmahl) berühren. Zudem geht es im vorliegenden Buch vor allem um einen persönlichen Dienst im Blick auf Einzelne, was bestimmte Krankheiten usw. betrifft, die unabhängig von dieser Frage zu behandeln sind.