27.07.2019 Matthäus | Versammlung / Gemeinde

Der Segen des gemeinsamen Gebets

In Matthäus 18,19 nennt der Herr Jesus nach dem Grundsatz des Lösens und Bindens in Matthäus 18,18 einen zweiten Grundsatz. Man fragt sich unwillkürlich, warum gerade dieser Vers jetzt folgt.

  1. An erster Stelle möchte ich daran erinnern, dass der Autorität in Vers 18 die Abhängigkeit in Vers 19 folgt. Nur dann, wenn wir wirklich abhängig von Gott handeln – das Gebet ist davon der beste Ausdruck –, werden wir die Autorität, die uns nach Vers 18 übertragen worden ist, in der rechten Weise ausüben. Mit anderen Worten: Abhängigkeit und Autorität gehören zusammen!
  2. Soll uns mit diesem Vers nicht gesagt werden, dass eine örtliche Versammlung nur dann in der Lage ist, zu binden und zu lösen, wenn sie es auf betenden Knien tut? Das „wiederum“ soll nicht andeuten: Jetzt habe ich euch etwas ganz anderes zu sagen, sondern: Wiederum, das heißt über das hinaus, was ich euch bislang gesagt habe, aber zu demselben Thema, habe ich euch auch noch dieses zu sagen. Ohne Gebet zu lösen und zu binden heißt, ohne den Himmel zu handeln, aber zu meinen, der Himmel würde trotzdem das anerkennen, was auf der Erde getan wird. Das wäre im Widerspruch zu der hier aufgezeigten Beziehung, die zwischen der Versammlung und dem Himmel besteht.
  3. Letztlich haben wir hier zwei verschiedene Zusammenkommen als Versammlung, die uns vorgestellt werden. Wenn eine Versammlung Geschwister aufnimmt in die Gemeinschaft – ein wichtiger Teil ist das Brotbrechen, aber bei weitem nicht der einzige! –, dann tut sie das in einem speziellen Zusammenkommen, wo von der Versammlung gerade diese Entscheidung der Aufnahme (oder des Ausschlusses) getroffen wird. Das Zusammenkommen zum Gebet ist eine weitere Zusammenkunft als Versammlung, genau wie die Zusammenkommen zum Brotbrechen (vgl. Apg 20,7) und das zur Auferbauung (1. Kor 14). Wenn also Geschwister in die Gemeinschaft (und damit zum Brotbrechen) aufgenommen werden, handelt es sich nicht um ein „Anhängsel“ an das Zusammenkommen zum Brotbrechen, selbst wenn diese Handlung (nicht „Bekanntmachung“!) im Anschluss an das Brotbrechen geschieht. Es ist ein eigenständiges Zusammenkommen, das wir daher natürlicherweise auch mit Gebeten einrahmen.
  4. Das Binden und das Lösen (Mt 18,18) setzen Einmütigkeit der handelnden Versammlung voraus, wie wir schon weiter oben gesehen haben. Es ist besonders das Zusammenkommen zum Gebet, in der diese Einmütigkeit sichtbar wird. Wenn alle Gläubigen einer örtlichen Versammlung gemeinsam beten, dann müssen sie über diese Sache „übereingekommen“ sein (vgl. Amos 3,3). Sonst könnten sie nicht zusammen für eine Sache beten; ein gemeinsames „Amen“ wäre unmöglich! Wie traurig, wenn in einer örtlichen Versammlungen Gruppierungen und Entzweiungen entstehen, die ein solches gemeinsames, einmütiges Gebet unmöglich machen.
  5. Der Herr zeigt hier, dass es nicht notwendig ist, dass die ganze Versammlung (zahlenmäßig) zusammenkommt, damit der Vater die Bitten erhört. Es können auch nur zwei oder drei „von euch“ sein. Das zeigt, dass der Herr in seiner göttlichen Barmherzigkeit den Niedergang der Gläubigen hier auf der Erde einbezieht, wenn Er Anordnungen gibt. Aber es wäre zu schmal gedacht, diese Zahl von zwei oder drei allein auf den Niedergang zu beziehen. Der Herr sagt diesen Niedergang auch an dieser Stelle nicht voraus – aber Er lässt offen, dass einmal nur noch zwei oder drei versammelt sein könnten. Zudem zeigt Er: Wo immer zwei oder drei „von euch“ – also Gläubige, Jünger, die dem Herrn Jesus nachfolgen, die zur Versammlung des Herrn gehören – zum Gebet zusammenkommen in dem Bewusstsein, dass sie nur einen Teil der örtlichen Versammlung bilden, werden sie von dem Vater erhört. Im folgenden Vers nennt der Herr noch eine Bedingung für die Erhörung: in seinem Namen zusammenzukommen. Aber zunächst stellt Er den Jüngern vor, was für eine Auswirkung das Gebet von zweien oder dreien hat.
  6. Dies ist einer der Verse, die zeigen, dass das Gebet den Himmel „bewegt“. Denn der Vater, der in den Himmeln ist, handelt auf das Gebet von Gläubigen hier auf der Erde, auch wenn es nur zwei oder drei sind, die zu Ihm rufen. Die Jünger auf der Erde werden mit Christus identifiziert. Denn Christus ist selbst unter ihnen! Deshalb hört Gott, der Vater, sie.
  7. Gegenstand des Gebets kann „irgendeine“ Sache sein. Man könnte fragen: Ist das nicht ein Freibrief für alles, auch für unsinnige Bitten, die der Vater dann erhört? Die Antwort ist: Ja, es ist ein Freibrief, eine gewaltige Verheißung. Aber es handelt sich nicht um eine Verheißung an das Fleisch, das unsinnige, törichte oder sogar böse Bitten vorbringt. Matthäus 18,20 zeigt, dass es Bitten sind, die das Ergebnis einer bewussten Einsmachung mit dem Herrn Jesus sind. Denn man ist zusammengekommen in seinem Namen. Das gibt die große Freiheit, alle die Bitten vorzubringen, von denen man weiß, dass sie die Bitten des Herrn Jesus wären, wenn Er noch hier auf der Erde wäre – und Matthäus sieht Ihn ja in gewisser Hinsicht bis heute noch bei den Jüngern bis zur Vollendung des Zeitalters (vgl. Mt 28,20). Dieses Bewusstsein ist keine Einengung für Gebete, sondern eine wunderbare Fokussierung.