13.07.2019 Matthäus | Versammlung / Gemeinde

Mahnende Gedanken zum Binden und Lösen (3)

Nehmen wir den Fall an, eine Person kommt in geistliche Schwierigkeiten und muss durch einen Arbeitsplatzwechsel an einen anderen Ort ziehen. Der Ursprungsort hatte dabei Gespräche mit der betreffenden Person geführt und auch die örtliche Versammlung darüber informiert. Nun zieht diese Person an einen anderen Ort, zum Beispiel wegen eines Arbeitsplatzwechsels.

Aus diesem Grund besucht sie auch die Zusammenkünfte an diesem neuen Ort. 1 Dass man einer biblischen Zucht nicht durch „Flucht“ an einen anderen Ort entgehen kann, muss nicht weiter erklärt werden. Denn die Versammlung Gottes handelt – egal an welchem Ort – nach denselben biblischen Kriterien. Wenn also jemand an einen anderen Ort zieht und es wird deutlich, dass die Person ein Problem „mitnimmt“, wird sich das Zusammenkommen am „neuen“ Ort bei Verantwortlichen am „alten“ Ort erkundigen und entsprechend die Verantwortung übernehmen. Nach einiger Zeit, sagen wir Jahre später, haben sich die Probleme immer noch nicht gelöst. Es kommt zu weiteren Komplikationen. Nun sieht die Versammlung (Gemeinde), an der diese Person ursprünglich gewohnt hat, die Notwendigkeit, einen Ausschluss im Sinn von 1. Korinther 5,11-13 auszusprechen, beispielsweise, weil auch eine andere Person an dem früheren Problem beteiligt war und nach wie vor am Ursprungsort wohnt. Entscheidend sind jetzt nicht diese konstruierten Beispiele, sondern die sich jetzt daraus ergebende Frage.

Was ist nun eigentlich mit der Person, die nun womöglich seit etlicher Zeit an anderem Ort wohnt? Wer ist geistlich für sie verantwortlich? Ist der Ort, von dem eine Person vor Jahren weggezogen ist, zuständig? Wie gesagt, natürlich kann man sich der Zucht einer örtlichen Versammlung nicht dadurch entziehen, dass man einfach an einen anderen Ort zieht (oder womöglich gar nicht mehr die Zusammenkünfte besucht).

Dennoch wird durch Gottes Wort ganz klar, dass die Aussagen und der Geist der Schrift die Versammlung für verantwortlich hält, wohin die „Problem-Person" gezogen ist. Paulus sagt zu Ältesten: „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen" (Apg 20,28).

Mit anderen Worten, diese (neue) örtliche Versammlung würde sich schuldig machen an dieser Person, wenn nicht sie die Verantwortung für diese Person übernimmt, da Ältestendienst auf den Ort bezogen ist, wo die „Schafe" sind oder wohnen. Dieser örtliche Ältestendienst ist sicher nicht überörtlich zu verstehen. Wenn also der „neue" Ort sich nicht um die Gläubigen an diesem Ort kümmern würde, würden sie in ihrer Verantwortung versagen und Schuld auf sich laden.

Das zweite Problem besteht darin, dass man in dem genannten Vers von dem Herrn den Wert seiner Versammlung und damit jedes Einzelnen der Versammlung erkennt, man selbst aber hätte ein solches „Schaf" nicht wie einen wertvollen Gegenstand behandelt, um den man sich kümmern muss (die Ältesten des Ursprungsortes können es ja aus den genannten Gründen nicht mehr). Gott selbst hat seinen Sohn gegeben und mit dem Preis des Lebens seines Sohnes bezahlt. Und wir kümmern uns nicht um eine solche Person, sondern lassen sie mit ihren Problemen allein?

Es kommt aber noch ein wichtiger Grundsatz des Wortes Gottes hinzu: Paulus konnte und wollte den Bösen in Korinth nicht einfach von Ephesus aus hinaustun, also Zucht an einem anderen Ort üben. Obwohl er ein klares Urteil hatte und auch weitergab, war es die Aufgabe und Verantwortung von Korinth zu handeln. Denn die Autorität einer örtlichen Versammlung ist, was ihr Handeln betrifft, auf ihren Ort begrenzt. Alles andere ist Anmaßung.

Wer also jemand an anderem Ort ausschließt, geht über seine Kompetenzen hinaus. Letztlich ist das ein Handeln in Unabhängigkeit und damit im Widerspruch zur Einheit des Geistes, die wir bewahren sollen (Eph 4,3). Wir selbst, die wir am Ort diese Verantwortung haben, würden, wenn wir ihr nicht nachkommen, sondern eine andere örtliche Versammlung handeln ließen, damit zudem offenbaren, dass wir Gottes Anweisungen nicht ernst nehmen und ihnen nicht gehorsam sein wollen, nämlich an unserem Ort in Licht und Liebe zu handeln.

Wie wichtig ist und bleibt es, dass wir gerade bei diesen grundsätzlichen Verantwortlichkeiten der örtlichen Versammlung treu sind und uns an Gottes Wort halten. Wie sollten wir sonst moralische Autorität besitzen auch in anderen Fragen, die uns beschäftigen?

Wir können dankbar sein, dass der Herr seine Versammlung und uns persönlich nicht einfach laufen lässt. Manchmal zieht Er uns mit Liebe zu sich - zum richtigen Handeln und zur Korrektur. Zuweilen muss seine Liebe auch Zucht anwenden, die für uns immer schmerzhaft ist. Wie oft schon haben wir gespürt, dass Er selbst eingreift und zu unseren Gewissen reden muss, damit wir auf Ihn hören.


Fußnoten:

1 Dass man einer biblischen Zucht nicht durch „Flucht“ an einen anderen Ort entgehen kann, muss nicht weiter erklärt werden. Denn die Versammlung Gottes handelt – egal an welchem Ort – nach denselben biblischen Kriterien. Wenn also jemand an einen anderen Ort zieht und es wird deutlich, dass die Person ein Problem „mitnimmt“, wird sich das Zusammenkommen am „neuen“ Ort bei Verantwortlichen am „alten“ Ort erkundigen und entsprechend die Verantwortung übernehmen.