30.04.2019 Dienst | Menschliches Zusammenleben

Das Vergleichen

Bild: Leonardo da Vinci

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit", schrieb einmal der dänische Theologe und Philosoph Søren Kierkegaard. Tatsächlich kann dieses Vergleichen zur Wurzel von Neid und Streit unter Gläubigen werden.

 

Das macht der Apostel Paulus in 1. Korinther 12 ganz deutlich. Dort vergleicht er die Versammlung mit dem Körper des Menschen, der aus vielen Gliedern besteht. Und ab Vers 14 zeigt er zwei Herausforderungen zwischen einzelnen Gliedern auf. „Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht Hand bin, so bin ich nicht von dem Leib – ist er deswegen nicht von dem Leib?“

 

Das ist Neid. Der Fuß möchte gerne Hand sein, ist es aber nicht. Ihm gefallen die Aufgaben der Hand viel besser, aber er tut sie nicht, kann sie vielleicht auch nicht ausführen. Und dann will er sich lieber ganz zurückziehen.

 

Wie schade! Wie wichtig ist der Fuß! Wenn er die Hand nicht an die Stelle bringt, wo sie ihre Arbeit verrichten soll, wäre die Hand dazu gar nicht in der Lage. Wir brauchen sowohl den Fuß als auch die Hand. Wir brauchen in der Versammlung (Gemeinde) Gottes jeden Gläubigen. Jeder hat eine Funktion, jeder hat eine Aufgabe. Alle sind nötig, und wir sind alle auch voneinander abhängig. Wenn ich meine Aufgabe deshalb nicht ausführe, weil ich lieber eine andere täte, dann gerät das ganze Gefüge auseinander. Keine Aufgabe ist wichtiger als eine andere – sie sind alle wichtig und notwendig. Wir brauchen alle und schätzen (hoffentlich) auch alle Aufgaben gleich wertvoll ein.

 

Das andere ist, dass man auch meinen kann, besser zu sein als andere. „Das Auge aber kann nicht zu der Hand sagen: Ich brauche dich nicht“ (1. Kor 12,21). Das Auge braucht die Hand, wie die Hand das Auge braucht.

 

Wie gut, wenn wir alle einander wertschätzen und uns über jede Aufgabe, die von anderen getan wird, freuen und mitfreuen. Und wenn wir uns nicht mit anderen vergleichen, sondern schlicht die Aufgabe tun, die der Herr uns anvertraut hat. Dann tun wir genau das Richtige und können den Gläubigen (und Ungläubigen) am besten dienen.