18.05.2019 Matthäus | Versammlung / Gemeinde

Bindet sich der Himmel an eine unbiblische Entscheidung?

Ich komme an dieser Stelle noch einmal auf die Frage zurück, ob sich der Himmel an ein falsches, unbiblisches Binden und Lösen auf der Erde bindet. Um diese Frage richtig beantworten zu können, muss man unterscheiden zwischen Unfehlbarkeit und Anerkennen von Autorität. Keine Versammlung (und erst recht kein Bruder) kann für sich in Anspruch nehmen, unfehlbar zu sein. Das wäre eine furchtbare Anmaßung, die wir aus der römisch-katholischen Kirche kennen und die keinerlei Basis in der Bibel hat. Menschen sind, auch wenn sie gläubig geworden sind, nicht sündlos in der Praxis ihres Lebens, also auch nicht in ihren Belehrungen und Entscheidungen. Wir finden in der Bibel nur einen sündlosen Menschen: Jesus Christus. Alle anderen, auch wir Gläubigen, haben das Fleisch an uns und eine sündige Natur, so dass wir immer wieder sündigen und versagen. Letzteres gilt auch für jede örtliche Versammlung. Denn da sie nur so „geistlich“ sein kann, wie die zu ihr gehörenden Gläubigen „geistlich“ sind, wird es leider auch zu Fehlurteilen kommen. Dies ist in der Kirchengeschichte immer wieder geschehen.

Zunächst einmal wollen wir ganz praktisch verstehen, dass sich eine örtliche Versammlung nicht einfach formal auf die Verse 18 und 20 berufen kann, wenn sie nicht bereit ist, das Wort Gottes in seinem ganzen Umfang und in aller Klarheit auf sich und auf den konkreten Fall anzuwenden. Wenn man zum Beispiel eine bestimmte Meinung verteidigen oder Geschwister entfernen möchte, denen man mit Misstrauen begegnet, kann man sich nicht auf dieses Wort des Herrn berufen. Der Herr weist uns nicht an, nach unseren Gedanken aufzunehmen oder auszuschließen, sondern zeigt uns durch die Belehrungen der Apostel, dass es dafür biblische Kriterien gibt. Er fordert uns beispielsweise nach 1. Korinther 5 auf, jemand aus der praktischen Gemeinschaft auszuschließen, der in moralischer Sünde lebt. Und Er weist uns durch die Belehrungen in dem 1. Korintherbrief an, die Kinder Gottes grundsätzlich aufzunehmen, wenn sie mit einem reinen Herzen kommen (vgl. 2. Tim 2,22).

Was aber ist grundsätzlich bei einem Fehlurteil zu tun? Ist es weltweit anzuerkennen? Wird es im Himmel anerkannt?

Dazu lesen wir weder hier noch an anderer Stelle etwas Konkretes. Wir lesen nicht, dass ein Urteil nur dann anerkannt wird, wenn es biblisch ist. Wir lesen auch nicht, dass es deshalb anerkannt wird, weil es biblisch ist – obwohl die Bibel immer unterstellt, dass wir biblisch handeln. Sondern ein Urteil wird deshalb anerkannt, weil der Versammlung diese Autorität gegeben worden ist.

Der Himmel (also Gott) erkennt die einer örtlichen Versammlung übertragene Autorität an. Daher ist das, was auf der Erde gebunden ist, auch im Himmel gebunden. Das heißt nicht, dass sich der Himmel an ein falsches Urteil bindet – das wird er nie tun! –, sondern dass er die der örtlichen Versammlung übertragene Autorität bestehen lässt, solange diese noch den Zeugnischarakter trägt, den der Herr Jesus in den Briefen in Offenbarung 2 und 3 mit dem Symbol des Leuchters verbindet (vgl. z.B. Off 2,5).

Der Herr hat der Versammlung Autorität übertragen. Das ist der Punkt! Wenn wir diesen Grundsatz nicht festhalten, wird es auf der Erde zu Chaos kommen. Das heißt nicht, dass die örtliche Versammlung tun kann, was sie will. Sie ist gebunden an Gottes Wort. Und sie hat nur so lange Autorität, wie sie grundsätzlich das verwirklicht, was in Matthäus 18,19.20 steht.

Was ist nun bei einem "Fehlurteil" zu tun? Zunächst einmal ist es notwendig, sich bei den verantwortlichen Brüdern am Ort zu erkundigen, wie sie zu diesem Urteil gekommen sind. Denn viele Hintergründe und Zwischenschritte sind solchen, die ein Fehlurteil vermuten, gar nicht bekannt. Daher wollen wir uns auch hüten, sofort von einem solchen falschen Urteil zu sprechen. Ein Urteil hat somit zunächst einmal Bestand und wird anerkannt.

An dieser Stelle kann ich nicht auführlicher darstellen, dass aber dann weitere Schritte nötig sind. Man wird sich möglichst ausführlich mit den (verantwortlichen) Brüdern am Ort unterhalten. Man wird sie auf einen möglichen Fehler in ihrem Urteil hinweisen. Man wird dabei Geduld haben müssen, aber doch in Klarheit mit ihnen sprechen müssen. Man wird auch nicht allein zu dem Urteil kommen, dass ein Urteil unbiblisch ist. Das muss ja auch anderen auffallen, die in der Umgebung eines solchen Ortes wohnen. Und dann wird man, wie in anderen Artikeln dargestellt, in Liebe und Entschiedenheit versuchen, die Geschwister am Ort davon zu überzeugen, dass dieses Urteil so keinen Bestand haben kann.

Falls man am Ort bei einem falschen Urteil bleibt, auch nach vielen Bemühungen, wird ein solches Zusammenkommen aufhören, sich im Namen des Herrn zu versammeln. Denn - wie gesagt - der Himmel bindet sich nicht an ein Urteil, das unbiblisch ist. Dieses kann nicht im Namen des Herrn gefällt worden sein.